2. Dezember 2019Keine Kommentare

Wie der BR mit „Tag X“ ein interaktives Hörspiel entwickelte

An einem Freitag Ende Juli veröffentlichte der Bayerische Rundfunk ein ungewöhnliches Hörspiel. In "Tag X" ĂŒbernehmen die Hörer*innen die Kontrolle ĂŒber den Verlauf der Geschichte. Am Ende einer jeden Szene können sie sich zwischen zwei Handlungsmöglichkeiten entscheiden und so den Weg der Hauptfigur durch die Gefahren eines BĂŒrgerkrieges bestimmen.

Das Voiceteam des BR hat "Tag X" fĂŒr die Nutzung mit den Smartspeakern Amazon Alexa und Google Home optimiert. Auf den Plattformen können die Hörer*innen Entscheidungen per Sprachbefehl treffen. Aber auch auf dem Smartphone und im Browser lĂ€sst sich das Hörspiel nutzen – ĂŒber das Antippen respektive Anklicken der Optionen.

Die Hörer*innen können 13 unterschiedliche Enden erleben. Je nach Entscheidungspfad dauert das Hörspiel zwischen 20 bis 45 Minuten.

Wie geht man an die Entwicklung eines solchen interaktiven Hörspiels heran? Von welchen Projekten lĂ€sst sich etwas abgucken? Worauf ist zu achten, um eine möglichst mitreißende Immersion zu kreieren? Klaus Uhrig, Dramaturg und Redakteur von "Tag X", hat mir einen Einblick in die Entstehung gegeben.

Klaus, wer sich durch "Tag X" hört, kann 13 unterschiedliche Enden erleben. Mit welchen Tools habt ihr die Story erdacht, um dabei selbst den Überblick zu behalten?

Wir haben das Tool Twine benutzt, mit dem man sehr einfach EntscheidungsbĂ€ume darstellen und sich außerdem durch interaktive Plots wie in einem Textadventure durchklicken kann. Das war extrem hilfreich, stĂ¶ĂŸt aber auch an Grenzen, unter anderem wenn man Variablen einbaut, die sich durch den Entscheidungsbaum nicht darstellen lassen – also zum Beispiel Entscheidungen, die man am Anfang der Handlung trifft, die sich aber erst spĂ€ter auswirken.

Ihr habt die HandlungsstrÀnge von Hörer*innen testen lassen. Was waren eure wichtigsten Erkenntnisse?

Die Tests waren unfassbar wichtig. Vor allem haben wir gelernt, dass die Antwortmöglichkeiten klar formuliert sein mĂŒssen, damit jeder Hörer sie sofort versteht. Und wir haben gelernt, dass es absolut zentral ist, selbst Nachfragen, Fehlermeldungen und Hilfetexte selbst zu produzieren, da die Alexa- und Google-Assistant-Stimme jede Immersion zerstört.

Kannst du dafĂŒr ein Beispiel bringen: Inwieweit habt ihr da eingegriffen?

Zum Beispiel wenn Alexa etwas nicht versteht, sagt normalerweise die Alexa-Stimme "Das habe ich nicht verstanden". Oder wenn man den Skill beendet und Alexa wissen will, ob man nochmal starten möchte oder nicht. Alle diese Dinge haben wir mit unserem Sprecher produziert, damit nie die Alexa-Stimme kommt. Das war teilweise sehr aufwĂ€ndig – wir mussten zu jeder einzelnen Entscheidung in „Tag X“ Nachfragen produzieren, fĂŒr den Fall, dass Alexa oder Google Assistant die Antwort des Nutzers nicht versteht. Diese Nachfragen geben nochmal die möglichen Antworten vor, sind also fĂŒr jede Entscheidung individuell. All das haben wir mit unserem Sprecher im Studio aufgenommen, zusĂ€tzlich zu den eigentlichen Szenen. Das war schon sehr viel, aber es hat sich gelohnt, finden wir, weil man so nie durch die doch sehr kĂŒnstliche Alexa-Stimme aus dem Spiel herausgerissen wird.

Ein solches interaktives Hörspiel zu entwickeln, stelle ich mir auch deshalb schwierig vor, weil es wenige Best-practice-Beispiele gibt, von denen man lernen kann.

Genau das war unser Problem. Wir haben fast alle Fehler selber machen mĂŒssen – und gemacht. Und dann hoffentlich ausgebĂŒgelt. Es gab kaum Vorbilder. Wir hatten eine kleine Videokonferenz mit BBC-Leuten, die an Ă€hnlichen Projekten arbeiten, wir haben uns auch Beispiele aus dem Gaming-Bereich angesehen, das hat schon mal etwas geholfen. Aber es war auch viel Trial and Error dabei.

Die BBC hat 2017 das erste interaktive Hörspiel produziert. Die Sci-Fi-Comedy "The Inspection Chamber" ist nur fĂŒr Alexa erschienen. Hier findest du ein kurzes Interview zur Entstehung. In diesem Video kannst du dir ansehen, wie Hörer*innen die Story testen:

Welche Games habt ihr euch angesehen?

"The Walking Dead" und andere Produkte der Firma Telltale sowie "Detroit: Become Human" von Quantic Dream. "Walking Dead" hatten wir uns wegen seiner recht klaren Interaktionsstruktur angesehen, "Detroit" wegen der Art und Weise, wie Interaktionen sich auf das zukĂŒnftige Spielgeschehen auswirken.

Das Video zeigt eine der ersten Szenen in "Detroit: Become Human". Agent Connor wird geschickt, um mit einem Androiden zu verhandeln, der ein Kind als Geisel genommen hat. Die Spieler*innen mĂŒssen zĂŒgig Entscheidungen treffen, um das Kind zu retten. Die Entscheidungen (zum Beispiel kann Connor behaupten, er sei unbewaffnet) haben Auswirkungen auf den spĂ€teren Spielverlauf.

Todd Yellin von Netflix hat bei einer Konferenz in Indien angekĂŒndigt, nach dem Erfolg der "Black Mirror"-Folge "Bandersnatch" mit weiteren interaktiven Shows experimentieren zu wollen. Könnt ihr euch auch vorstellen, immersive Hörspiele kĂŒnftig hĂ€ufiger zu produzieren?

Absolut! Wir sind schon am nĂ€chsten Projekt dran. Ich darf zwar noch nichts verraten, aber zumindest kann ich garantieren, dass wir große PlĂ€ne haben - und, dass es in Richtung Krimi gehen soll, mit dem Hörer als Ermittler.

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe, in der ich inspirierende journalistische Formate aus 2019 vorstelle. Hier findest du die Übersicht aller BeitrĂ€ge.

2. Oktober 2019Keine Kommentare

Urlaub in Jordaniens Hauptstadt: Was du in Amman erleben kannst

Seit 1948 ist Jordaniens Hauptstadt enorm gewachsen, von circa 10.000 auf inzwischen 1,8 Millionen Einwohner*innen. Ein Problem, den das rasante Bevölkerungswachstum mit sich gebracht hat: ein absolut chaotischer Verkehr. Ampeln findest du selten, ebenso klar gekennzeichnete Spuren. Jede*r fÀhrt und hupt sich durch Amman, wie er*sie will.

Tu dir am besten direkt bei der Wahl deiner Unterkunft einen Gefallen und such nach einer Bleibe im First oder Second Circle der Stadt. Also im Stadtkern um die Downtown und die Rainbow Street herum. Meine Freundin und ich sind bei unserem Amman-Besuch weiter außerhalb untergekommen und mussten um die anderthalb Stunden ins Stadtinnere laufen. Bei dem stressigen Verkehr sowie hĂ€ufig schmalen Gehwegen war das nicht gerade Urlaub.

Der ÖPNV ist ziemlich unĂŒbersichtlich und die Busse erreichen viele kleine Straßen nicht gut. LĂ€ngere Strecken legst du daher am einfachsten mit dem Taxi zurĂŒck. Die Fahrten sind deutlich gĂŒnstiger als in Deutschland: Unsere Fahrten von der Unterkunft nach Downtown haben uns beispielsweise immer um die 5 jordanische Dinar (JOD, circa 6,50 Euro) gekostet. Bist du erst mal im Zentrum angekommen, lassen sich alle spannenden Orte jedoch gut zu Fuß erreichen.

Hier kommen ein paar Tipps, was du in Amman, aber auch im Umland Lohnenswertes sehen und erleben kannst:

Den Ausblick vom ZitadellenhĂŒgel genießen

Das Stadtgebiet von Amman erstreckt sich wie in Rom ĂŒber zahlreiche HĂŒgel. Der höchste ist Jabal Al Qal’a, der im Zentrum der Stadt liegt. Dort kannst du die Zitadelle besichtigen – und einen tollen Ausblick ĂŒber die Stadt genießen.

Den Basar im First Circle erkunden

Unterhalb des Jabal Al Qal’a liegt der Stadtkern Ammans, auch First Circle genannt. Auch hier tobt der Verkehr, du kannst ihm aber hervorragend in kleine Seitengassen entkommen, in denen es viele Shops mit frischem Obst, GemĂŒse, getrockneten FrĂŒchten, NĂŒssen und GewĂŒrzen zu bestaunen gibt.

Einen Snack bei Hashem, Reem und Al Quds essen

Wenn dich bei der Erkundung des First Circle der Hunger packt, solltest du dem Restaurant Hashem einen Besuch abstatten. Hier bekommst du beispielsweise ein schmackhaftes MenĂŒ bestehend aus Humus samt Brot, Fatteh und Falafel plus zwei SoftgetrĂ€nke fĂŒr 6 JOD (circa 7,80 Euro). Der Humus ist der beste, den ich in Jordanien gegessen habe – weil er mit Knoblauch verfeinert wird. Eine ausfĂŒhrliche Kritik findest du bei YouTuber Mark Wiens.

Wenn dir die Portionen im Hashem zu ĂŒppig sein sollten, kannst du auch den HĂŒgel westlich des Basars besteigen und zwei Imbisse ausprobieren: Bei Al Quds gibt es hervorragende Falafel-Sandwiches fĂŒr einen Dinar. Beim etwas weiter entfernten Reem bekommst du das beste Schawarma-Sandwich der Stadt, ebenfalls fĂŒr circa einen Dinar. Da der Imbiss allerdings direkt an einem Verkehrskreisel liegt, kannst du dort nicht gemĂŒtlich sitzen.

FĂŒr alle drei Stationen gilt: Es gibt keine Karte.

Kunst im Second Circle gucken

Wenn du es fĂŒrs Essen in den Second Circle um die Rainbow Street geschafft hast, kannst du nördlich der Restaurantgegend die Arbeiten junger KĂŒnstler*innen entdecken. In den KunsthĂ€usern Darat Al Funun und Dar Al-Anda gibt es wechselnde Ausstellungen, nette CafĂ©s und viel GrĂŒn, in dem man sich erholen kann.

Im Rumi einen Kaffee trinken

Gut entspannen kannst du dich auch in diesem CafĂ©: Im Rumi nahe des Paris Square hĂ€ngt die digitale Boheme der Stadt mit Macbooks ab und schlĂŒrft feinen Kaffee. Probier auch den Kuchen, der ist prima.

Einen abendlichen Spaziergang durch die Rainbow Street machen

In den Abendstunden lohnt es sich, noch einmal in die Rainbow Street zurĂŒckzukehren. Dann blĂŒht die Ausgehgegend auf, die Shisha-Bars öffnen und die Menschen versammeln sich auf den angrenzenden kleinen PlĂ€tzen.

Die WĂŒstenschlösser besuchen

Wenn du die Innenstadt abgeklappert hast, lohnt sich auch der Blick ĂŒber den Stadtrand: Östlich von Amman stehen drei WĂŒstenschlösser – das Amra Castle, das Al Kharana Castle (auf dem Foto zu sehen) und das Al-Azraq Castle. Die Besichtigung der GebĂ€ude ist im Jordan Pass inkludiert. Ansonsten kostet der Eintritt ein paar Dinar. Viel zu sehen gibt‘s in den minimalistischen Bauten nicht, viel lĂ€nger als eine halbe Stunde wirst du an keiner Station verbringen. Eine teure gefĂŒhrte Tour lohnt sich daher eher nicht. Nimm lieber ein Taxi – und spar dir die Kohle fĂŒr den nĂ€chsten Trip:

Eine Tour nach Umm Qais, Aljoun und Jerash unternehmen

Nördlich von Amman liegen drei historische Orte:

Nahe Umm Qais befinden sich die Ruinen von Gadara, einer Stadt des antiken Griechenlands. An klaren Tagen kannst du von der AusgrabungsstĂ€tte einen guten Blick auf den See Genezareth sowie die Golanhöhen werfen. Die Höhen sind aufgrund ihrer militĂ€risch wichtigen Lage regelmĂ€ĂŸig ein politisches Streitthema. 

Ajloun Castle ist eine Festung, die im 12. Jahrhundert n. Chr. erbaut wurde und als uneinnehmbar galt. Wie sie verteidigt werden konnte, zeigt eine kleine Ausstellung im Inneren.

Das Highlight in Ammans Umgebung sind die Ruinen von Jerash. Die Gegend war bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. bewohnt, ihre BlĂŒtezeit erlebte das Gebiet im 1. Jahrhundert v. Chr. unter dem Namen Gerasa unter römischer Regierung. Die Stadt avancierte zu einem wichtigen Handelsknotenpunkt, der Petra Konkurrenz machte. Heute kannst du durch zahlreiche Tempelruinen klettern.

FĂŒr die drei Stationen solltest du mindestens einen halben Tag einplanen. Auch hier kommt dich eine Privatfahrt vermutlich gĂŒnstiger als eine gefĂŒhrte Tour. Guides gibt es an den drei SehenswĂŒrdigkeiten auch.

Dein letztes Geld im Sufra veressen

Das Sufra in der Rainbow Street soll zu den besten Restaurants der Stadt gehören. Hier gibt‘s leckere Mezze zum Teilen. FĂŒr fĂŒnf Gerichte (die Portionen sind groß) und zwei Limonaden haben wir zu zweit 42 JOD (circa 54 Euro) gezahlt. Das war‘s wert. 

Wenn du planst, auf deinem Jordanien-Trip auch Wadi Rum zu besuchen, kannst du dir hier durchlesen, wie eine Tour in die WĂŒste ablĂ€uft.

29. September 2019Keine Kommentare

AusflĂŒge in Tel Aviv: Diese drei Touren lohnen sich

Mitte September haben meine Freundin und ich eine Woche Tel Aviv besucht. Die meiste Zeit sind wir auf eigene Faust durch die Großstadt gestapft: Wir sind durch die verschiedenen Viertel spaziert, haben die StrĂ€nde abgeklappert, auf den MĂ€rkten frisches Obst und SĂ€fte probiert, uns die Werke aufstrebender KĂŒnstler*innen in Galerien angesehen und ein paar Imbisse und Restaurants ausgecheckt.

Aber auch an ein paar gefĂŒhrten Touren haben wir teilgenommen, die ich hier weiterempfehlen möchte:

Von Tel Aviv in die West Bank, nach Jericho, Bethlehem und Ramallah

Wie sieht das Leben in den palÀstinensischen Autonomiegebieten aus? Wie wirkt sich der Mauerbau Israels darauf aus? Wie lÀuft der Siedlungsbau in der West Bank ganz praktisch ab? Um zumindest ein paar Antworten auf diese komplexen Fragen zum Konflikt zwischen Israel und den palÀstinensischen Autonomiegebieten zu bekommen, buchten wir eine ganztÀgige Bustour durchs Westjordanland.

An der Seite eines palÀstinenschischen Guides klapperten wir dabei diese Stationen ab: den Ort am Ufer des Jordan, an dem Jesus angeblich getauft wurde; die AusgrabungsstÀtte in Jericho, einer der Àltesten StÀdte der Welt; die Innenstadt von Ramallah inklusive das Grab von Jassir Arafat; zum Schluss ging es nach Bethlehem zu den Kirchen am angeblichen Geburtsort Jesu, zur Mauer sowie zum Banksy-Hotel, das der Kritik am israelischen Mauerbau gewidmet ist.

Es standen also auch einige religiöse Ziele auf dem Fahrplan, dank des Guides ging es aber immer wieder um Politik. Vor allem die palÀstinensischen StÀdte und die Landschaft zu sehen, hat sich sehr gelohnt.

West-Bank-Bustour mit Abraham Tours, circa zehn Stunden inklusive Lunch, 109 Euro pro Person

Ein Spaziergang durch die Tel Aviv Central Bus Station

Der zentrale Busbahnhof in Tel Aviv ist ein Desaster. Der Grund: Sein Architekt Rami Karmi hat den Bau geplant als eine Stadt in der Stadt. Die siebenstöckige Station besteht aus kleinen Gassen, großen Hauptstraßen und PlĂ€tzen, in denen man die Orientierung verlieren soll. Unter anderem dieses Labyrinth-Konzept fĂŒhrte dazu, dass die Tel Aviv Central Bus Station nie der lebendige Ort wurde – voller Reisender, Shops und Kinos – als der sie gedacht war.

Zweieinhalb Stunden lang hat uns eine KĂŒnstlerin in einer Kleingruppe herumgefĂŒhrt und uns die spannende Geschichte des monströsen Baus erzĂ€hlt. Wer auf Lost Places, Architektur und Stadtplanung steht, erlebt hier das Highlight des Tel-Aviv-Besuchs.

Zur Einstimmung: Die Folge „The White Elephant of Tel Aviv“ des Podcasts „99% Invisible“ widmet sich ausfĂŒhrlich dem Scheitern der Busstation.

Tour durch die Tel Aviv Central Bus Station mit CTLV, 2,5 Stunden, circa 25 Euro pro Person

Tour nach Masada, En Gedi und ans Tote Meer

Ich muss gestehen: Die WasserfĂ€lle von En Gedi und das Tote Meer zu sehen, hat mich an diesem Trip eher weniger gereizt. Ich wollte vor allem zum Sonnenaufgang auf der Festung Masada stehen und den Ausblick genießen.

FĂŒr Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, ist dieser erste Programmpunkt des Trips nicht zu empfehlen: Im Dunkeln stiefelt man den geschlĂ€ngelten Snake Path den Tafelberg hinauf. Und der ist uneben, rutschig, insgesamt beschwerlich zu erklimmen. Zwar gibt es eine Seilbahn, vor Sonnenaufgang ist sie allerdings noch nicht in Betrieb. FĂŒr Wanderfans ist die Besteigung jedoch prima: Nach circa 45 Minuten kann man von den Ruinen der Burg einen hervorragenden Ausblick auf das Jordantal, das Tote Meer und Jordanien genießen.

Wer sich im salzhaltigen Toten Meer treiben lassen will, bekommt dafĂŒr auch Zeit genug auf dieser Tour: Wir hatten anderthalb Stunden zum Planschen und Mit-Schlamm-Einreiben.

Tour nach Masada, En Gedi und ans Tote Meer mit Abraham Tours, circa zehn Stunden, auch ab Jerusalem möglich, ab 67 Euro pro Person

25. September 20193 Comments

Von Israel nach Jordanien: So kommst du zwischen Eilat und Aqaba ĂŒber die Grenze

Zweieinhalb Wochen sind meine Freundin und ich durch Israel und Jordanien gereist – in U-Form von Tel Aviv (hier findest du meine Tel-Aviv-Tipps) nach Amman (hier liest du meine Amman-Tipps). Die Grenze zwischen den beiden Staaten haben wir zwischen Eilat auf der israelischen und Aqaba auf der jordanischen Seite ĂŒberquert.

Mit Landgrenzen sowie den Kontrollen hatten wir beide keine Erfahrung, deshalb kamen vorab einige Fragen auf: Wie viel Zeit sollte man fĂŒr die Grenzkontrollen einplanen? WĂŒrden GebĂŒhren fĂŒr die Überquerung anfallen? MĂŒssten wir sie bar oder mit Kreditkarte zahlen? Wie wĂŒrden wir zur Grenze hin und auf der anderen Seite weiter kommen?

Im Netz sind wir auf unterschiedliche Angaben gestoßen. Manche Reisende berichteten, sie seien binnen weniger Minuten ĂŒber die Grenze gekommen. Andere mussten wohl mehrere Stunden in der Hitze warten. Mal hieß es, es gebe am GrenzĂŒbergang ATMs. Mal rieten Tourist*innen dringend dazu, Bargeld parat zu halten.

Hier kommt ein Bericht unserer Erfahrungen mit der GrenzĂŒberquerung von Isreal nach Jordanien in Eilat beziehungsweise Aqaba:

Wie kommt man zum GrenzĂŒbergang in Eilat?

Unser Plan war es, von SĂŒden nach Norden durch Jordanien zu reisen, weil wir am Ende von Amman aus nach Hause zurĂŒckzukehren wollten. Der Urlaubsort Aqaba ist fĂŒr eine SĂŒd–Nord–Reise der ideale Startpunkt, immerhin liegt die Hafenstadt am sĂŒdlichsten Punkt Jordaniens am Roten Meer.

Von Jerusalem oder Tel Aviv aus gibt es die Möglichkeit, mit dem Zug (und anschließend dem Bus), mit dem Fernbus oder mit dem Flugzeug nach Eilat zu gelangen. Um Zeit zu sparen, haben wir die Strecke mit dem Flugzeug zurĂŒckgelegt.

Die israelische Airline Arkia fliegt siebenmal am Tag ab Terminal 1 vom Flughafen Ben Gurion zum Flughafen Ramon bei Eilat. Weil wir nicht einschĂ€tzen konnten, wie lange die GrenzĂŒberquerung dauern wĂŒrde, haben wir einen Flug um 14 Uhr gebucht. Der GrenzĂŒbergang schließt tĂ€glich um 20 Uhr.

Arkia bietet keinen Online-Check-In an, das Ticket holt man sich oldschool am Schalter. Dabei wurden uns noch ein paar persönliche Fragen gestellt: in welcher Verbindung wir zueinander stehen, wie lange wir schon zusammen sind; wohin wir reisen werden. Der Fragenkatalog war fix abgehandelt.

Wir waren mit zwei RucksĂ€cken mit um die zehn Kilo Gewicht unterwegs, Duschgel, Shampoo inklusive – das GepĂ€ck mussten wir allerdings nicht abgeben, sondern konnten es als HandgepĂ€ck mit ins Flugzeug nehmen.

Der Flug TLV nach ETM dauert nicht lang: Nach einer knappen Stunde sind wir um 15 Uhr auf dem Flughafen Ramon gelandet.

Der Flughafen Ramon in Eilat ist sehr klein.

Auf dem kleinen Flughafen herrschte null Betrieb, aber vor dem GebĂ€ude warteten ausreichend Taxis. FĂŒr 100 Schekel (NIS, circa 25 Euro) brachte uns der Fahrer innerhalb einer guten Viertelstunde zum Yitzhak Rabin Terminal, also zum israelischen GrenzĂŒbergang. Auf der jordanischen Seite heißt der GrenzĂŒbergang Wadi Araba Crossing.

Vom Flughafen aus ging es fĂŒr uns mit dem Taxi zum GrenzĂŒbergang.

Wie viel kostet die GrenzĂŒberquerung von Israel nach Jordanien?

Wer Israel ĂŒber die Landgrenze verlassen möchte, muss eine AusreisegebĂŒhr zahlen. Pro Person betrĂ€gt sie 107 NIS (circa 28 Euro). Weil wir zu zweit waren, haben wir ein MĂŒ Rabatt erhalten und 209 NIS gezahlt.

An dem GebĂŒhrenschalter hat man lediglich die Möglichkeit, bar zu zahlen. Unser ĂŒbriges israelisches Bargeld konnten wir am gleichen Schalter von Schekel in jordanische Dinar (JOD) umtauschen.

Wie lĂ€uft die GrenzĂŒberquerung ab?

Mit dem Zahlungsbeleg stellt man sich an einem zweiten Schalter an, an dem die PĂ€sse geprĂŒft und gescannt werden und man eine Exit Permit, eine Ausreiseerlaubnis, erhĂ€lt. Dabei handelt es sich wie bei der Einreiseerlaubnis um einen Papierzettel.

Mit dem Zahlungs- sowie dem Ausreisebeleg geht‘s durch einen Duty-Free-Shop zu den jordanischen Schaltern weiter. Dort fĂ€llt eine EinreisegebĂŒhr an. Wir mussten sie nicht zahlen, da wir uns vorab online den Jordan Pass gekauft und ausgedruckt hatten. Der Jordan Pass beinhaltet bereits die EinreisegebĂŒhr sowie den Eintritt zu mehreren jordanischen SehenswĂŒrdigkeiten wie Petra und Wadi Rum.

An zwei weiteren Schaltern wurden unsere Jordan Passes sowie unsere PĂ€sse geprĂŒft. Lediglich einmal fragte ein Beamter, wie lange wir in Jordanien bleiben wĂŒrden und was unser nĂ€chstes Ziel sein wĂŒrde. 

Nachdem wir einen weiteren Duty-Free-Shop durchquert hatten, standen wir auf jordanischem Boden. Die Prozedur hat etwa eine Viertelstunde gedauert, weil außer uns lediglich ein weiteres Paar zum gleichen Zeitpunkt die Grenze ĂŒberquerte – wir waren Ende September unterwegs.

Wie geht es auf der jordanischen Seite weiter?

Vor dem Wadi Araba Crossing gibt es einen großen Parkplatz, auf dem wir uns wieder ohne Probleme ein Taxi nehmen konnten. Auf einem Schild stehen Preisempfehlungen fĂŒr Taxifahrten, um Tourist*innen eine Orientierungshilfe zu geben. Eine Fahrt in die Innenstadt von Aqaba sollte demnach 8,50 JOD (circa 11 Euro) kosten. Weil uns der Taxifahrer direkt vorm Hotel absetzte, haben wir ein bisschen mehr gezahlt. Vorm Hotel gab es einen ATM, an dem wir JOD abheben und die Taxifahrt bezahlen konnten.

Wir hatten vorher noch nie eine Landgrenze mit Kontrolle ĂŒberquert und uns die Prozedur komplizierter vorgestellt. Aber da in unserem Fall weder Wartezeiten noch langwierige Befragungen anfielen, war die Angelegenheit schnell erledigt.

Wenn du einen Trip nach Wadi Rum planst, kannst du hier Tipps von mir lesen, wie eine Tour ablĂ€uft. Hier erfĂ€hrst du außerdem, was du in Jordaniens Hauptstadt Amman unternehmen kannst.

24. Mai 20181 Kommentar

So setzen sieben deutsche Publisher Facebook-Gruppen ein

Facebook modelt seinen Newsfeed um, und Publisher mĂŒssen darauf reagieren, damit ihre Inhalte weiterhin beim Publikum ankommen. Eine hĂ€ufig empfohlene Strategie – unter anderem von Martin Giesler in einem seiner Social-Media-Briefings im Januar â€“ lautet: Baut Facebook-Gruppen auf und aus!

Aber welcher Nutzen lĂ€sst sich aus dem Auf- und Ausbau von Gruppen tatsĂ€chlich ziehen? Können starke Gruppen mögliche Traffic-EinbrĂŒche von Seiten ausgleichen? Oder taugen die Communitys nicht viel eher dazu, Protagonist*innen und Themen zu identifizieren?

Ich habe bei ein paar Kolleg*innen nachgefragt, die sich schon lĂ€nger mit dem Thema beschĂ€ftigen, wie sie Gruppen nutzen und was sie bisher gelernt haben. Folgende sechs, alphabetisch nach Medium sortierten Erfahrungsberichte sind bei mir eingetrudelt – ein siebtes Statement hĂ€nge ich selbst fĂŒr ze.tt an, wo ich als Head of Development und stellv. Redaktionsleiter tĂ€tig bin.

BILD – Andreas Rickmann

Wir testen Gruppen auf Facebook bereits seit lĂ€ngerer Zeit mit jeweils unterschiedlichen Zielen: Unter anderem wollen wir Input von unseren Nutzern erhalten, engere Verbindungen zu ihnen knĂŒpfen und Feedback abholen. Wir schauen uns auch an, welche Reichweiten unsere Inhalte dort im Vergleich zu Pages erzielen, wie wir Leute auf unser Portal holen und dort zu zahlenden Abonnenten machen können.

Generell sehen wir in Gruppen gute Wachstums- und Interaktionsraten. Thematisch sind wir vor allem in spitzen Zielgruppen unterwegs (Beispiele: Formel 1, WM), haben aber auch ergĂ€nzend zu Podcasts Gruppen eingerichtet (Beispiel: Unser Tech Freak Podcast). Nach unseren ersten Erfahrungen sind Gruppen auch eine gute Möglichkeit fĂŒr Reporter, sich thematische Communities aufzubauen.

CORRECTIV – Jonathan Sachse

Bei CORRECTIV experimentieren wir seit einiger Zeit mit Gruppen auf Facebook. Wir sehen darin eine große Chance, innerhalb des Facebook-Universums die QualitĂ€t von Diskussionen zu erhöhen. Es gibt bei uns zwei unterschiedliche Arten von Gruppen.

Zum einen die Gruppen, bei denen wir zu einer Recherche ins GesprĂ€ch kommen. Damit haben wir schon vor zwei Jahren mit einer Pflege-Gruppe begonnen, der sich mehr als 1.500 Leute angeschlossen haben. In der Gruppe „Alte Apotheke“ kommen wir zum Apotheker-Pansch-Skandal mit mittlerweile fast 1.000 Leuten ins GesprĂ€ch. Bei unserer BĂŒrgerrecherche zum Wohnungsmarkt in Hamburg tauschen sich mehr als 600 Leute in einer FB-Gruppe aus. Das Gute bei solchen Gruppen, die einen Bezug zur Recherche haben: Wir lernen uns gegenseitig kennen und schaffen Vertrauen. Interessierte lernen uns als Reporter kennen. Wir begegnet uns auf Augenhöhe. In manchen FĂ€llen ist die Gruppe somit eine Basis fĂŒr einen weiteren Austausch, der im besten Fall offline fortgesetzt wird.

Ganz neu ist die Gruppe „CORRECTIV Kaffee Club“. Wir haben vor kurzem einen Buch, CafĂ©- und Eventladen in Essen eröffnet und bauen drumherum eine Community auf. Wer dort Mitglied wird, verpasst nichts und erhĂ€lt immer wieder besondere Angebote. Wir sammeln dort Ideen fĂŒr Themen, die wir im „Kaffe-Club“ diskutieren wollen.

Huffington Post Deutschland – Jan David Sutthoff

Wir haben aktuell vier Facebook-Gruppen, manche davon schon etwas Ă€lter, manche noch sehr jung. Zwei widmen sich Eltern – einer Community, die bei uns sehr stark ist. In der dritten geht es um Europa. Und die vierte stellt „gute“ Nachrichten in den Mittelpunkt.

Einige Gruppenmitglieder diskutieren gerne – und das dann auch auf einem wirklich angemessenen Niveau. Andere treten einfach bei, weil sie sich mit dem Gruppennamen identifizieren, etwa: „I would change my passport into a European one“. Ein bisschen wie bei studiVZ frĂŒher.

Ohne Engagement von unserer Seite wachsen die Gruppen nur wenig. Das wollen wir Ă€ndern, indem wir die Gruppen in dazu passenden Artikeln oder Newslettern bewerben. Idealerweise finden wir auch unter den Mitgliedern Leute, die Lust haben, Moderator fĂŒr eine Gruppe zu sein und Unterhaltungen anzustoßen.

GrundsĂ€tzlich sind wir ĂŒberzeugt vom Konzept der Facebook-Gruppen. Wir finden den Gedanken super, Menschen zusammenzubringen, die ein gemeinsames Interesse an einem bestimmten Thema haben. Damit helfen wir ihnen und stĂ€rken gleichzeitig unsere Marke.

Krautreporter – Rico Grimm

Die ersten thematisch eingegrenzten Facebook-Gruppen haben wir schon vor vier Jahren gegrĂŒndet, um Orte zu schaffen, an denen wir mit unseren Mitgliedern gemeinsam an Texten arbeiten zu können. So hatten wir beispielsweise mit einer Gruppe von 15 Mitgliedern dokumentiert, wie viele Menschen Erdogan nach dem Putschversuch verhaften oder entlassen ließ.

Nun, auch nach den Änderungen im Facebook-Newsfeed, haben wir diese Gruppen ergĂ€nzt durch eine große offenere Variante mit mehr als 5000 Mitgliedern. In dieser Gruppe weisen wir auf neue Texte hin – aber Reichweite lĂ€sst sich mit ihr kaum erzeugen. DafĂŒr ist sie umso besser geeignet fĂŒr den schnellen Austausch ĂŒber Themenideen und neue KR-Features. Grob ĂŒber den Daumen gepeilt, stammt jede vierte oder fĂŒnfte Artikelidee aus Diskussionen in dieser Gruppe.

Mit VergnĂŒgen – Matze Hielscher

Wir von Mit VergnĂŒgen schauen immer, wie wir mit unseren Leser und Leserinnen enger zusammen rĂŒcken können. Neben einem WhatsApp Club, vielen kleinen Events (GNTM Schauen, Super Mario im BĂŒro zocken) haben wir auch ein paar Facebook-Gruppen.

Interessant ist, dass die interaktivste Gruppe die von unserem Podcast "Klatsch & Tratsch" ist. Dort tratschen jeden Tag die "Klatsch & Tratsch Ultras" ĂŒber den neusten Gossip und es macht wahnsinnig Spaß, dies zu verfolgen. Man muss sich nicht schlecht fĂŒhlen, wenn man sich fĂŒr den aktuellen Beziehungsstatus von Bonnie Strange interessiert. Die Hosts Max und Elena bekommen hier viele Tipps, hin und wieder auch mal exklusivsten Material, da sich auch ein paar Prominente in der Gruppe befinden. Das landet natĂŒrlich im Podcast. So baut sich eine lustige unbd lebendige Community auf, die sich auch untereinander gut versteht. Next step: eine Kreuzfahrt.

piqd – Frederik Fischer

Wir haben mit "piqd: mind the gap" ĂŒberwiegend gute Erfahrungen gemacht. In kurzer Zeit wuchs die Gruppe auf ĂŒber 1.300 Mitglieder. Die Diskussionen sind beeindruckend konstruktiv. Es hat sich schnell ein "harter Kern" an heavy Usern gefunden. Insbesondere ein User, hat von selbst den Hut des "Community Managers" aufgesetzt. Wir haben ihn nun als piqer ĂŒbernommen und ĂŒberfĂŒhren so besonders relevante Diskussionen aus der Gruppe zu piqd.

Die Gruppe wĂ€chst ohne Zutun kaum. Unsere Wachstumsstrategie: Wir bewerben die Gruppe einmal in der Woche im Newsletter. Das fĂŒhrt jeweils zu ca. 80 neuen Nutzern. Der Traffic spielt fĂŒr uns keine Rolle. Zum GlĂŒck – da kommt kaum etwas bei rum.

Und zum Schluss: ze.tt

Zurzeit betreiben wir bei ze.tt drei Facebook-Gruppen: eine mit schöner Unterhaltung fĂŒr zwischendurch, eine zu Beziehungsfragen – und die Gruppe "Feminismus – mit ze.tt". Die möchte ich herausstellen, weil sie am besten funktioniert.

Circa 500 Mitglieder diskutieren hier tĂ€glich ĂŒber Inhalte, die sie bei uns oder im Netz gefunden haben. Unser Moderationsaufwand hĂ€lt sich in Grenzen, da sich die Gruppe weitestgehend um sich selbst kĂŒmmert: Nachdem mĂ€nnliche Nutzer antifeministische Kommentare gepostet hatten und klar war, dass sie nicht an einer vernĂŒnftigen Diskussion interessiert waren, stieg die Gruppe mit uns in eine Diskussion ĂŒber die Gruppenregeln ein. Im Dialog klĂ€rten wir ab, die Netiquette konsequenter durchzusetzen.

Seitdem wird der Zutritt zur Gruppe von uns genehmigt, die User*innen machen uns auf VerstĂ¶ĂŸe gegen die Netiquette aufmerksam, Kommentare löschen wir unter Bezugnahme auf die Regeln und mit dem EinverstĂ€ndnis der Mitglieder. Eine Kreuzfahrt wird's wie bei Mit VergnĂŒgen erst mal nicht geben; aber wir wollen uns kĂŒnftig wie etwa Krautreporter verstĂ€rkt darum bemĂŒhen, Themeninput aus der Community zu gewinnen.

28. Februar 2018Keine Kommentare

So kreativ lassen sich Karussell-Posts auf Instagram nutzen

Wenn Journalist*innen ĂŒber Instagram sprechen, dann geht es dabei zurzeit meist um Storys. Wie viele Slides sollte eine Story maximal umfassen, damit die User*innen dabei bleiben? Sollten Storys eine Geschichte auserzĂ€hlen oder an einem bestimmten Punkt auf einen Artikel verweisen? Welche ErzĂ€hlformen eignen sich am besten fĂŒr das Format? Und so weiter.

Alles wichtige Fragen, wenn man sich mit dem Thema Instagram beschĂ€ftigt, klar. Aber lasst uns kurz einen Schritt zurĂŒck machen. ZurĂŒck zum Feed. Ich finde: Wir haben das kreative Potenzial des Feeds journalistisch noch nicht ausgereizt, den Karussell-Post haben wir geradezu strĂ€flich vernachlĂ€ssigt. Dabei ist er ziemlich toll.

Was ist ein Karussell-Post?

Karussell-Posts (oder Slideshows) umfassen bis zu zehn Bilder. Die Posts können an beliebiger Stelle auch Videos von maximal 60 Sekunden LÀnge beinhalten. Mobil navigiert man per Wisch durch das Format hindurch. Das Schöne daran: Es entsteht der Eindruck, dass alle Bilder miteinander verbunden sind. Am Desktop verliert das Format ein wenig seinen Reiz: Dort klickt man sich wie durch eine klassische Fotostrecke von Bild zu Bild.

Wo sind Karussell-Posts im Einsatz?

Im Marketing-Kontext taucht das Format verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hĂ€ufig auf. Modelabels nutzen Karussell-Posts, um Kollektionen gebĂŒndelt vorzustellen; Autohersteller prĂ€sentieren auf diese Weise neue Modelle; Tourismus-Unternehmen machen Destinationen schmackhaft, die sie ansteuern. Beispiele von H&M und Mercedes:

Ein Beitrag geteilt von H&M (@hm) am

Warum ist das Format fĂŒr Journalist*innen interessant?

Karussell-Posts eignen sich meiner Meinung nach perfekt, um Geschichten zu erzĂ€hlen. Der Vorteil gegenĂŒber Storys besteht darin, dass Karussell-Posts ĂŒber 24 Stunden hinaus verfĂŒgbar sind und auch in Artikel eingebettet werden können. Wir könnten Listicles, Tutorials, ErklĂ€rer, Mini-Magazine oder clevere Artikelteaser in Karussell-Posts aufbereiten. Wie das aussehen kann, haben bereits ein paar kluge Menschen vorgemacht. Hier kommen Beispiele:

Statt seinen Feed mit drölftausend Urlaubsfotos zu befĂŒllen, gestaltete Johannes Klingebiel ein kleines Fotoalbum samt Annotationen aus dem Material eines New-York-Trips.

Christoph Rauscher experimentiert schon lÀnger mit dem Format. Er erzÀhlte damit bereits kleine Geschichten ...

... und teaserte Arbeiten an.

FĂŒr den monothematischen Dossier-Account zur Landshut-EntfĂŒhrung nutzten wir bei Springer den Karussell-Post, um einzelne Protagonist*innen der Geschichte multimedial vorzustellen.

Bei Bild gaben wir auf diese Weise Infografiken ein neues Antlitz:

Ein Beitrag geteilt von bild (@bild) am

Was nervt an dem Format?

Problematisch ist, dass wir den Erfolg eines Karussell-Posts nur oberflĂ€chlich analysieren können. Anders als bei Storys spucken die Instagram-Statistiken keine Info darĂŒber aus, bis zu welchem Slide die Zielgruppe gewischt hat. Auch beim Embed des Formats gibt es immer wieder Darstellungsfehler, vor allem bei mehreren Posts hintereinander (was mich auch hier in WordPress dazu bewogen hat, auf Embeds zu verzichten und die Posts als Bilder einzubauen).

Hier gibt's ein Gratis-Template

Wenn ihr gleich loslegen wollt, euch mit Karussell-Posts auszutoben, könnt ihr hier kostenlos und lizenzfrei ein sehr simples Photoshop-Template (circa 9,2 MB) herunterladen, das ich fĂŒr diesen Versuchspost gebastelt habe. Ich freue mich, wenn ihr mich im fertigen Post vertaggt oder mir einen Link schickt.

Zeigt euren Nutzer*innen mit Karussell-Posts, dass ihr Instagram verstanden habt und auch im Feed zu kreativen Höchstleistungen fĂ€hig seid! Leute wie ich werden euch dafĂŒr mögen.

Post fĂŒr dich

In meinem unregelmĂ€ĂŸigen Newsletter »Eine gute Zeit« schreibe ich ĂŒber redaktionelle Formatentwicklung, Tools und spannende Storytelling-Projekte. Melde dich hier dafĂŒr an!

© Mark Heywinkel 2022. 
Mit Liebe, Wordpress und Semplice in Berlin gebaut. Impressum & Datenschutz

© Mark Heywinkel 2022. 
Mit Liebe, Wordpress und Semplice in Berlin gebaut. Impressum & Datenschutz