Blog

Ich will einsam und mit Rotwein zu “Trouble Will Find Me” tanzen

Filme habe ich in diesem Blog schon häufig besprochen. Aber eine Plattenkritik? Gab’s meiner Erinnerung nach bisher nicht. Womöglich weil ich, wie ich an dieser Stelle schon einmal überlegte, in einem reißenden Strom von Musik gefangen bin, der mich keine besonders intensive Verbindung mehr zu einzelnen Bands und Platten spüren lässt. Ein paar wenige Bandbindungen sind aber noch stark genug, als dass ich mich schon Wochen vor einer Neuveröffentlichung freudig durch die Backlist höre. Und wenn The National ein neues Album rausbringen, dann müssen ein paar Gedanken dazu auch in diesem Blog Platz finden.

Also. The National gehörten mit Songs wie “Fake Empire” und “Mr. November” schon längst zu den Herzangelegenheiten meiner Musiksammlung. Aber als 2010 “High Violett” kam, dieses monströse Hitwunder, bei dem längst nicht nur “Bloodbuzz Ohio” feuerwerkmäßig zündete, war ich Matt Berninger und Co. vollends verfallen. Entsprechend groß war die Sorge, von der sechsten National-Platte nun völlig enttäuscht zu werden, zumal mich die erste Single “Demons” nicht wirklich überzeugte. Aber: Sorge unbegründet! “Trouble Will Find Me” ist kein “High Violett”, okay. Trotzdem wird dieses fantastische Album noch lange auf meinem MP3-Player dauerrotieren. Besonders zu “Graceless” und “Hard To Find” möchte ich im Anzug und mit Rotweinglas einsam tanzen, rumknutschen, weinen, lachen, leben … Dankedankedanke für diese wunderbare Platte, The National!

Keine Plattenkritiken, aber mehr gute Musik gibt es in der Kategorie “Plattendrehen”.

Share Button

Plattendrehen im Mai 2013 mit: Say Lou Lou, Majical Cloudz, The National u. a.

In einer Woche erscheint “Trouble Will Find Me”, das sechste Album von The National, weshalb bei mir alles von Matt Berninger und Konsorten rauf und runter läuft. Trotzdem haben es in die Plattendrehen-Liste für Mai auch ein paar andere Bands geschafft. Und zwar: On An On, Majical Cloudz, Classixx, Mikal Cronin und She & Him – besonders häufig läuft bei mir Say Lou Lou, und – yeah, Retro! – die vor kurzem wieder ausgegrabenen Jazebels.

Share Button

“Star Trek: Into Darkness”: Zu viel beim Alten

Ohne Frage gehört “Into Darkness” zu den besten der bisherigen “Star Trek”-Filme. Dafür liefern J.J. Abrams und Crew etliche Pro-Argumente. Den großartigen Soundtrack von Michael Giacchino zum Beispiel. Sherlock-Darsteller Benedict Cumberbatch als Bösewicht mit unglaublich toller Stimme. Die optisch einwandfreie Machart ganz allgemein.

Nur ein Detail nervt an “Star Trek: Into Darkness”, das aber auch sehr. Nicht genug, dass Cumberbatch Kirks Obererzfeind Khan neues Leben einhaucht, nein, andauernd muss der Film auch noch Anspielungen auf “Star Trek II: Der Zorn des Khan” vom Stapel lassen. Klar ist es für “Star Trek”-Fans witzig, wenn – Achtung, Spoiler! – eine gewisse Dr. Carol Marcus erneut in Kirks Leben tritt oder am Ende des Films wieder ein wichtiger Charakter an der Strahlung des Warpantriebs vorübergehend das Zeitliche segnen muss.

Aber das soll bitte nicht so weiter gehen. Bitte kein Terraforming im dritten Abenteuer. Und bitte, die neue Crew soll nicht auch noch mal in die Vergangenheit reisen, um Wale zu kidnappen. So schön es ist, dass J.J. Abrams sich der ursprünglichen Enterprise-Crew wieder annimmt – er hat eine neue Zeitlinie für sie geschaffen, und in der wäre es doch ganz schön, wenn nicht alter Kaffee wieder mit mehr Action aufgewärmt würde. Die neue alte Enterprise-Crew darf ruhig ihre eigenen Gegenspieler und Freunde und Abenteuer finden.

Share Button

Unterwegs mit Flaneuren

217564_573485276017588_680242168_n

Eine Kreuzberger Barnacht, viele Hangouts, ein eisiges Fotoshooting mit Caro und siebenundzwanzig Club-Mate-Flaschen später ist es endlich geschafft: Heute startet Les Flâneurs, das neue Blogkollektivbaby unter anderem von den Menschen, die auf dem Foto dort oben zu sehen sind und ganz vielen weiteren Leuten, die ihr bitte dieser Liste entnehmt und uneingeschränkt gut findet. Worum es uns geht? Ums Leben, Lieben, Arbeiten und Nachdenken in und über die Großstadt. Das wird spitze!

Share Button

Neue Lieblingsapp: Mit Snapseed Fotos schöner machen

Bild von Snapseed auf dem Schreibtisch.

Ich mache gerne Fotos. Bloß nicht allzu gut. Damit sie am Ende trotzdem akzeptabel aussehen, lasse ich mir seit kurzem von meiner neuen Lieblingsapp unter die Arme greifen. Nö, nicht Instagram. Snapseed heißt die bereits seit Anfang 2012 erhältliche App aus dem Hause Nik Software. Für mobile Geräte gibt es sie im Playstore und bei iTunes kostenlos. Eine Snapseed-Desktop-Version kann man für 16 Euro erstehen.

Was genau macht Snapseed? Mit der App poliert man in wenigen Schritten seine Fotos auf Hochglanz (oder macht sie dreckig, je nachdem). Dafür kann man wie bei Instagram eine Vielzahl von Effekten über die Bilder legen. Oder man spielt am Kontrast, der Helligkeit, Sättigung oder den Farbwerten herum, schärft die Bilder, verleiht ihnen mehr Struktur, schneidet sie zu und und und.

Und weil das, was dabei herauskommt, bei mir häufig besser aussieht als das, was ich mit Photoshop zustande bringe, kommt nun eben Snapseed zum Einsatz – auf dem iPad, weil ich die Fotos dann gleich mobil zum Zeigen im Gepäck habe oder sie auch unterwegs bearbeiten kann. Dabei hilft mir ein SD-Card-Adapter: Karte rein, Bilder aufs Pad laden, Bilder bearbeiten, Bilder gegebenenfalls per Mail verschicken oder direkt auf Tumblr veröffentlichen, fertig.

Ein Istanbul-Bild vor und nach der Bearbeitung mit Snapseed.

Kann ich nur jedem empfehlen. Auch als Alternative zu Instagram.

Share Button

re:publica 2013: Panels, Workshops, Cat Memes

Yay, dieses Jahr schaffe ich es zum ersten Mal auf die re:publica. Endlich. Mit der Freude geht aber auch Ernüchterung einher: Natürlich werde ich nicht alle Panels besuchen können, die mich interessieren. Also muss der Terminkalender vorab radikal zusammengekürzt werden. Hier folgt nun eine Vorauswahl an Vorträgen und Workshops, die ich versuchen werde mitzunehmen. Gleichzeitig könnt ihr der Liste Möglichkeiten für ein Treffen entnehmen: Wer auf der re:publica mal ein paar Worte mit mir wechseln möchte, kann sich gerne melden.

Media

Culture

Research & Education

Society & Politics

Sience & Technology

Business & Innovation

Share Button

“Mark, wie sieht dein Arbeitstag als freier Journalist aus?”

Marks Arbeitsplatz

Eine Frage, die mir im vergangenen ersten Jahr meiner Selbständigkeit als freier Journalist ziemlich häufig gestellt worden ist. Von Freunden. Von Menschen, die ich neu kennengelernt habe. Ab und an sogar von Schülern und Studenten per Mail, die einen Eindruck vom Freiberuflerdasein gewinnen wollten.

In der Regel reagiere ich auf diese Frage recht knapp, weil ja vermutlich jeder Freelancer-Alltag anders aussehen wird. Ich antworte, dass ich von Zuhause aus arbeite, Termine vereinbare, raus gehe, zurückkomme und dann meine Stücke schreibe. Das wiederum ist, gebe ich zu, eine reichlich unzufriedenstellende, weil viel zu unspezifische Antwort. Und sie kommt von einem, der mit “Mediatopia” an einem E-Book arbeitet, das den Arbeitsalltag von Journalisten möglichst praxisnah abbilden soll.

Das geht so natürlich nicht. Deshalb folgt jetzt eine ausführlichere, persönliche Antwort, auf die ich in Zukunft verweisen kann:

ca. 8 Uhr: Aufwachen, aber nicht aufstehen. Meist checke ich noch im Bett auf dem iPad Mails, Facebook-Mitteilungen und den Twitter-Stream – und lese Nachrichten. Im ersten Tab öffnet sich Spiegel Online, dann kommen Zeit Online, Dradio.de und SZ.de dran. Was ich mir bei der Tagesspiegel-Redaktion abgeguckt habe: Auf Newstral lassen sich die wichtigsten Meldungen aller wichtigen deutschen Medien auf einen Blick überfliegen. Häufig prüfe ich dann noch, was auf Slate, Mashable, Boing Boing und Nerdcore steht, um über den neuesten Internet-Talk Bescheid zu wissen. Dabei gebe ich Acht, nicht bei YouTube-Videos oder witzigen Tumblr-Blogs hängen zu bleiben. Klappt mal. Mal nicht.

ca. 9 Uhr: Mit dem Frühstück vor den Rechner. Ich weiß, schrecklich ungesund, aber. Weiter Nachrichten lesen. Mails beantworten. In meinem Notizbuch nachlesen, was den Tag über gemacht werden muss. Im besten Fall steht da: Viele Rechnungen schreiben! Nein, stimmt nicht, im besten Fall steht da: Viele Rechnungen schreiben und noch mehr “Game of Thrones” gucken! Viel häufiger stehen da aber so Dinge wie: Anfrage an x schicken. Mit y Rücksprache halten. Artikel z endlich abgeben! Und dann muss Artikel z auch endlich abgegeben werden, sonst gibt Medium a nie wieder einen bei mir in Auftrag.

ca. 10.30 Uhr: Die Redaktionen haben sich einen Überblick darüber verschafft, was bei ihnen den Tag, die Woche oder den Monat prägt – und klingeln durch oder schicken Mails mit potentiellen Aufträgen. Je nachdem, wie viel ich zu tun habe, sende ich euphorische “Jaaa, mach ich!”-Nachrichten zurück oder verschicke demütige “Es tut mir schrecklich leid, aber ich schaff’s nicht, aber nächstes Mal bitte wieder an mich denken, ja?”-Mails. Meist ist mein Zeitmanagement aber ziemlich gut, deshalb heißt es in der Regel: Her damit!

ca. 11 Uhr: Laufende Artikelaufträge bearbeiten und in die neuen Themen einlesen. Via Google und Twitter Experten ausmachen und Interviewtermine mit ihnen vereinbaren. Fragebögen zusammenstellen. Batterien des Aufnahmegeräts checken. Noch mal durch die Haare wuscheln.

ca. 13 Uhr: Raus gehen, Termine wahrnehmen, Interviews führen.

ca. 16 Uhr: Mit viel Material zurück an den Schreibtisch kommen. Die Interviews transkribieren. Dabei immer wieder die Nachrichtenlage auf bereits erwähnten Seiten im Blick behalten (und was im Produktionstagebuch zur dritten Staffel von “Girls” vor sich geht). Zwischendurch rufen auch immer mal wieder Pressemenschen an, die Themen unterbringen wollen. Mit meinen Lieblingen halte ich auch mal einen Plausch, generell verweise ich aber an meine Presse-Mail-Adresse. Das ist nichts Persönliches, ich lese Pressemitteilungen einfach nur lieber in Ruhe, wenn ich auch wirklich Zeit dafür habe. Die fertigen Texte gehen per Mail an die Auftraggeber raus.

ca. 18.30 Uhr: Zeit für eine große Pause. Mein Lieblingsmädchen und ich kochen. Manchmal war ich vormittags dafür einkaufen. Vormittags, wenn es im Edeka um die Ecke besinnlich ruhig ist. Wenn die Regale voll und die Schlangen nichtexistent sind. Hach, die Vorzüge des Freiberuflerdaseins.

ab ca. 20 Uhr: Feierabend? Naja. Eher Zeit, um noch mal mit Abstand über Artikel zu lesen. Mich um Projekte zu kümmern, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt gegeben werden dürfen (uiuiui!). Zeit, um Bücher für die Recherche zu lesen, Filme oder Spiele für Kritiken einzulegen. Zeit, um Pressemitteilungen zu lesen (und nach guter Musik für monatliche Playlists zu durchforsten). Oder aber auch Zeit, Blogbeiträge wie diesen zu schreiben. Und danach erschöpft, aber auch glücklich und zufrieden ins Bett zu fallen.

Share Button

Plattendrehen im April 2013 mit: Sandra Kolstad, Daughter, Wild Nothing u. a.

Gute Musik im April. Mit: Sandra Kolstad, Houses, Wild Nothing, The Lumineers, Daughter, Claire und Two Hours Traffic. Die gesamte Playlist gibt’s hier auf YouTube.

Share Button

Die Manifestation des Kapitalismus’ in unseren Leben ist der Wettkampfgeist

Wettkämpfe warten überall. Auf eBay, fünf Sekunden vor Angebotsende. In der ersten Reihe, zehn Minuten vor Konzertbeginn. Am Poolareal des Gran Hotel Atlantis, fünf Stunden vor Sonnenaufgang. Und das sind noch die zu verkraftenden Wettkämpfe unseres Lebens. Schlimmer ist: das Wetteifern um Jobs, um Wohnungen, Frauen, Männer, Aufmerksamkeit. All das ist so absurd beschwerlich, eigentlich sollte man sich nicht noch mehr Herausforderung und Druck im Leben antun. Sollte. Man. Eigentlich. Nicht.

Trotzdem habe ich mich für den 22. Sommernachtslauf in Berlin angemeldet, weil ein Kumpel mich herausgefordert hat. Trotzdem habe ich gestern ein bescheuertes “Ich stopfe mir Essen in die Schnauze”-Bild auf Facebook zum Profilbild gemacht, weil mein Lieblinsgmädchen wettete, ich würde nicht. Trotzdem schreibe ich jetzt “Uff!”, weil eine Arbeitskollegin witzelte, ich würde niemals “Uff!” (ha, schon zwei Mal!) in meinem Blog schreiben. Trotzdem zappe ich sogar zu “The Voice Kids” rein, wo Teenies um eine vermeintlich goldene Zukunft als Popstar streiten.

Schluss mit Wettkämpfen und ihrer Eventisierung. Schluss mit Selbstbehauptung. Schluss mit Castingshows, Sportevents, Poetry Slams, “Aushalten”, Kanzlerduellen, Pitches, Polls, Votings. Es reicht. Ich gucke noch mal “The Hunger Games” mit Jennifer “Pfannkuchengesicht” (Zitat: Enrico S.) Lawrence, eine der brutalsten Kritiken auf den Wettstreit, und dann ziehe ich mich aus all dem raus. Mindestens drei Monate lang. Schaffe ich – wetten?

Share Button

Istanbul für Anfänger
oder: Charmant-einlullend ist anders

istanbul

„Everyone is looking for something else in Istanbul“, sagt Selim. Vor uns hätten zum Beispiel zwei Italiener bei ihm gewohnt, die ausschließlich zum Lesen in die Stadt gekommen seien. „They’ve stayed in their room for two days”, erzählt unser Gastgeber und lacht. Und dann guckt er mein Lieblingsmädchen und mich prüfend an, als wolle er jetzt unsere Beweggründe für die Reise an den Bosporus erfahren.

Wir sind definitiv nicht von Tegel nach Atatürk geflogen, um dann eine Woche lang in Selims hübscher, aber unspektakulärer Wohnung zu hocken. Nein, wir sind als Forscher nach Istanbul gekommen. Wir sind gekommen, um die geschichtsträchtige Metropole zu entdecken, von der allgemeinhin geschwärmt wird. Wir wollen uns von ihrem Charme einlullen lassen.

Doch was wir finden, ist wenig charmant-einlullend. Chaotischer Verkehr selbst in den engsten Gassen und überwältigende Menschenmassen reiben an unseren Nerven. Unsere ersten Expeditionen von Selims Wohnung in Şişli Richtung Taksim-Platz in Beyoğlu, über die Galata-Brücke nach Eminönü zur Blauen Moschee und Hagia Sophia – sie sind kräftezehrend. Klar, wir haben damit gerechnet, dass es in der bevölkerungsmäßig viertgrößten Stadt der Welt hektischer zugehen würde als in unserem beschaulichen Berlin. Und klar, wir sind jung und sollten das Chaos locker wegstecken. Trotzdem: Wir lernen Istanbul nicht als hübsch kennen, die Stadt stresst uns.

Am dritten Tag wird das anders – zum Teil. Am dritten Tag nehmen uns Ali und seine Bekannte Sara unter ihre Fittiche. Die beiden Iraner sind Zugezogene, nur kurzfristig in Istanbul, aber lang genug, um sich heimisch zu fühlen. „Let’s just talk and walk“, schlagen sie vor. Mit einem Walk-and-Talk lasse sich Istanbul unverkrampft kennenlernen. Und so ziehen wir mittags gemeinsam zum Fischmarkt und essen bei leichtem Regen frischen Seebarsch. Wir mampfen uns durch zig Sorten Baklavar. Wir erkunden den Großen Basar. Wir gehen gemeinsam in die Moschee. Wir entspannen vor der Hagia Sophia. Wir trinken Tee. Essen Eis. Diskutieren viel. Über Religion, Politik, Schmuck, Filme. Über Allah und die Welt. Der Tag des Walk-and-Talk wird zum wichtigsten unserer siebentägigen Istanbul-Reise. Weil er uns locker macht, weil wir nicht mehr mit Istanbul kämpfen, sondern uns zum ersten Mal durch die Stadt treiben lassen.

Danach sind wir offener für den Charme der Stadt. Wir erleben einen wunderschönen Abend am Ufer des Bosporus und ruhige Momente im asiatischen Viertel. Wir werden nicht warm mit Istanbul, es gelingt der Metropole nicht, uns einzulullen. Aber wir genießen sie. Dank Ali und Sara womöglich sogar mehr, als es die lesenden Italiener in Selims Gästezimmer konnten.

Share Button