11. Juni 2016Keine Kommentare

Drei Lektionen vom dritten Mediensalon

Im August und September 2015 habe ich die ersten beiden Mediensalons veranstaltet. Dabei handelt es sich um eine einstündige Abendveranstaltung, bei der Journalist*innen aktuelle Arbeiten zeigen und sie mit dem Publikum diskutieren. Bei den ersten Salons ging's um Multimedia-Reportagen und Snapchat, diesmal ging's um alle Arten von Videos fürs Netz: um für Facebook optimierte Clips, 360-Grad-Videos und Mobile Reporting. Isa von Heyl (stern), Björn Staschen (NDR), Christian Biernath-Wüpping (RealTV Group) und Jan Kuchenbecker waren zu Gast, um ihre Arbeiten zu zeigen.

Die wunderbare Caro hat den Abend erneut mit tollen Bildern dokumentiert. Mehr davon gibt's auf der frisch überarbeiteten Mediensalon-Seite.

Schnappschuss vom dritten #Mediensalon am 9. Juni 2016 in #Hamburg. Thema war: Videos fürs Netz. #ponybar #journalismus #theta360 #theta360de - Spherical Image - RICOH THETA

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Ich fange in den kommenden Tagen an, das vierte Event zu planen. Wer Ideen, Wünsche und Anregungen für den Abend hat, schicke mir gerne eine Mail.

5. Mai 20162 Kommentare

Wie ich Snapchat nutze. Und ihr so?

Vor einem Jahr habe ich auf der Berliner Digitalkonferenz re:publica Snapchat für mich entdeckt. Zuvor hatte ich mir den Messenger zwar schon mehrfach heruntergeladen und ausprobiert, aber das elende Ding nie richtig verstanden. Erst die coolen Innenhof-Kids der #rp15 haben mir die App mit kunterbunten Selfies schmackhaft gemacht.

Auch andere JournalistInnen müssen diesem #rp15-Gruppenzwang erlegen sein, jedenfalls ploppten ab Mai 2015 immer mehr "Folgt mir auf Snapchat"-Aufforderungen in meinen Feeds auf. Eine Zeit lang brannte ich für die App, veranstaltete einen Mediensalon in Hamburg zum Thema Snapchat und legte auf Vocer die "Journalisten auf Snapchat"-Liste an, die übrigens bis heute aktualisiert wird.

Doch der Flow ebbte irgendwann ab und nun, ein Jahr nach meinem Snapchat-Einstieg, fühlt es sich so an, als hätte sich meine Nutzung irgendwo zwischen "Yay" und "Nay" soweit eingespielt, als dass ich sie zusammenfassen könnte. Fünf Nutzungserfahrungen möchte ich hier mit euch teilen - als Anstoß, um mit euch ins Gespräch über euer Nutzungsverhalten zu kommen. Im Gegensatz zu Facebook, Twitter und Instagram weiß ich darüber noch zu wenig. Vielleicht verirren sich ja sogar ein paar Nicht-Medienmenschen hierher und teilen ihre Erfahrungen, das wäre famos und spannend.

1. Ich habe noch nie gesextet (außer dieses eine Mal aus Spaß)

Auch wenn das Titelbild des Artikels, das ich hier in größtmöglicher Prüderie zensiere, den Anschein macht: Nichts liegt mir ferner als Sexting. Ohnehin benutze ich Snapchat kaum als Messenger, ich verschicke selten Nachrichten und finde die App als Kommunikationskanal ganz furchtbar. Der gute Leander brachte das treffend auf den Punkt:

2. Snapchat gehört zum Einschlafprogramm dazu

Stattdessen fügt sich Snapchat zwischen abendlicher TV-Berieselung und Einschlaf-Podcast als weitere Möglichkeit zum Runterkommen in mein Leben ein. Vor 22 Uhr bin ich so gut wie nie auf Snapchat, vorher habe ich entweder im Job zu viel um die Ohren, kein schnelles Netz oder bin irgendwo, wo ich nicht mal eben ohne Kopfhörer Snaps durchswipen kann. Das Bett ist meine Snapchat-Komfortzone.

3. Ich schaue mir vor allem Snaps von Leuten an, die ich kenne

Die neue Binge-Watching-Funktion, bei der nahtlos in die Snapstory des nächsten Users übergeleitet wird, finde ich ziemlich doof. Wenn ich abends im Bett rumlümmele, fühlt es sich irgendwie merkwürdig und creepy an, in die Leben fremder Menschen zu stieren. Lieber schaue ich erst mal bei denen vorbei, die ich auch im Real Life kenne und getrost beobachten kann; das ist ein bisschen so, als würden sie mir von ihrem Tag erzählen. Erst wenn ich die Snapstorys von Freunden und Bekannten durch habe und immer noch nicht müde bin, schaue ich bei anderen vorbei.

4. Wenn jemand kreativ ist, bleibe ich dabei

Wenn ich nicht ich wäre, würde ich mir meine Snaps niemals ansehen. In den meisten stehe ich einfach nur doof vor der Kamera, erzähle Stuss oder schieße nicht allzu gute Fotos von irgendetwas, das mir im Alltag begegnet. Öde hoch drölf. Was ich abseits von Freundes-Snaps gerne sehe sind Fotos, in die jemand reingezeichnet hat (wie Marie Meimberg), Videos, die mit passender Musik unterleget sind (wie ab und an bei Duygu Gezen) oder Snaps von Menschen, die gerade in der Welt rumtingeln und mich an fremde Orte mitnehmen. Diese Snaps müssen nicht durch einen roten Faden verbunden sein (siehe nächster Punkt), sondern müssen kurzweilig sein und knallen. Snapchat ist für mich ein Eskapismus-Tool, deshalb interessieren mich journalistische Inhalte auch nicht besonders. Ich gucke Bild, bento, Verge und Co. aus beruflichem Interesse, privat will ich über Snapchat aber nicht informiert werden. Ganz nach rechts und damit zu Discover swipe ich in der App selten, höchstens am Wochenende mal, um mich vor der Hausarbeit zu drücken.

5. Aber: Geschichten nerven mich

Auf der #rpTEN und Philipp Steuers #happysnapping-Event predigten ein paar ReferentInnen: Erzählt Geschichten! Mit Anfang und Ende, am besten noch mit Heldenreise, sowas würden die Leute mögen. Offenbar bin ich nicht die Leute. Eine Weile habe ich mit Begeisterung verfolgt, was Richard Gutjahr so erlebt oder was Eva treibt - aber im vergangenen Jahr bin ich auf Snapchat zum Eichhörnchen mutiert: Ich skippe und swipe und springe durch die Snaps in Sekundenschnelle. Inzwischen stelle ich auf stur, wenn mir jemand was erklären will. Evas Snaps gucke ich gerne, aber in Ruhe auf Youtube.

tl;dr: Was mich auf Snapchat interessiert, ist der schnelle Einblick in die Leben von Freunden, ohne roten Faden und fancy Konzept, aber schön bunt und wild. Und euch so?

31. März 20169 Kommentare

A Beginners Guide To Podcasts

Seit ein paar Monaten begleiten mich Podcasts zur Arbeit und zurück, manchmal wiegen sie mich in den Schlaf. Und ich finde immer mehr tolle Serien und Folgen, an denen ich hängen bleibe. Um meine Erkundungsreise durch die schöne neue Podcast-Welt zu ordnen und euch womöglich anzufixen, folgt hier eine kleine Sammlung von Casts und Texten, die ich als besonders hörens- und lesenswert erachte.

Wer weitere Empfehlungen in petto hat, kann sie muss sie mir unbedingt an diese Mail-Adresse oder diesen Twitter-Account senden. Herzlichsten Dank im Voraus.

1. Kuratoren

+ Wer nicht nur Podcasts entdecken, sondern auch Details über die Branche erfahren möchte, landet unweigerlich bei Nicholas Quah. Früher hat der US-Journalist für Business Insider und Buzzfeed geschrieben, jetzt widmet er sich fast ausschließlich den Audio-Formaten. Sein wöchentlichter Newsletter Hot Pod ist ein Essential, wie die coolen Kids heute wohl sagen würden. Wer sein Mail-Postfach am liebsten klinisch rein mag, findet den Newsletter auch als Kolumne beim Nieman Lab.

+ Keinen Bock auf das Branchen-Blabla des Quah? Dann rasch ein Newsletter-Abo von Adolescence is a marketing tool zulegen! Darin rattert die Journalistin Sara Weber in angenehmem Plauderton Hörempfehlungen runter. Auch wöchentlich, auch auf Englisch.

+ Seit die Kriminalstory Serial Podcasts näher an den Mainstream gerückt hat, beschäftigen sich Medien zunehmend mit dem Thema: Redakteure bei Spiegel Online haben unter anderem feine Empfehlungen zusammengetragen, ebenso Mit VergnügenKleinerdrei und Buzzfeed USA.

2. Plattformen

+ Man kann Kuratoren vertrauen – oder geht selbst auf Entdeckungstour. An iTunes kommt man dabei nicht vorbei, hier gibt's immer noch die meisten Podcasts und aktuellen Folgen.

+ Aber auch Spotify füllt die recht junge "Shows"-Sektion eifrig mit Video- und Audio-Beiträgen. Weil ich mein kostenpflichtiges Abo bei dem Streaming-Dienst ordentlich schröpfen möchte, höre ich hier am meisten.

+ Schick gemacht ist auch Acast, quasi das Spotify für Podcasts, und kostenlos ist es auch noch. Vornehmlich gibt's hier die gängigen englischsprachigen Stücke zu hören. Da Acast aus Schweden kommt, finden sich in den Archiven auch viele schwedische Folgen. Bestimmt spannend für die, die's verstehen können.

+ Ja, Soundcloud ist auch eine Fundgrube für Podcast-User. Checke ich aber nur selten, passt nicht in mein Mediennutzungsverhalten. Aber immerhin lassen sich die Casts über Soundcloud am besten einbetten.

+ Noch mit überschaubarer, aber spannender Auswahl kommt Viertausendhertz daher. Die Macher bezeichnen das Angebot als "Label für AutorInnenpodcasts" (bei Vocer findet ihr mein Interview mit Christian Grasse, einem der Gründer). Besonders hörenswert: In "Nur ein Versuch" zeichnet Hendrik Efert nach dem Aufstehen seine Erinnerung an Träume auf und verpackt sie in experimentelle Klangtagebücher (hier geht's zu Folge eins). Und damit wären wir auch schon konkret bei ...

3. Podcast-Empfehlungen

+ Reddit ist eine Fundgrube voller wunderbarer Netzgeschichten. Das weiß die Reddit-Crew am besten und widmet den beachtenswertesten Geschichten den Podcast Upvoted – beziehungsweise ist hier das Präteritum angebracht, seit einem halben Jahr gibt's keine neuen Folgen mehr, schnüff. Die alten sind aber sehr hörenswert.

+ Sampler kuratiert Podcasts, zeigt Ausschnitte, kommentiert, ist megagut. Gerade für den Einstieg. Herrlich vor allem diese Folge über einen Typen, der einen Disneyland-Podcast aufzog:

+ Lore ist besonders eindrucksvoll, wenn man den Podcast nachts hört. Immerhin analysiert Aaron Mahnke darin unsere Ängste und steigt urbanen Horrorlegenden nach. Das Credo: "Sometimes the truth is more frightening than fiction." Uaahhh.

+ Ich habe früher schon Hörspiele geliebt und ich liebe sie jetzt auch noch (bei ze.tt habe ich ein paar spannende Erwachsenen-Hörspiele zusammengestellt). Eher verkopfte, sperrige, zum Grübeln anregende Stücke sammelt der Podcast SWR2 Hörspiel.

+ Ich bin vor vier Jahren nach Berlin gezogen, um ein eigenes Ding aufzubauen – seit ich an diesem Ding nicht mehr baue, bin ich weitestgehend aus der Startup-Szene raus; Startup von Alex Blumberg und Lisa Chow höre ich trotzdem gerne. Womöglich kann ich das dort Gelernte ja noch mal anwenden.

+ Der BBC-Podcast The English We Speak klärt über Slang-Formulierungen und Floskeln auf. Kann man zwar nie anwenden, ist aber trotzdem unterhaltsam.

+ Um mich am Ende mit einer elenden deutschen Floskel unbeliebt zu machen: An Lena Dunham scheiden sich die Geister. Zwar regt mich ihr Charakter Hanna in der fünften Staffel von "Girls" immens auf, von der Schauspielerin, Autorin und seit einer Weile auch Newsletter-Initiatorin (spannende Insights zum Lennyletter gibt's hier) habe ich aber noch nicht genug. Deshalb höre ich ihr sehr gerne zu, wenn sie in der abgeschlossenen Miniserie Women Of The Hour mit unterschiedlichen Frauen spricht.

Und nun: Vergnügliches Hören!

3. Oktober 2015Ein Kommentar

Auf einer Skala von „noch nie“ bis „ganz Deutschland“: Mit wie vielen Leuten hattest du schon Sex?

Da stehen wir: Programmierer Hannes Rohde (Deutschen Welle), meine Wenigkeit sowie meine Kommilitoninnen Judith Bader (ProSieben) und Hannah Suppa (Hannoversche Allgemeine Zeitung) - und sind überglücklich. Denn wir haben den scoopcamp-Hackathon gewonnen – mit dieser Idee.

Noch vor wenigen Minuten haben wir auf der Bühne des scoopcamp 2015 in einem fünfminütigen Elevator-Pitch das Konzept präsentiert, das wir anderthalb Tage lang im Kurs "Multimediales Arbeiten" an der Hamburg Media School entwickelt haben.

Entlang der Design-Thinking-Methode sind wir auf die Straße gegangen und haben mit Millennials gesprochen, um herauszubekommen, mit welchem neuen Medienangebot man sie begeistern könnte.

Unsere Beobachtung: Der Großteil derer, mit denen wir gesprochen haben, interessieren sich fürs tagesaktuelle Geschehen - Nachrichtenmedien nutzen sie trotzdem selten bis gar nicht. Die Gründe: Zum Beispiel wollen sie ihren knappen Smartphone-Speicher nicht mit Nachrichtenapps überlasten; und in der Flut von Angeboten wüssten sie auch gar nicht, für welches Medium sie sich entscheiden sollten. Unsere Erkenntnis: Es ist nicht der Journalismus, zwingend in neue Formen gepresst werden muss. Das Marketing für Medienangebote scheint nicht zu wirken. Unsere Lösung: "News it!".

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Bei "News it!" handelt es sich um eine für mobile Endgeräte optimierte Seite, die den Nutzer mit Gamification-Elementen spielerisch Medienangebote entdecken lässt. Dafür müssen die Nutzer zunächst an einem Glücksrad drehen, das zufällig über das Ressort entscheidet, aus dem sie später mehrere Artikelvorschläge erhalten.

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Im Anschluss folgen drei zufällige Fragen, die auf den ersten Blick abgedreht wirken. Der Nutzer verrät uns durch seine Antworten allerdings wie in einem Psychotest, welche Artikelart am ehesten zu ihm passen könnte.

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Nach den Fragen landen die "News it!"-Spieler in einem Tinder für News: Es werden ihnen drei Artikelvorschläge unterbreitet, die sie entweder wegswipen oder lesen können. Die Artikel sind markant mit der jeweiligen Medienmarke gebrandet, damit sie in Erinnerung bleibt. Wer "News it!" von vorne beginnt, bekommt neue Fragen zugespielt, die sich zunehmend am Geschmack des Spielers orientieren.

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Die Idee steht, jetzt würden wir sie auch gerne umsetzen. Wer dafür mit uns zusammenarbeiten möchte - sehr gern. Einfach per Mail melden.

14. Juli 2015Keine Kommentare

Fünf Fragen an Mit Vergnügen

Erst haben Pierre Türkowsky und Matze Hielscher Partys geschmissen - jetzt berichten sie auf Mit Vergnügen vor allem über Events, die andere in Berlin veranstalten. Matze hat fünf Fragen zur Plattform beantwortet.

Matze, wieso gibt es Mit Vergnügen?

Matze Hielscher: Pierre und ich haben vor sieben Jahren angefangen, neben unseren Hauptberufen Partys zu veranstalten. Als der Club insolvent gegangen ist, in dem Pierre gearbeitet hat, und sich die Band aufgelöst hat, in der ich gespielt habe (Anm.: Es handelte sich um Virginia Jetzt!), haben wir beschlossen, gemeinsame Sache zu machen. Das war vor fünf Jahren. Anfangs lag unser Fokus auf dem Veranstalten von Partys - das Blog war im Grunde nur als eine andere Form von Webseite gedacht. Das hat sich nun komplett verschoben. Heute fokussieren wir uns hauptsächlich auf unsere Plattform und veranstalten eher seltener Partys.

Mit eurer Hielscher und Türkowsky GbR unterhaltet ihr nicht nur Mit Vergnügen, sondern seit 2013 auch die Agentur von Welt. Inwiefern überschneidet sich beides? Lassen sich Plattform und Agentur noch voneinander trennen?

Wir haben von Anfang an nicht nur eigene Partys veranstaltet, sondern auch für andere gearbeitet. Unseren ersten Auftrag haben wir vom Michelberger Hotel bekommen, dort haben wir uns um das Kulturprogramm gekümmert. Recht schnell kamen dann Marken wie Telekom, Jägermeister und weitere lokale Unternehmen dazu, mit denen wir seit Jahren immer wieder arbeiten. Unser Ansatz ist, dass wir 50 Prozent eigene Projekte verfolgen und 50 Prozent eher als Dienstleister fungieren. Die Agentur haben wir vor allem gegründet, um das klarer zu trennen. Auch für Außenstehende.

Matze und Pierre spielen sich selbst. Nur andersrum.

Ein von Mit Vergnügen (@mitvergnuegen) gepostetes Foto am

Manch einem ist die Trennung allerdings nicht scharf genug, da ihr immer wieder Native Advertising als Werbeform wählt oder einzelne Empfehlungen in Service-Artikeln sponsern lasst. Welchen eigenen, möglicherweise journalistischen Maßstäben folgt ihr bei euren Anzeigen?

Wir setzen in allen Artikeln darauf, unsere Leser zu unterhalten, zu informieren und zu inspirieren - und das nach bestem moralischen Gewissen. Das steht für uns an erster Stelle und das gilt auch für den gesponserten Teil, der circa zehn Prozent einnimmt. Wenn man so will, sind das die vergnügten Maßstäbe. Ob das journalistisch korrekt ist, kann ich nicht beantworten. Ich bin kein Journalist.

Wie schätzt du die aktuelle Situation für lokale digitale Magazine und Blogs in Berlin ein: Sind alle Nischen besetzt oder ist da noch Platz?

Ich glaube, dass es da noch immer viel Platz gibt. Diese Stadt hat so viele Ecken, die durch unterschiedlichste Blickwinkel betrachtet werden können. Gerade im urbanen Sportbereich gibt es noch nicht wirklich etwas. Ich sehe auch nicht, dass digitale Medien in Konkurrenz zueinander stehen. Wir können uns vielleicht nur ein Fahrrad und einen Computer leisten, aber wir können ja alle viele unterschiedliche Medien konsumieren.

Ihr seid nach Hamburg expandiert. Gibt's schon Pläne für die nächste Stadt?

Es gibt immer wieder Gespräche mit Menschen aus Köln und auch München, aber bisher steht noch nichts konkret fest. Es muss einfach klick machen. Das ist der Hauptmaßstab für alles, was wir machen.

Dieses Interview habe ich für den WiWo-Gründer-Artikel "Hyperlokale Blogs: Berichten am Limit" geführt.

27. Juni 20153 Kommentare

Als würde das Elternhaus abgerissen: Ein Nachruf aufs uMag

Mit Jana Pallaske fing alles an. Im März 2006 entdeckte ich sie auf dem Cover einer Zeitschrift. Schlauer Blick, volle Lippen, kurzes Haar: Ich war sofort verknallt. In einer Fotostrecke schäkerte sie an der Seite von Alexander Scheer mit der Kamera, der begleitende Text pries sie als kommenden Star des deutschen Films. Für 1,50 Euro nahm ich das Magazin mit nach Hause, doch für Jana Pallaske interessierte ich mich schon bald nicht mehr. Stattdessen begann ich für dieses Magazin zu schwärmen. Damals erschien es noch mit Hochglanzcover, war 100 Seiten schlank und firmierte als Magazin für "Popkultur und Gegenwart".

Das uMag (damals noch U_mag) verkörperte und proklamierte Aufbruch und Anderssein, die Melange aus Pop, Gesellschaft und Lifestyle war fantastisch. Das Heft war nicht elitär, sondern offen für alle und alles. Es ließ Harry Rowohlt neben Patrick Wolf auftreten, feierte Tilman Rammstedt und wütete gegen Hannah Herzsprung. Es gab Gesellschaftsthemen zum Altern, über Pornos und Beziehungen. Hach. Im nächsten Monat kaufte ich mir das Heft wieder. Und wieder. Und wieder. Und irgendwann beschloss ich: Für die willst du mal schreiben.

Das uMag wurde später unheimlich wichtig für mich. Während meines Studiums habe ich ein sechsmonatiges Praktikum bei der Redaktion in Hamburg-Ottensen absolviert, nach dem Abschluss wurde ich dort Volontär. Das waren zwei aufregende und prägende Jahre, womöglich die bisher prägendsten. Beim uMag habe ich das Selbstbewusstsein für die Selbständigkeit gesammelt und den Mut, Dinge auszuprobieren. Und nicht zuletzt habe ich ganz wunderbare Menschen kennengelernt und bei Konzerten, Lesungen, Festivals, Filmen, Essen, Weihnachtsfeiern, Ausflügen und und und eine grandiose Zeit mit ihnen gehabt. So schön war das, dass ich mit einigen von ihnen Les Flâneurs startete.

Als freier Autor habe ich dieses Jahr drei Titelgeschichten fürs uMag beigesteuert, zum letzten Mal. Denn: Vergangenen Donnerstag ist die finale Ausgabe des uMag erschienen. Das fühlt sich ein bisschen so an, als würde das Elternhaus abgerissen. Zwar bin ich schon lange ausgezogen und finde längst nicht alles gut, was in den vergangenen Jahren mit dem uMag passiert ist, aber das Aus dieser tollen Zeitschrift stimmt mich sehr, sehr traurig. Zeit für Wein. Zeit für sentimentales Blättern, durch tolle Artikel und viele schöne Erinnerungen.

22. Mai 2015Keine Kommentare

Remixing Journalism: Der #vid15 kommt!

Erinnert ihr euch noch an den VOCER Innovation Day, den die famose Caro Neumann 2014 organisiert hat? 120 Leute sind vergangenes Jahr zur ersten Ausgabe der Medienkonferenz nach Hamburg gereist. Es gab tolle Keynotes, spannende Lightning Talks, Projektvorstellungen, Workshops, eine Paneldiskussion und oben drauf feines Essen aus der Spiegel-Küche. Großartig war das! Und ich war sehr froh, an Caros Seite ein wenig mitorganisieren und viele neue Dinge lernen zu dürfen.

Ein Jahr später habe ich nicht nur die Vocer-Redaktionsleitung von Caro übernommen. Ich bin auch für die Organisation des #vid15 hauptverantwortlich. Hauptverantwortlich bedeutet keineswegs alleinverantwortlich: Die Vocer-Herausgeber, der Spiegel und eine liebenswerte Helfertruppe unterstützen mich eifrig beim #vid15-Ausdenken und -Umsetzen.

Warum nun diese Zeilen? Heute, nach vielen Brainstormingrunden, Mails, Telefonaten, Treffen in Hamburg und Bieren mit wunderbaren Menschen, ist ein wichtiger Meilenstein erreicht: Das Programm des VOCER Innovation Day 2015 im SPIEGEL-Haus steht. Es ist in diesem Internet. Und ab jetzt könnt ihr euch für die Veranstaltung am 20. Juni anmelden. 200 Plätze sind frei, und ich würde mich sehr, sehr freuen, ganz viele von euch Leserinnen und Lesern dieser Zeilen beim #vid15 persönlich zu sehen! Danke für die Aufmerksamkeit und bis zum 20. Juni.

Foto: Caroline Zenker

© Mark Heywinkel 2018. Mit Liebe, WordPress und Semplice in Berlin gebaut.