Alle Beiträge in Kunst & Literatur

23. April 2014 - Keine Kommentare!

Fünf Bücher, die auf meinem Nachttisch einstauben

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Blogstöckchen machen mir Angst. Denn einerseits bin ich undenkbar schlecht darin, spontan und pointiert auf Fragen zu antworten oder gar möglichst spannende Listen zusammenzustellen. Außerdem fürchte ich mich davor, geschätzte Blogger und Journalistenkollegen zu verstimmen, wenn ich nicht auf ihre Blogstöckchenwürfe reagiere. Am liebsten habe ich also gar nichts mit den Dingern zu tun und nehme panisch vor ihnen Reißaus, wie ich es auch bei nahenden Fußbällen, Hunden oder "Jesus liebt dich"-Typen tue.

Gerade eben kam allerdings ein Stöckchen geflogen, auf das ich nun ausnahmsweise mal richtig flink antworte: Die wunderbare Laura hat mich digital gebeten, fünf Bücher zu nennen, die ich unbedingt lesen möchte. Nichts. Leichter. Als. Das. Gefühlt zwei Drittel meines Buchbestandes wartet noch darauf, endlich angerührt zu werden. Und auf meinem Nachttisch stapeln tatsächlich genau fünf Titel, die nun endlich in der kommenden Zeit dran glauben sollen - zumindest ist das der Plan. Dabei handelt es sich um: "Moby Dick" von Herman Melville, "Madame Bovary" von Gustave Flaubert, Dietmar Darths Sammlung "Heute keine Konferenz", Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" sowie "Das Fest" von John Grisham.

Warum will ich gerade diese fünf Bücher lesen? Weil ich das Zitat "Und er bürdete dem Buckel des weißen Wals die Summe der Wut und des Hasses der ganzen Menschheit auf." so toll finde, dass ich nun endlich den Gesamtkontext ausführlich kennen lernen mag. Weil mich der Anfang von "Madame Bovary" unheimlich begeistert hat. Weil mich Darth fasziniert. Weil ich dieses Reclam-Büchlein in meiner Sammlung als einziges noch nicht gelesen habe. Weil ich es von einer lieben Person geschenkt bekommen habe.

Nun muss ich das Stöckchen weiterwerfen, ja? Das fühlt sich falsch an für jemanden, der selbst ungern Stöckchen zugeworfen bekommt. Und außerdem habe ich keine Zeit mehr. Ich muss jetzt endlich lesen. Danke für den Tritt, Laura.

20. November 2013 - 3 Kommentare

Weisheiten vom Aufräumen

Ich habe mein Bücherregal aufgeräumt und hübsche unterstrichene Stellen gefunden.

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Jeder hat in seinem Leben einen "fesselnden Fremden", Andy, einen Fremden, der unwissentlich eine seltsame Macht über dich besitzt. [...] Einen Fremden, dem du, wenn du eines Tages nach Hause kommst und eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter vorfindest, die sagt: "Lass alles stehen und liegen. Ich liebe dich. Komm sofort mit mir nach Florida", augenblicklich folgen würdest.

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Sie sagte, die meisten von uns hätten nur zwei oder drei wahrhaft interessante Momente im Leben, der Rest sei Füllmenge, und die meisten von uns wären am Ende ihres Lebens glücklich, wenn einige dieser Momente zusammenpassten, wenn sie eine Geschichte ergäben, die irgendjemand einigermaßen interessant finden könnte.

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[divider]— aus "Generation X" von Douglas Coupland

28. Oktober 2013 - Keine Kommentare!

„Asterix bei den Pikten“: In Gallien nichts Neues

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Die Abenteuer von Asterix und Obelix sind super - zumindest der Großteil von ihnen. Vor allem in den Nullerjahren nahm die Qualität der Comicreihe jedoch drastisch ab; und besonders die Nummer 33, "Gallien in Gefahr", war eine ziemlich arge Enttäuschung: Nicht nur hatte Albert Uderzos Zeichenstil erheblich an Charme verloren, zudem war die Story um einen außerirdischen Besucher reichlich platt geraten. Nun hat der Miterfinder der erfolgreichen französischen Serie den Staffelstab an Didier Conrad und Jean-Yves Ferri weitergereicht - und die beiden versuchen in "Asterix bei den Pikten", die gallischen Helden zu alten Tugenden zurückzuführen. Das gelingt auch zum Teil: Ferri orientiert sich mit seinen Zeichnungen stärker am frühen Strich Uderzos, was schön ist, und Conrad rückt Asterix und Obelix sprachlich zumindest ein Stück näher an den Originalton von René Goscinny heran. So richtig Funken sprühen kann die Geschichte über eine Reise ins frühe Schottland dann aber doch nicht, weil die zwei neuen Geschichtenerzähler kaum eigene Ideen abliefern. Zwar darf ein Vorfahre vom Seeungeheuer Nessi ab und an auf- und abtauchen und Obelix einen niedlichen Otter-Vergleich entlocken. Ansonsten begegnen Asterix und Obelix aber zum drölften Mal den ängstlichen Piraten. Wieder verkloppen sie Römer. Wieder geraten sie mit roten Nasen aneinander. Wieder bringen sie ohne Probleme alles in Ordnung. Es ist ja schon schön, einen neuen Asterix in Händen zu halten - nach 35 Comicbänden lässt sich bei der Lektüre aber das ungute Gefühl nicht mehr ausblenden, dass sich die Abenteuer der widerspenstigen Gallier so langsam, aber sicher erschöpft haben. Schnüff.

22. Juli 2013 - Keine Kommentare!

Arnalds, Sauter und das All

„Symphonie cinétique“ im Made

An einem heißen Sommertag betreten Michael und ich ein Bürogebäude in der Alexanderstraße. Wir können es zuerst nicht glauben, aber im neunten Stock dieses charmelosen Kastens befindet sich tatsächlich ein Raum für Kunst - und ein recht hübscher noch dazu: Das Made empfängt uns ganz in Weiß, der Boden, die Decke, die Wände, es ist, als trete man aus dem Fahrstuhl hinein in das sterile Set eines Science-Fiction-Films. Und auch die Kunst, die noch bis Ende Juli im Made zu sehen ist, wirkt futuristisch. Fünf Licht-Installationen von Joachim Sauter sind unter dem Titel „Symphonie cinétique“ in dem langen Ausstellungsraum zu sehen. Unter anderem werden Kugeln und Dreiecke von Fäden auf und ab bewegt und von Lampen angestrahlt, deren Licht sie auf das Weiß ihrer Umwelt reflektieren. Das Ganze ist in seiner vermeintlichen technischen Komplexität unheimlich bezaubernd. Am Ende sitzt man in diesem unverhofft traumhaften Made und beobachtet wie in Trance geometrische Körper, die zur Musik des isländischen Pianisten Ólafur Arnalds auf und ab tanzen. Hologramme. Ein Hauch "2001: Odyssee im Weltraum". Eine Zukunftswelt im Hier und Jetzt. Einfach schön. Ansehen, solange es noch geht!

16. Juni 2013 - Keine Kommentare!

Viele kleine Herausforderungen

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Kleiner Ausgehtipp: Im Willy-Brandt-Haus in Berlin gibt's wie im vergangenen Jahr wieder tolle Fotos anzuschauen. Aber Achtung, die fotojournalistischen Glanzleistungen des World Press Photo Contest 2013 sind noch um einiges schwerer zu verkraften als 2012. Vor allem die vielen Motive des Syrien-Kriegs zeigen seelisch belastende Szenen, denen man sich nur an einem guten Tag stellen sollte. Die Ausstellung läuft noch bis zum 7. Juli.

23. Januar 2013 - 1 Kommentar.

Der deutschen Bühnen Blogs oder: Ein kurzer Ausflug in die (digitale) Theaterwelt

Das Internet: eine tolle Sache. Darin mitzumischen: essentiell. Vor allem Unternehmen sollten sich dem Netz öffnen, denn - blabla - Zielgruppenerweiterung - blabla - Kundenbindung - blabla ... 2013 ist das alles nicht neu, und vor allem in der Unterhaltungsbranche bemüht man sich auch brav diskursiver Online-Strategien: Wenn sie auch nicht so hyperaktiv twittern wie ProSieben, betreiben doch inzwischen alle wichtigen Sender aktive Accounts bei sämtlichen relevanten Social-Media-Diensten und tauschen sich dort mit ihren Zuschauern aus. Musiklabels versorgen auch die Hörerschaft bei Bandcamp oder Last.fm mit Infos. Literaturverlage spüren den Interessen ihrer Leser in Communitys wie Lovelybooks nach. Und die Theater -

Mischen Theater eigentlich auch im Social Web mit?, ploppte bei mir neulich die Frage auf, als ich über das Blog des Theaters Freiburg stolperte. Auf den hübsch und unprätentiös von Thomas Bartl gestalteten Seiten gewährt das Theaterteam Einblicke hinter die Kulissen. Alles: unheimlich sympathisch. Die Theaterblogger zeigen sich mit Gesicht. Mit dem Leser sind sie per Du. Es gibt Videoclips zu StückenFotostrecken von Proben und auch mal kurze Statements von Zuschauern. Das ist ein Superblog, es hat mir richtig Lust darauf gemacht, das Freiburger Theater einmal zu besuchen.

Eine solche Nähe vermitteln andere Bühnen im Netz nicht. Das Thalia Theater, das Deutsche Schauspielhaus, die Münchner Kammerspiele, das Deutsche Theater, das HAU - sie alle haben eine Website, ja; und sie alle sind bei Facebook; das HAU haut auch auf Twitter Neues raus. Allerdings ist die Kommunikationsstrategie dort leider sehr einseitig und PR-lastig. Es gibt Hinweise zu neuen Stücken oder wann ein Schauspieler des Ensembles im Fernsehen zu sehen ist. Blicke hinter die Kulisse? Sympathische Texte aus dem eigenen Haus? Nähe zum Theaterzuschauer? Schließlich: ein aktiver Dialogversuch mit dem Publikum? Fehlanzeige. Zumindest bei den von mir gecheckten Bühnen.

Ich bin kein Falk Schreiber, ich kenne mich nicht so gut mit deutschen Bühnen aus. Aber an dieser Stelle sei das Theater Freiburg einmal aus der Ferne und von Herzen gelobt.

26. September 2012 - 1 Kommentar.

Ein literarischer (Suhrkamp-)Herbst oder: Mein Favorit für den Deutschen Buchpreis 2012

"Ja, das wird ein literarischer Suhrkamp-Herbst!", schrieb Dirk Knipphals in der taz. Aus einem fachlichen und einem persönlichen Grund gebe ich ihm völlig Recht.

Zum einen finden sich unter den Suhrkamp-Novitäten tatsächlich viele Titel, die es zu lesen lohnt. Nicht umsonst sind Clemens J. Setz mit "Indigo", Stephan Thome mit "Fliehkräfte" und Ulf Erdmann Ziegler mit "Nichts Weißes" für den Deutschen Buchpreis 2012 nominiert: Setz' geheimnisvolles Sci-Fi-Ratespiel reißt einen mit; Thomes Selbstfindungstrip muntert mit tollen Dialogen auf - wie es mit seinem Alles-in-Frage-Stellen gleichsam zum Grübeln bringt; und, mein Liebling, Erdmann Zieglers Entwicklungsroman ist sprachlich zuweilen zwar intellektuell-hochtrabend, vor allem aber einfach hinreißend (und ich hätte nichts dagegen, dass dieser Underdog den Preis abstaubt). "Wer ist Martha?", "Anatomie einer Nacht", "Pulphead", das ich gerade verschlinge - einige spannende Bücher, die einen weiterbringen.

Zum anderen stimme ich mit Knipphals persönlich überein, da ich seit zwei Monaten freiberuflich für den Ex-Frankfurter, jetzt Berliner Literaturverlag als Online-Redakteur tätig bin. Dieser Herbst wird für mich also ein ganz realer Suhrkamp-Herbst. Er ist dadurch aber insgesamt auch ein sehr literarischer Herbst, weil ich mehr noch als zu uMag- und kulturnews-Zeiten Belletristik lese. Ich lese morgens in der Bahn, ich lese abends im Bett, ich lese auf meinem neuen Sony-Reader. Nicht nur Suhrkamp-Bücher, muss dabei betont sein, sondern auch ausgezeichnete Titel wie "Der Russe ist einer, der Birken liebt" aus dem Hause Hanser oder "Sand" von Wolfang Herrndorf und Rowohlt.

Und das ist toll. Dieser Herbst wird ein toller literarischer Herbst!