Rupert Murdoch: Retter des digitalen Journalismus?

13. Juli 2010

Der Herr des Internet

Rupert Murdoch hat in den letzten Jahren seine Einstellung zum Internet grundlegend verändert. Dieser Wandel soll abschließend beschrieben werden.

2005 trat er vor die American Society of Newspaper Editors, um über die Situation der Zeitungen im Internet-Zeitalter zu sprechen. In seiner Rede fand er damals sehr fortschrittliche, versöhnliche Worte über das Internet. So sagte er:

I come to this discussion not as an expert with all the answers, but as someone searching for answers to an emerging medium that is not my native language. Like many of you in this room, I´m a digital immigrant.

Rupert Murdoch führte an, dass das Internet im Gegensatz zum Fernsehen ein Medium sei, dass sich mit der Zeitung vereinen ließe. So sei das Internet keine Gefahr, sondern vielmehr eine große Chance, um die Reichweite von Zeitungen zu erhöhen und den Journalismus zu erneuern. Redaktionen könnten ihre Nachrichten durch Links zu anderen Quellen, anderen Meinungen oder Menschen mit gleicher Meinung aufwerten. Die Herausforderung nunmehr bestehe darin, Nachrichten so zu übermitteln, wie es die neue, junge, Internet-affine Zielgruppe der „digital natives“ bevorzuge. Er forderte dazu auf, mit Bloggern zusammen zu arbeiten, um einen frischen Blick auf Themen zu gewinnen – solange dabei der Unterschied zwischen angestellten eigenen Journalisten und externen Bloggern auf der anderen Seite erkennbar bliebe. Murdoch forderte auch eine intensivere crossmediale Berichterstattung:

What this means for us as newspapers is the opportunity to partner with credible video programmers to provide an infinitely better product. More access to news; more visually entertaining news and advertising product; deeper and more penetrating coverage.

Im Internet bestehe die Möglichkeit, erläuterte Murdoch die Vorteile von Online-Werbung, gezielt Konsumenten anzuvisieren, wodurch die Zeitungswebsites für Werbekunden attraktiv würden. Abschließend stellte er fest:

We may never become true digital natives, but we can and must begin to assimilate to their culture and way of thinking.

Das sollte der alte Mann sein, der das Internet nicht versteht? Seine Worte waren eher die eines Mannes, der sich intensiv bemüht, das Internet zu begreifen und sich dessen Gegebenheiten anzupassen. Beinahe klang er wie Internet-Guru Jeff Jarvis in seinem Buch „Was würde Google tun?“. Er verteufelte das Internet nicht, sondern lobte es ob seiner Vorteile. Er sprach von crossmedialer Berichterstattung, personalisierten News für unterschiedliche Zielgruppen, dem Aufbau von Communities und sogar davon, Blogger in den Journalismus mit einzubeziehen. Mit keinem Wort erwähnte er Paid Content.

Inzwischen hat Murdoch allerdings eine Kehrtwende vollzogen: Seine Online-Strategien, die Einführung von Paid Content auf allen seiner Websites sowie der Google-Boykott, wiedersprechen den Ratschlägen seiner Rede von 2005 in einigen Punkten. Heute geht es Murdoch nicht mehr darum, sich dem Internet anzupassen, vielmehr will er es sich unterwerfen.

Vornehmlich dienten diesem Artikel folgende Quellen:

  • Gerald Wagner: “Ruper Murdoch: Die Globalisierung des deutschen Fernsehmarktes”
  • Bruce Page: “The Murdoch Archipelago”
  • Wendy Goldman Rohm: “The Murdoch Mission: The digital Transformation of a Media Empire”

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Ulf Juli 19, 2010 um 22:49

Interessanter Artikel ! Ich wusste über Rupert Murdoch bislang nur das er was mit Medien macht, aber nicht, dass die Medien auch TV und Internet heißen.
Wobei seine Versuche im Internet mitzumischen aus meiner Sicht noch nicht von besonderem Erfolg gekrönt sind: Von Myspace werden wohl in den nächsten Jahren viele zu facebook abwandern und dass die Paid Content Seiten wie thetimes.co.uk viele Besucher haben kann ich mir auch nicht vorstellen, weil man dort ja wirklich für ALLES bezahlen muss. Da muss man also schon irgendnen Abo nehmen oder was es da gibt. Aber dafür gibts im Moment noch zu viele gute Quellen aus den man die Informationen auch kostenlos bekommt.
Insgesamt erinnet mich Murdoch ein wenig an William Randolph Hearst, der auch eine Zeitung nach der nächsten aufgekauft hat, dann Radiosender, Fernsehsender und Filmstudios und das schon vor über 80 Jahren.

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