Alle Beiträge in Film & Fernsehen

7. November 2014 - 4 Kommentare

Kritik im Dialog: „Interstellar“

Christopher Nolan hat mit "Memento", der "The Dark Knight"-Trilogie und "Inception" eine ganze Reihe famoser Filme gedreht. "Interstellar", urteilen einige Pressestimmen, sei das bislang ambitionierteste Projekt des US-Regisseurs. Aber lohnt es sich, Nolan auf seinen Sci-Fi-Trip zu folgen? Eine Kritik im Selbstgespräch.

weiterlesen..

17. Dezember 2013 - 1 Kommentar.

Kritik im Dialog: „Blau ist eine warme Farbe“

Der zweite "Hobbit"-Teil ist nicht der einzige Fast-Drei-Stunden-Brecher, den wir uns aktuell im Kino ansehen können: Der französische Film "Blau ist eine warme Farbe" kommt auf eine ebenso mächtige Spielzeit. Wenn man dieses Jahr aber nur noch Bock und Energie für einen Überlänge-Film hat, welchen sollte man sich dann vorknöpfen?

Das ist ja mal eine unmöglich zu beantwortende Frage! Wie soll man bitteschön zwischen einem Bombast-Fantasy-Epos und einem auf Authentizität gedrillten Drama einen ernstzunehmenden Vergleich anstellen? Bis auf ihre Überlänge haben die beiden Filme null gemeinsam. Was sich jedoch sagen lässt: "Blau ist eine warme Farbe" ist auf jeden Fall die anstrengendere Kinokost.

Was kann anstrengender sein als dabei zuzusehen, wie ein Kinderbuch von 300 Seiten auf drei ewig lange Filme gestreckt wird?

Na, ist doch klar: Ein richtig schmerzhaftes Thema kann anstrengender sein.

Und das wäre?

Die Liebe natürlich. Zuerst zeigt uns der französische Regisseur Abdellatif Kechiche, wie schön sie sein kann: Er lässt sich die 17-jährige Schülerin Adèle in die ältere Kunststudentin Emma verlieben. Es kommt zum ersten Treffen und Kuss auf die Wange im Park. Dann bald schon zur ersten gemeinsamen Nacht, zum Kennenlernen der Eltern und Freunde. Schließlich, die beiden sind nun älter, ziehen sie in eine Wohnung. Adèle ist Emmas Muse. Alles läuft gut. Doch dann, peu à peu, - und Achtung: Spoiler! - entfernt sich dieses wunderschöne Liebespaar voneinander: Adèle, die eine Ausbildung zur Grundschullehrerin macht, kann mit den intellektuellen Gesprächsthemen von Emmas Kunstfreunden nichts anfangen und geht schließlich mit einem Kollegen fremd. Emma findet's raus. Es kommt zum Streit. Es wird geschrien, beleidigt, geschlagen, geweint - das sind verdammt anstrengende Szenen, weil sie dich an deine eigenen Leidensphasen erinnern.

Hm. Die Story macht jetzt aber nicht gerade den Eindruck, besonders innovativ und interessant zu sein. Am Scheitern der Liebe haben sich auch schon Dutzende anderer Filme abgearbeitet. Warum soll mich das bei "Blau ist eine warme Farbe" jetzt noch mal scheren?

Klar, "Blau ist eine warme Farbe" erzählt kaum Neues. Dass es Partner aus unterschiedlichen Schichten und Lebenswelten schwer haben können, hat ja schon "Romeo und Julia" gezeigt. Und auch dass ein lesbisches Paar im Zentrum steht, ist jetzt nichts, was einen aus den Socken haut. Soll es aber auch gar nicht: Abdellatif Kechiche will mit dem Drama kein Statement zur Homosexualität abgeben, er will einfach nur die Höhen und Tiefen der Liebe abbilden. Und dass einen das nach so vielen Liebesfilmen auch hier wieder kriegt, liegt an den beiden Hauptdarstellerinnen Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux. Ihr sehr glaubhaftes Spiel ist es, für das man unbedingt ins Kino gehen sollte.

"Glaubhaftes Spiel", ja? Du fährst doch bloß auf die angeblich sehr ausgiebigen Sexszenen ab und versuchst das jetzt verschwurbelt zu überspielen.

Nö, gar nicht. Ja, es gibt viel Sex zu sehen. Und ja, der Sex ist eine Trilliarde Mal ästhetischer und schärfer in Szene gesetzt als in jedem Lesben-Video, das du auf Redtube finden wirst. Aber Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux sind nicht nur zusammen im Bett gut. Ihr Mienenspiel ist immer spannend anzusehen. Wenn sie einander schüchterne Blicke zuwerfen, wenn sie sich gegenseitig abchecken, wenn sie sich ihren Eltern vorstellen, wenn sie sich später streiten und noch ein bisschen später nach langer Zeit zum ersten Mal wiedersehen - das ist alles supergut gespielt. Und dass die Kamera dabei immer ganz dicht an ihren Gesichtern dran ist, verstärkt das intensive Spiel noch mehr. Wirklich, dieser Film ist ganz, ganz toll, weil seine Darstellerinnen ganz, ganz toll sind. Angezogen wie - zugegeben - auch nackig. Die Goldene Palme hat "Blau ist eine warme Farbe" definitiv verdient.

Wahnsinn.

Was?

Das ist die erste euphorische Kritik, die ich von dir gehört habe.

Dann muss an meiner Lobhudelei wohl was dran sein.


"Blau ist eine warme Farbe" (2013), Laufzeit: 175 Minuten, Regie und Buch: Abdellatif Kechiche, Darsteller: Adèle Exarchopoulos, Léa Seydoux u. a.

24. November 2013 - 1 Kommentar.

„Tatort“: Erinnerungen an Langeoog

Zwei Dingen haben die "Tatort"-Folge "Mord auf Langeoog" geprägt: Die zahlreichen Strickpullis, die Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und sein Buddy Katz (Sebastian Schipper) ständig wie Models in einem C&A-Spot vorführten. Und der Earth Porn, dem die Macher alle paar Szenen frönten. Andauernd gab es in matten Farben Dünen, Strand, Meer und das Watt zu sehen - was bei mir für etliche Déjà-vus sorgte.

Denn: Langeoog ist auch ein wichtiger Schauplatz meines Lebens. Ich bin mehrfach mit der Schule da gewesen. Habe Wattwanderungen und Kutterfahrten mitgemacht. Habe mich beim "Jakob hoch!"-Spielen (verbotener Weise) Stunden lang in den Dünen herumgeschlagen. Habe mit meinen Kumpels nachts in Stockbetten ebenso lange über Mädchen gequatscht. Habe von meinem besten Freund geraten bekommen, mir meine spätere Ex-Freundin aus dem Kopf zu schlagen, weil sie out of my league sei. Habe zum ersten Mal Klammerblues mit ihr getanzt.

Schön war das, diese ganzen Momente vor dem geistigen Auge wieder aufleben zu sehen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreibe, aber: Danke, "Tatort", habe dich gerne geguckt! Und jetzt möchte ich mehr Strickpulli tragen und vor allem wieder nach Langeoog fahren.

27. Oktober 2013 - 1 Kommentar.

Ein paar begeisterte Worte zu „Gravity“

Ich bin ein großer Fan von One-Shots. Von Filmsequenzen also, die in einem einzigen Take ohne Schnitt geschossen wurden. Ziemlich grandios ist zum Beispiel die perfekt durchchoreographierte Kamerafahrt über ein Schlachtfeld in "Atonement". Noch mehr hat mich allerdings Alfonso Cuaróns Auto-Szene in "Children of Men" gefesselt, weil ich mich beim Zugucken bloß staunend fragte, wie um alles in der Welt er und sein Team die hinbekommen hatten. (Übrigens so.) So mitreißend diese Szenen aber auch sind, sie werden mehrfach getoppt durch die soghaften One-Shots, die Cuarón jetzt in "Gravitiy" hintereinander weg feuert.

Gleich in den ersten Minuten dieses phänomenalen Science-Fiction-Films lässt Cuarón die Kamera auf das um die Erde kreisende Hubble-Teleskop zufahren und mehrfach um ein Astronauten-Team herumschwirren. Später kriecht sie sogar ohne erkennbaren Schnitt in den Helm von Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) und zeigt die weiteren Ereignisse kurzfristig aus ihrer Perspektive. Sicher: Hier sind massig Spezialeffekte im Einsatz, und es kann sich unmöglich um "echte" One-Shots handeln. Es muss hier Schnitte geben. Viele sogar! Aber so penibel man auch nach ihnen sucht - man entdeckt sie nicht. Und so entsteht in "Gravity" letztlich das Gefühl, unmittelbar vor Ort zu sein. Als würde man tatsächlich mit durchs All schweben. Wow.

Spiegel Online betitelte seine Kritik zum Film mit "Der nächste Science-Fiction-Klassiker" - und das ist keine Übertreibung. "Gravity" ist fantastisch. Vor allem wegen dieser immens intensiven One-Shots. Unbedingt diesen Film angucken! Und unbedingt in 3D!