3. Oktober 20151 Kommentar

Auf einer Skala von „noch nie“ bis „ganz Deutschland“: Mit wie vielen Leuten hattest du schon Sex?

Da stehen wir: Programmierer Hannes Rohde (Deutschen Welle), meine Wenigkeit sowie meine Kommilitoninnen Judith Bader (ProSieben) und Hannah Suppa (Hannoversche Allgemeine Zeitung) - und sind überglücklich. Denn wir haben den scoopcamp-Hackathon gewonnen – mit dieser Idee.

Noch vor wenigen Minuten haben wir auf der Bühne des scoopcamp 2015 in einem fünfminütigen Elevator-Pitch das Konzept präsentiert, das wir anderthalb Tage lang im Kurs "Multimediales Arbeiten" an der Hamburg Media School entwickelt haben.

Entlang der Design-Thinking-Methode sind wir auf die Straße gegangen und haben mit Millennials gesprochen, um herauszubekommen, mit welchem neuen Medienangebot man sie begeistern könnte.

Unsere Beobachtung: Der Großteil derer, mit denen wir gesprochen haben, interessieren sich fürs tagesaktuelle Geschehen - Nachrichtenmedien nutzen sie trotzdem selten bis gar nicht. Die Gründe: Zum Beispiel wollen sie ihren knappen Smartphone-Speicher nicht mit Nachrichtenapps überlasten; und in der Flut von Angeboten wüssten sie auch gar nicht, für welches Medium sie sich entscheiden sollten. Unsere Erkenntnis: Es ist nicht der Journalismus, zwingend in neue Formen gepresst werden muss. Das Marketing für Medienangebote scheint nicht zu wirken. Unsere Lösung: "News it!".

apptitel

Bei "News it!" handelt es sich um eine für mobile Endgeräte optimierte Seite, die den Nutzer mit Gamification-Elementen spielerisch Medienangebote entdecken lässt. Dafür müssen die Nutzer zunächst an einem Glücksrad drehen, das zufällig über das Ressort entscheidet, aus dem sie später mehrere Artikelvorschläge erhalten.

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Im Anschluss folgen drei zufällige Fragen, die auf den ersten Blick abgedreht wirken. Der Nutzer verrät uns durch seine Antworten allerdings wie in einem Psychotest, welche Artikelart am ehesten zu ihm passen könnte.

Nach den Fragen landen die "News it!"-Spieler in einem Tinder für News: Es werden ihnen drei Artikelvorschläge unterbreitet, die sie entweder wegswipen oder lesen können. Die Artikel sind markant mit der jeweiligen Medienmarke gebrandet, damit sie in Erinnerung bleibt. Wer "News it!" von vorne beginnt, bekommt neue Fragen zugespielt, die sich zunehmend am Geschmack des Spielers orientieren.

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Die Idee steht, jetzt würden wir sie auch gerne umsetzen. Wer dafür mit uns zusammenarbeiten möchte - sehr gern. Einfach per Mail melden.

27. Juni 20153 Comments

Als würde das Elternhaus abgerissen: Ein Nachruf aufs uMag

Im März 2006 entdeckte ich ein mir unbekanntes Magazin am Kiosk. Es versprach Kulturjournalismus aus einer jungen Perspektive, stellte Newcomer aus Film und Musik vor, war clean gestaltet.

Das uMag (damals noch U_mag) verkörperte und proklamierte Aufbruch und Anderssein, die Melange aus Pop, Gesellschaft und Lifestyle fand ich fantastisch. Das Heft war nicht elitär, sondern offen für alle und alles. Es ließ Harry Rowohlt neben Patrick Wolf auftreten, feierte Tilman Rammstedt und wütete gegen Hannah Herzsprung. Es gab Gesellschaftsthemen zum Altern, über Pornos und Beziehungen. Hach. Im nächsten Monat kaufte ich mir das Heft wieder. Und wieder. Und wieder. Und irgendwann beschloss ich: Für die willst du mal schreiben.

Das uMag wurde später unheimlich wichtig für mich. Während meines Studiums habe ich ein sechsmonatiges Praktikum bei der Redaktion in Hamburg-Ottensen absolviert, nach dem Abschluss wurde ich dort Volontär. Das waren zwei aufregende und prägende Jahre, womöglich die bisher prägendsten. Beim uMag habe ich das Selbstbewusstsein für die Selbständigkeit gesammelt und den Mut, Dinge auszuprobieren. Und nicht zuletzt habe ich ganz wunderbare Menschen kennengelernt und bei Konzerten, Lesungen, Festivals, Filmen, Essen, Weihnachtsfeiern, Ausflügen und und und eine grandiose Zeit mit ihnen gehabt. So schön war das, dass ich mit einigen von ihnen Les Flâneurs startete.

Als freier Autor habe ich dieses Jahr drei Titelgeschichten fürs uMag beigesteuert, zum letzten Mal. Denn: Vergangenen Donnerstag ist die finale Ausgabe des uMag erschienen. Das fühlt sich ein bisschen so an, als würde das Elternhaus abgerissen. Zwar bin ich schon lange ausgezogen und finde längst nicht alles gut, was in den vergangenen Jahren mit dem uMag passiert ist, aber das Aus dieser tollen Zeitschrift stimmt mich sehr, sehr traurig. Zeit für Wein. Zeit für sentimentales Blättern, durch tolle Artikel und viele schöne Erinnerungen.

11. September 20141 Kommentar

LocalWatch: Wie eine News-App für Smartwatches aussehen kann

Wie könnte eine Nachrichtenapp für Smartwatches aussehen? Ich habe mir mit einem spannenden Team in Hamburg Gedanken darüber gemacht.

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6. November 20133 Comments

Eindrücke aus Island

Journalisten-Buddy Michael und ich haben an fünf Tagen Reykjavík und das Iceland Airwaves 2013 unsicher gemacht. Ein paar Eindrücke in Bildern.

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22. Juli 20102 Comments

So wirst du Spielejournalist*in

Den ganzen Tag zocken und dafür auch noch Geld kriegen? Wie cool wäre das. Auf den ersten Blick wirkt der Spielejournalismus sehr reizvoll, entpuppt sich auf den zweiten allerdings als hartes Pflaster. Denn in der Sparte herrscht angesichts der hohen Konzentration ein immenser Wettkampf. Selbst die großen Titel der Branche wie Game Star oder Computer Bild Spiele verlieren nach und nach an Auflage und Geld – und bieten dementsprechend kaum neue Jobs an. Sollten junge Leute vom Spielejournalismus also lieber die Finger lassen?

Auf meine Anfrage haben Heiko Gogolin (Chefredakteur der Gee), Harald Fränkel (ehemals bei der PC Action, heute freier Journalist für diverse Print- und Online-Magazine) und Markus Schwerdtel (Chefredakteur der Gamepro) kurz erklärt, worauf sich Nachwuchsjournalist*innen in der Spielebranche einstellen müssen und welche Fähigkeiten unerlässlich sind.

Heiko Gogolin:

Immer, wenn ich erzähle, dass ich Spielejournalist bin, höre ich unisono das Wort "Traumberuf". Aber obwohl ich Spiele liebe und somit ein Hobby zum Beruf gemacht habe, ist die mit dem Begriff verbundene Assoziation, mit Zocken während der Arbeitszeit sein Geld zu verdienen, falsch. Spielejournalismus ist Journalismus: Am Tag wird in der Redaktion konzipiert, kontaktiert, geschrieben und geschnitten. Die Games selbst müssen in der Regel abends nach Feierabend gespielt werden. Dass sich Arbeit und Freizeit vermischen ist also nicht nur Selbstverwirklichung, sondern aufgrund mangelnder Grenzen zuweilen anstrengend.

Dass jemand, der Spielejournalist werden möchte, sich gut mit Games auskennen sollte, ist klar. Wichtig ist darüber hinaus auch der Wille, das Handwerk des professionellen Schreibens zu lernen. Viele in der Branche sind zuallererst Fan, und ab und an müssen sie dann noch über ihre Leidenschaft schreiben. Dieser Ansatz funktioniert nur im eingeschränkten Rahmen einer Fachzeitschrift. Wer es aber schafft, allgemeinverständlich und nicht nerdig über komplexe Zusammenhänge in der Spielewelt zu schreiben, der hat gute Aussichten auch für große Zeitungen, Webseiten und Zeitschriften zu schreiben. Denn interaktive Formen der Unterhaltung haben eine große Zukunft. Während Games derzeit oft nur am Rande eine Rolle spielen und sich in der breiten Medienrezeption alteingesessenen Kulturformen wie Filmen oder Büchern unterordnen müssen, wird sich das langfristig massiv ändern.

Harald Fränkel:

Ein angehender Spielejournalist muss damit rechnen, dass er Stress hat und sein Geld eben nicht spielend verdienen kann. Der Job ist nicht halb so locker, wie viele meinen. Man verdient nicht mehr so, wie noch vor Jahren, weil Hefte immer schlechter verkaufen und Onlinemagazine (noch) nicht so weit sind, dass sie finanziell auf Rosen gebettet wären. Wer sich Gehälter und Honorare wie in Zeitungs- und Zeitschriften-Tarifverträgen erhofft, wird weinen.

Außerdem müssen Nachwuchsjournalisten damit rechnen, sehr, sehr viel zu arbeiten. Sie müssen sehr, sehr gut sein, um von dem Job leben zu können, weil es immer einen Praktikanten geben wird, der ihn preisgünstiger macht. Ich denke, das waren die schlechten Nachrichten. Die gute lautet: Wer Fuß gefasst hat, wird sehr viel Spaß haben. Ich möchte nichts anderes machen.

Markus Schwerdtel:

Spielejournalist zu werden ist natürlich der Traum vieler junger (vor allem) Männer. "Den ganzen Tag zocken" und "immer die neuesten Games", das hat jeder im Hinterkopf, der diesen Beruf ergreifen will. Während letzteres tatsächlich stimmt, ist ersteres natürlich ein Trugschluß. Genau so wenig wie die Redakteure von Auto Motor Sport den ganzen Tag spazieren fahren und die Blinker-Leute immer angeln, sind Spieleredakteure den ganzen Tag am daddeln.
Was braucht man, um in diesen Beruf zu kommen?

  • Abitur oder eine abgeschlossene Ausbildung
  • idealerweise Grundkenntnisse in Videoschnitt und CMS
  • einigermaßen vernünftige, möglichst dialektfreie Aussprache und Eloquenz (Stichwort: Podcasts & Videos vertonen!)
  • umfassendes Spielewissen

Gerade der letzte Punkt ist wichtiger, als man denkt. Es reicht eben nicht, der totale Street-Fighter-Checker zu sein. Man muss sich genauso bei Rennspielen, Shootern und Rollenspielen auskennen. Es geht also vor allem um Breite und auch historisches Wissen. Dazu kann eine gesunde Kenntnis der Spielebranche (Entwickler-Persönlichkeiten, Unternehmensstrukturen, Geschäftsmodelle etc.) nicht schaden.

Wenn man das alles erfüllt, bekommt man dann sicher einen Job als Spieleredakteur? Leider nein. Wie überall werden auch bei Spielemagazinen und -websites derzeit kaum Festangestellte engagiert, und wenn, dann nicht zu Tarifgehältern. Idealerweise macht man sich mit Praktika, freier Mitarbeit und Traineeships in einer Redaktion unentbehrlich, dann sind die Übernahmechancen am größten. Um das zu erreichen ist es gut, eben nicht "nur schreiben" (das ist Grundvoraussetzung) zu können, sondern auch Zusatzqualifikationen zu haben (Videoschnitt, "Kameragesicht", Sprecherstimme etc.). Gerade im Web sind Videos wichtig, reine "Schreiber" tun sich damit oft schwer. Gesucht wird eher -- und das ist nichts Neues -- ein Multimedia-Redakteur, der eben alle Kanäle bedienen kann. Damit unterscheiden sich die Anforderungen an einen Spielejournalisten kaum von denen in anderen Fachbereichen -- nur dass Spiele halt viel cooler sind als Möbel, Autos oder Angeln.

Wer jetzt immer noch Lust auf den Spielejournalismus hat, findet hier weitere Infos und Jobangebote:

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