4. Dezember 2013 - Keine Kommentare!

Tools zum Zusammenarbeiten

Wer meint, der Alltag eines freien Journalisten wäre einsam, der irrt: Für einige meiner Artikel und vor allem für viele Projekte arbeite ich immer wieder mit Fotografen, Filmemachern, Designern oder anderen Schreibern zusammen. Und ich bin ein großer Fan davon. Nicht nur, weil ich so auch mal unter Leute komme, sondern weil das Endergebnis von den Kollaborationen in der Regel stark profitiert.

Am Anfang jeder Zusammenarbeit steht jedoch immer das gleiche Problem respektive die immanente Frage: Wie organisiert man sich mit seinem neuen Teampartner am effektivsten, wenn man mit ihr/ihm nicht gemeinsam in einem Büro sitzt und parallel noch drölf weitere Baustellen abzuarbeiten hat? Inzwischen habe ich "meine" Tools gefunden, die sowohl die Kommunikation als auch das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten selbst über zeitliche und räumliche Distanzen hinweg super-easy machen. Ist ja auch kein Hexenwerk: Die meisten Dienste kennt jeder oder nutzt sie möglicherweise längst. Oder vielleicht doch nicht? Ich stelle immer wieder fest, dass Freiberufler und Redaktionen ihre Arbeit mit den richtigen Tools durchaus optimieren könnten. Deshalb folgt hier nun eine kleine Zusammenstellung meiner täglichen Tools und die Empfehlung: Nutzt sie! Es hilft.

Termine finden? Doodle!

doodle

Problem: Journalist a soll für Musikmagazin y die hippe neue Band x nicht nur interviewen, sondern sie nach dem Gespräch auch noch fürs Heft möglichst hübsch ablichten. Blöd nur, dass a eine Nulpe hinter der Kamera ist und unter ISO ein Betriebssystem vermutet. Deshalb heuert a Fotografin b an, die wiederum bei c ein Studio anmietet und d als Visagistin ins Boot holt. Leider ist d tagsüber für eine Terminabsprache aber nicht zu erreichen und b drei Tage im Urlaub, während Journalist a von x die stressige Info bekommt, dass das Interview samt Fotos unbedingt noch vier Tage vor Redaktionsschluss zur Autorisierung kommen muss. Uff.

Lösung: Journalist a schreibt ohnehin den ganzen Tag Mails, er entscheidet sich also dafür, einen Termin für Interview plus Shooting mit b, c und d in CC abzusprechen. Dadurch allerdings entsteht ein heilloses Durcheinander: Nach sieben Mails weiß niemand mehr, wer denn nun wann genau Zeit hat. Also lädt a die Mischpoke zu einem Doodle ein. Da kann das Team ohne Anmeldung einfach mehrere Zeit-Alternativen eintragen und schließlich auf einen Blick den geeigneten Termin für das Shooting ausfindig machen.

Ideen diskutieren? Facebook-Gruppe!

facebook-gruppen

Problem: Die Journalisten a, b und c wollen gemeinsam eine wöchentliche Web-Talkshow starten. a wohnt allerdings in Düsseldorf, b nahe Frankfurt und c in Berlin - wie sollen sie sich da bloß absprechen, um regelmäßig on air gehen zu können?

Lösung: a, b und c kommen zu dem Schluss, dass es am leichtesten ist, Ideen für Gesprächspartner, Feedbackrunden oder andere Diskussionen über dieses Internet zu bewerkstelligen. Eine Restricted Community aufzusetzen, Accounts anzulegen, Rechte zu vergeben und und und erscheint ihnen jedoch als zu aufwendig für ihr kleines Projekt, und so vertraulich sind ihre Gesprächsthemen nun auch wieder nicht, als dass sie auf einem eigenen Server gespeichert werden müssten. Stattdessen richten die drei binnen weniger Minuten eine geschlossene Gruppe auf Facebook für die Projekt-Kommunikation ein. Immerhin hängt das Team ohnehin (so gut wie) immer auf Facebook ab und bekommt nun zeitnah mit, wenn einer wieder einen Vorschlag in die Gruppe gepostet hat. Außerdem können a, b und c auf Facebook auch mal schnell Links und Dokumente hinterlegen.

Konferenzen abhalten? Google Hangout!

google-hangout

Problem: Die Schreiberlinge a bis j haben ein gemeinsames Blog gestartet, das sie täglich mit Beiträgen füttern. Über eine geschlossene Facebook-Gruppe schicken sie sich fix Themenvorschläge dafür zu und diskutieren dies und das, doch das Projekt verlangt für die langfristige Planung auch ab und an Face-to-Face-Treffen. Doof nur, dass a bis j in Deutschland verstreut wohnen und das Geld für ein Ticket nach Hamburg, Berlin, Hannover oder gar München aus der gähnend leeren Projektkasse nicht mal eben abzuzwacken ist.

Lösung: a bis j beschließen, sich einmal im Monat per Google Hangout zu treffen. Über Skype haben sie auch nachgedacht, als Alternative dann aber ausgeschlossen, weil die Teilnehmerzahl eines Gesprächs arg begrenzt ist. An Hangouts können maximal zehn Personen kostenlos teilnehmen, a bis j finden also problemlos zueinander. Und wenn einer mal nicht kann, können die anderen die Konferenz nachträglich privat bei YouTube ablegen und den Abwesenden zur Verfügung stellen.

Die Arbeit der anderen im Blick behalten? Google-Kalender!

google-kalender

Problem: Die siebenköpfige Redaktion des Magazins w hat sich die Social-Media-Arbeit aufgeteilt. Am Montag ist es a, die Facebook, Twitter und Instagram mit informativen oder witzigen Posts füttert, am Dienstag ist es b und so weiter. An einem Mittwoch kurz vor Feierabend stellt d mit Schrecken fest, dass auf sämtlichen Kanälen kein Post gelaufen ist. Er hetzt ins Nebenbüro, um bei c nachzuhaken - aber c ist gar nicht da! Und niemand weiß, wo er steckt! Ahhh!

Lösung: Die siebenköpfige Redaktion des Magazins w beschließt zuerst einmal, sich jetzt morgens immer auf einen Kaffee zusammenzusetzen und in der Gruppe darüber zu sprechen, welche Termine und Ereignisse den Tag prägen werden. Bessere Kommunikation und so. Zusätzlich richten a bis g aber auch einen Redaktionskalender bei Google ein, in dem sie künftig Interview-, Konferenz- oder auch Arzt- und Urlaubstermine digital festhalten. So ist jeder immer auf dem Laufenden - selbst wenn sie/er zuhause ist, denn immerhin lässt sich der Kalender von jedem Rechner aus abrufen. Und auch ihre Posts trägt die Redaktion nun täglich in den Kalender ein: Ein sinnvolles Analysesystem wie Facebook Karma oder ein Managementtool wie Falcon Social kann sich Magazin w zwar nicht leisten, trotzdem hat die Redaktion nun einen besseren Überblick darüber, wann welcher Post abgesetzt wurde.

Dokumente gemeinsam bearbeiten? Google Drive!

google-drive

Problem: a und b wollen für Tageszeitung y gemeinsam eine aufwendige sechsteilige Interviewreihe realisieren. Die Arbeitsaufgaben sind dabei klar verteilt: Die Interviews werden gemeinsam geführt, a transkribiert die ersten drei Gespräche, b die restlichen. Anschließend wollen a und b die Interviews zusammen ins Reine schreiben. Aber ach: a wohnt in Hamburg, b in in Berlin. Und nun?

Lösung: Sicher könnten sich a und b ihre Versionen der Transkripte auch per Mail hin und herschicken. Und bei Facebook ließen sich die Dateien ebenfalls fix austauschen, ja. Aber gemeinsam bearbeiten können a und b die Interviews in dem sozialen Netzwerk nicht. a und b erinnern sich, dass das Journalisten-Portfolio-Netzwerk Torial in seiner Anfangsphase eine Funktion zur kollaborativen Bearbeitung von Dokumenten angeboten hat, das Feature aber bald wieder kickte, denn: Mit Google Drive, ehemals Docs, gibt es längst ein weitaus kraftvolleres Tool für diesen Zweck. Hier lassen sich sämtliche Text-, Tabellen- oder Präsentationsdokumente nicht nur live gemeinsam verändern, sie können auch hervorragend in Ordnern archiviert und für andere Personen zur Einsicht freigeben werden.

Große Datenmengen verschicken? WeTransfer und Dropbox!

dropbox-wetransfer

Problem: Filmemacherin a und Journalist b haben gemeinsam ein Video-Interview umgesetzt. Dabei hat a die Filmaufnahmen in ihrer Tasche mitgenommen, die Tonspur ist allerdings im Jutebeutel von b gelandet. Dateigröße: 540 Megabyte. Viel zu groß also für eine Mail (Begrenzung bei Gmail: 25 MB, GMX: 20 MB, Web.de: 12 MB) und auch für Facebook (Begrenzung: ebenfalls 25 MB).

Lösung: b hat einen Google-Account und könnte a die Datei auch bei Drive rüberhieven. a will mit Google aber nix am Hut haben ("Genauso böse wie Facebook!"). Also lädt b die Audio-Files in seine Dropbox, beziehungsweise versucht er es, denn die Dropbox (20 GB) ist längst randvoll mit allen möglichen Pressebemusterungen von irgendwelchen merkwürdigen Indie-Platten. Schließlich schaufelt b die Tonspur bei WeTransfer hoch, wo a sie ohne Anmeldung hübsch verpackt wieder herunterladen kann. Geschafft!

Veröffentlicht von: Mark in Arbeit & Projekte

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