Mitte September haben meine Freundin und ich eine Woche Tel Aviv besucht. Die meiste Zeit sind wir auf eigene Faust durch die Großstadt gestapft: Wir sind durch die verschiedenen Viertel spaziert, haben die Strände abgeklappert, auf den Märkten frisches Obst und Säfte probiert, uns die Werke aufstrebender Künstler*innen in Galerien angesehen und ein paar Imbisse und Restaurants ausgecheckt.

Aber auch an ein paar geführten Touren haben wir teilgenommen, die ich hier weiterempfehlen möchte:

Von Tel Aviv in die West Bank, nach Jericho, Bethlehem und Ramallah

Wie sieht das Leben in den palästinensischen Autonomiegebieten aus? Wie wirkt sich der Mauerbau Israels darauf aus? Wie läuft der Siedlungsbau in der West Bank ganz praktisch ab? Um zumindest ein paar Antworten auf diese komplexen Fragen zum Konflikt zwischen Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten zu bekommen, buchten wir eine ganztägige Bustour durchs Westjordanland.

An der Seite eines palästinenschischen Guides klapperten wir dabei diese Stationen ab: den Ort am Ufer des Jordan, an dem Jesus angeblich getauft wurde; die Ausgrabungsstätte in Jericho, einer der ältesten Städte der Welt; die Innenstadt von Ramallah inklusive das Grab von Jassir Arafat; zum Schluss ging es nach Bethlehem zu den Kirchen am angeblichen Geburtsort Jesu, zur Mauer sowie zum Banksy-Hotel, das der Kritik am israelischen Mauerbau gewidmet ist.

Es standen also auch einige religiöse Ziele auf dem Fahrplan, dank des Guides ging es aber immer wieder um Politik. Vor allem die palästinensischen Städte und die Landschaft zu sehen, hat sich sehr gelohnt.

West-Bank-Bustour mit Abraham Tours, circa zehn Stunden inklusive Lunch, 109 Euro pro Person

Ein Spaziergang durch die Tel Aviv Central Bus Station

Der zentrale Busbahnhof in Tel Aviv ist ein Desaster. Der Grund: Sein Architekt Rami Karmi hat den Bau geplant als eine Stadt in der Stadt. Die siebenstöckige Station besteht aus kleinen Gassen, großen Hauptstraßen und Plätzen, in denen man die Orientierung verlieren soll. Unter anderem dieses Labyrinth-Konzept führte dazu, dass die Tel Aviv Central Bus Station nie der lebendige Ort wurde – voller Reisender, Shops und Kinos – als der sie gedacht war.

Zweieinhalb Stunden lang hat uns eine Künstlerin in einer Kleingruppe herumgeführt und uns die spannende Geschichte des monströsen Baus erzählt. Wer auf Lost Places, Architektur und Stadtplanung steht, erlebt hier das Highlight des Tel-Aviv-Besuchs.

Zur Einstimmung: Die Folge „The White Elephant of Tel Aviv“ des Podcasts „99% Invisible“ widmet sich ausführlich dem Scheitern der Busstation.

Tour durch die Tel Aviv Central Bus Station mit CTLV, 2,5 Stunden, circa 25 Euro pro Person

Tour nach Masada, En Gedi und ans Tote Meer

Ich muss gestehen: Die Wasserfälle von En Gedi und das Tote Meer zu sehen, hat mich an diesem Trip eher weniger gereizt. Ich wollte vor allem zum Sonnenaufgang auf der Festung Masada stehen und den Ausblick genießen.

Für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, ist dieser erste Programmpunkt des Trips nicht zu empfehlen: Im Dunkeln stiefelt man den geschlängelten Snake Path den Tafelberg hinauf. Und der ist uneben, rutschig, insgesamt beschwerlich zu erklimmen. Zwar gibt es eine Seilbahn, vor Sonnenaufgang ist sie allerdings noch nicht in Betrieb. Für Wanderfans ist die Besteigung jedoch prima: Nach circa 45 Minuten kann man von den Ruinen der Burg einen hervorragenden Ausblick auf das Jordantal, das Tote Meer und Jordanien genießen.

Wer sich im salzhaltigen Toten Meer treiben lassen will, bekommt dafür auch Zeit genug auf dieser Tour: Wir hatten anderthalb Stunden zum Planschen und Mit-Schlamm-Einreiben.

Tour nach Masada, En Gedi und ans Tote Meer mit Abraham Tours, circa zehn Stunden, auch ab Jerusalem möglich, ab 67 Euro pro Person