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Die Medienbranche verändert sich fortwährend und stellt stetig neue Anforderungen an die Menschen, die in ihr arbeiten. Mark Heywinkel versucht in diesem Blog herauszufinden, wie die Medienwelt von morgen aussieht und was werdende Journalisten in ihr leisten müssen. Mehr ...Mit Mark vernetzen
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Besetzt die Nischen! Brecht mit Klischees! *überarbeitet*
Der Zeitschriftenmarkt gilt seit langem als übersättigt. Trotzdem sprießen hie und da noch neue Titel aus dem Boden. Erfolg kann noch haben, so scheint es, wer umdenkt und mit Klischees bricht.
Cover des Frauenerotikmagazins Alley Cat
Wenn Mann Erotikhefte sucht, findet er so einiges: Playboy, FHM, Maxim und eine beinahe unüberschaubare Masse an Heften voller unverhüllter Nacktheit liegen am Kiosk aus. Was findet Frau? Nicht viel, stellte vor einer Weile die damalige Studentin Tina Küper fest und beschloss, das zu ändern. Wie schon die Macher des Kölner Indieprojekts Jungsheft fasste auch Küper den Plan, ein Erotikheft für Frauen zu entwickeln. Von ihrer Zeitschrift Alley Cat war der Hubert-Burda-Verlag später so begeistert, dass er Küper in ihrem Vorhaben untersützte. Heute erscheint die Alley Cat bundesweit, und Küper ist ihre Chefredakteurin.
Dieses Beispiel zeigt: Die Medienbranche ist noch nicht übersättigt, es existieren noch Nischen, in denen auch junge Medienschaffende einiges reißen können. Natürlich besteht die Herausforderung erst einmal darin, eine solche Nische zu finden. Vielleicht ist das Erfolgsrezept bei der Nischensuche, mit einem Klischee zu brechen. Diese Strategie hat z. B. auch diesen beiden Print-Titeln zum Erfolg verholfen:
Cover der Landlust
Alle wollen in der Stadt leben
In Deutschland leben inzwischen mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Kein Wunder: Mulitkulturelle Gesellschaft, Kultur, Politik – auf dem Land findet das alles so gut wie gar nicht statt. Da ist es langweilig und trist. Die Landlust (Untertitel: Die schönsten Seiten des Landlebens) aus dem Landwirtschaftsverlag hat erfolgreich mit diesem Klischee gebrochen. In frischem Design präsentiert die Zeitschrift alle zwei Monate Garten-, Gesundheits- und Öko-Tipps und inszeniert das Land als den place to be – mit Erfolg. Anscheinend sehnen sich die zahlreichen Stadtbewohner wieder nach Land und Natur, denn die Auflage der Landlust hat kürzlich die Marke von 700.000 Stück geknackt (Quelle: IVW 1/2010). Auch G+J hat das Potential der Nische erkannt und produziert inzwischen den Konkurrenten Liebes Land (Untertitel: Die beste Art zu leben).
Männer können nicht kochen
Cover der Beef
G+J hat auch mit diesem Klischee erfolgreich gebrochen: Das erste Heft der Zeitschrift Beef (Untertitel: Für Männer mit Geschmack) ist gut angekommen, nun soll das Team um Chefredakteur Jan Spielhagen eine zweite Ausgabe des Kochmagazins herstellen. Den Koch-Hype im TV ausnutzend, scheint Beef mit Hochglanzdesign, wenig Text und viel Bild den kochenden Mann von heute zu erreichen.
Fazit: Kreativ muss man sein, um eine Nische zu finden, so viel steht fest. Aber hilfreich ist auch die Fähigkeit und der Wille, alte Strukturen zu durchbrechen und Gedankenwelten umwälzen zu wollen. Also: Ran an die Klischees! Ein Beispiel: Rentner können nicht mit Technik umgehen oder interessieren sich nicht dafür? Vielleicht ist eine monatliche Zeitschrift mit grundsätzlichen Erklärungen von PCs, dem Internet und Handys genau das, was Menschen ab 60 interessiert?! Kinder kriegen die meisten Menschen nur noch über 30? Vielleicht gibt es zahlreiche junge paare, die sich gerne auf einem Blog über notwendige Arzt- und Amtsgänge informieren lassen wollen?!