Wir kennen die drei ??? als beste Freunde und als ewige Jugendliche. Mit beiden Konstanten haben der Autor Christopher Tauber und die Zeichnerin Hanna Wenzel gebrochen: In ihrer Graphic Novel “Rocky Beach” zeigen sie Justus, Peter und Bob als Männer mittleren Alters. Ihr Detektivbüro sowie ihre Freundschaft sind Geschichte. Im Gespräch erzählen Wenzel und Tauber, wie sie die drei ??? altern ließen und wie ihre Zusammenarbeit verlief.

Christopher hat bereits als Zeichner die jungen drei ??? in Graphic Novels visualisiert. Hanna, du hast sie nun erstmals ins Erwachsenenalter versetzt. Wie hast du sie altern lassen?

Hanna Wenzel: Ich musste für mich erstmal eine Darstellungsweise der Jugendlichen finden, die zu meinem Stil passt. In unserer Graphic Novel gibt’s ja auch ein paar Episoden, in der sie jugendlich zu sehen sind. Anschließend habe ich sie nach und nach altern lassen: Ich habe mir ihre Gesichtszüge angeschaut und überlegt, wie sie sich im Alter entwickeln würden. Ich habe überlegt, welche Charakterzüge die Figuren haben, wie ihre Körpersprache ist und auch, welche kleinen Ticks sie haben.

Welche Figur ist dir am schwersten gefallen?

Hanna: Ich fand Bob am schwersten. Ich kann gar nicht genau fassen, wieso. Ich wollte wohl, dass er sehr stilvoll und sehr attraktiv rüberkommt, aber trotzdem in die Reihe der drei erwachsenen Fragezeichen passt. Da den Mittelweg zu finden, das fand ich schwierig.

Christopher: Aber ich habe jetzt schon von einigen Leuten gehört, dass sie gerade Bob besonders gelungen finden, Hanna.

Der erwachsene Bob besucht die alte Zentrale der ??? auf dem ehemaligen Schrottplatz der Familie Jonas.

Bleiben wir gleich beim Feedback, Christopher. Dass ihr die drei ??? auf nicht gerade glückliche Lebenswege geschickt habt, hat doch sicher nicht allen Leser*innen gepasst, oder?

Christopher: Es gibt Leute, die sagen “Das ist alles richtig, das macht alles Sinn, das habe ich mir schon immer gewünscht”. Dann gibt’s welche, die sagen “Ich hab's mir anders vorgestellt, aber das nehme ich gerne an”. Und dann gibt's natürlich die, die sagen “Das macht alles kaputt, das ist absolut falsch, der Boden tut sich auf, der Himmel stürzt ein”. Aber ich finde es gut, dass alles an Kritik dabei ist. Nichts auf dieser Welt stößt auf 100-prozentige Zustimmung.

Ihr habt nicht nur die Figuren verändert, ihr habt Rocky Beach in eine düstere Noir-Ästhetik gekleidet. In eurer Version der Stadt wird gemordet, die Polizei ist korrupt, die Bewohner*innen protestieren gegen Rassismus. Dieses Rocky Beach hat wenig zu tun mit dem, wie ich es mir durch die Hörspiele vorstelle. Für mich ist dort immer Sommer, alle tragen kurze Hosen, die Welt ist größtenteils heil. Wie sieht Rocky Beach in euren Köpfen aus?

Christopher: Es denken immer alle, in Rocky Beach wäre ständig Sommer. Das Ganze spielt ja auch in Kalifornien, nördlich von Los Angeles, und klar herrscht da oft gutes Wetter. Aber die Vorstellung ist nicht ganz korrekt: Je weiter nördlich man fährt, desto mehr kriegt man den Ozean zu spüren. Das Wetter wechselt sehr schnell, manchmal ist es auch sehr regnerisch. Außerdem spielen die drei ??? viel nachts.

Die Entscheidung zur Noir-Ästhetik dürfte also früh gefallen sein?

Hanna: Wir waren uns von Anfang an einig, wie “Rocky Beach” in etwa aussehen könnte. Die Geschichte hat etwas Düstere, Melancholische, ja Dramatische – ich finde, das passt sehr gut zu der Schwarz-Weiß-Optik. Christopher hatte mich ja auch als Zeichnerin aus dem stilistischen Grund angefragt, weil eben diese Art und Weise der Arbeit mit Tusche und Linien und Texturen mein Stil ist.

Wie lief die Arbeit zwischen euch ab?

Christopher: Als ich Hanna ins Boot geholt habe, war ich mit der Charakterisierung der Figuren schon ziemlich weit. Um die Geschichte dem Verlag schmackhaft zu machen, haben wir basierend auf dem Geschreibe noch ein paar Sachen ausgearbeitet und dann initiativ ein Konzeptpaket fertig gemacht. Als wir Kosmos reingeholt hatten, haben wir uns weiter abgesprochen. Ich habe Hanna ein kleines Fotoarchiv von meinen Kalifornien-Reisen zur Verfügung gestellt. Hanna hat Vorschläge gemacht, wie sie sich bestimmte Figuren vorstellt. Sie hat Entwürfe der Orte angefertigt, die ich zunächst nur grob umschrieben hatte. Und nachdem ich das Skript noch einmal überarbeitet hatte, hab ich’s an Hanna gegeben.

Hanna: Ich habe nicht direkt angefangen, das Skript an sich zu zeichnen, sondern ich habe mich herangetastet. Ich habe die Figuren, ihre Charaktere und die Schauplätze gezeichnet, damit Christopher, der Verlag und ich dieselben Vorstellungen haben. Danach kam das Storyboard. Ich hab das komplette Skript runtergebrochen auf ganz simple Skizzen, um den Lesefluss zu überprüfen.

Christopher: Wenn ich normalerweise ein Skript für andere Zeichner und Zeichnerinnen schreibe, bin ich sehr genau mit Seitenlängen. Bei “Rocky Beach” habe ich offen gelassen, wie sich die Handlung auf den Seiten verteilt. Und da bin ich immer noch beeindruckt und baff von Hannas Talent: Sie hat mir einen Skizzenblock vorgelegt und schon dieses Stadium war für mich überwältigend genau und richtig gut.

Das Wiedersehen der drei ??? hat Christopher Tauber bewusst herausgezögert: Erst ab Seite 81 erfahren wir, was aus Justus Jonas geworden ist.

Ihr wart also von Anfang an auf einer Wellenlänge. Lief die Zusammenarbeit mit dem Verlag ebenso reibungslos oder wurden euch kreative Grenzen gesetzt?

Christopher: Es gab einen Wunsch seitens des Verlags: Die drei ??? dürfen nicht sterben. Diese Idee hat mich natürlich in dem Moment, als sie den Wunsch geäußert hatten, sehr gereizt. Ich habe schon drüber nachgedacht, wer denn da auf möglichst spektakuläre Art und Weise ins Gras beißen könnte …

Und zu welchem Ergebnis bist du gekommen? Immerhin durfte dieser spektakuläre Tod nicht stattfinden, den kannst du dann doch ruhig verraten.

Christopher: Nee, das verrate ich nicht. Ich hab ja jetzt schon so viel Erfahrungen mit Tabubrüchen: Ich hab mit den ersten Graphic Novels den jungen drei ??? ein Gesicht gegeben. Jetzt habe ich sie alt gemacht. Ich sehe mich auch dafür verantwortlich, sie eines Tages sterben zu lassen. (lacht)

Hanna: Insgesamt sind wir beim Verlag nicht auf große Gegenwehr gestoßen. Da wir am Anfang ein sehr genaues Konzept eingereicht haben, wusste Kosmos, was sie erwartet. Es gab hier und da lediglich die Bitte, bestimmte Dinge nicht so explizit darzustellen.

Ich nehme an, ihr sprecht von Sex- und Todesszenen, die in “Rocky Beach” vorkommen.

Christopher: Da gab es Befürchtungen, wir könnten diese Dinge zu drastisch darstellen. Aber von Beginn an war klar, dass uns nichts ferner lag, als ein sensationsheischendes Werk zu machen. Und wir hatten eine großartige Betreuung durch die Redakteurin Anja Herre. Sie war Feuer und Flamme und hat uns wissen lassen, dass sie unseren Tabubruch gut findet. Den einzigen Streitpunkt mit ihr hatten wir dazu, dass alles auf Deutsch benannt werden müsse. Da habe ich immer gesagt: Nein, das Ganze spielt in Amerika, also muss es auch Englisch benannt werden. Bei allem anderen hat man uns vertraut. Und ich denke, das Vertrauen haben wir nicht missbraucht.

Als ich den Schluss gelesen habe, dachte ich: Da muss ja mindestens eine Fortsetzung folgen. Ist die nächste Geschichte über die erwachsenen drei ??? schon in der Mache?

Christopher: Es ist noch nichts beauftragt, aber Ideen gibt's natürlich. Ich bin aber auch glücklich damit, wie wir es jetzt gemacht haben. Klar, das Ganze hat ein offenes Ende an ganz vielen Stellen. Aber die wichtigste Frage ist doch beantwortet – nämlich wie ist es, wenn die drei ??? sich wiedersehen. Dass ich den Moment mit Hannas Hilfe schaffen konnte, das reicht. Damit bin ich total happy.