24. Mai 20181 Kommentar

So setzen sieben deutsche Publisher Facebook-Gruppen ein

Facebook modelt seinen Newsfeed um, und Publisher müssen darauf reagieren, damit ihre Inhalte weiterhin beim Publikum ankommen. Eine häufig empfohlene Strategie – unter anderem von Martin Giesler in einem seiner Social-Media-Briefings im Januar – lautet: Baut Facebook-Gruppen auf und aus!

Aber welcher Nutzen lässt sich aus dem Auf- und Ausbau von Gruppen tatsächlich ziehen? Können starke Gruppen mögliche Traffic-Einbrüche von Seiten ausgleichen? Oder taugen die Communitys nicht viel eher dazu, Protagonist*innen und Themen zu identifizieren?

Ich habe bei ein paar Kolleg*innen nachgefragt, die sich schon länger mit dem Thema beschäftigen, wie sie Gruppen nutzen und was sie bisher gelernt haben. Folgende sechs, alphabetisch nach Medium sortierten Erfahrungsberichte sind bei mir eingetrudelt – ein siebtes Statement hänge ich selbst für ze.tt an, wo ich als Head of Development und stellv. Redaktionsleiter tätig bin.

BILD – Andreas Rickmann

Wir testen Gruppen auf Facebook bereits seit längerer Zeit mit jeweils unterschiedlichen Zielen: Unter anderem wollen wir Input von unseren Nutzern erhalten, engere Verbindungen zu ihnen knüpfen und Feedback abholen. Wir schauen uns auch an, welche Reichweiten unsere Inhalte dort im Vergleich zu Pages erzielen, wie wir Leute auf unser Portal holen und dort zu zahlenden Abonnenten machen können.

Generell sehen wir in Gruppen gute Wachstums- und Interaktionsraten. Thematisch sind wir vor allem in spitzen Zielgruppen unterwegs (Beispiele: Formel 1, WM), haben aber auch ergänzend zu Podcasts Gruppen eingerichtet (Beispiel: Unser Tech Freak Podcast). Nach unseren ersten Erfahrungen sind Gruppen auch eine gute Möglichkeit für Reporter, sich thematische Communities aufzubauen.

CORRECTIV – Jonathan Sachse

Bei CORRECTIV experimentieren wir seit einiger Zeit mit Gruppen auf Facebook. Wir sehen darin eine große Chance, innerhalb des Facebook-Universums die Qualität von Diskussionen zu erhöhen. Es gibt bei uns zwei unterschiedliche Arten von Gruppen.

Zum einen die Gruppen, bei denen wir zu einer Recherche ins Gespräch kommen. Damit haben wir schon vor zwei Jahren mit einer Pflege-Gruppe begonnen, der sich mehr als 1.500 Leute angeschlossen haben. In der Gruppe „Alte Apotheke“ kommen wir zum Apotheker-Pansch-Skandal mit mittlerweile fast 1.000 Leuten ins Gespräch. Bei unserer Bürgerrecherche zum Wohnungsmarkt in Hamburg tauschen sich mehr als 600 Leute in einer FB-Gruppe aus. Das Gute bei solchen Gruppen, die einen Bezug zur Recherche haben: Wir lernen uns gegenseitig kennen und schaffen Vertrauen. Interessierte lernen uns als Reporter kennen. Wir begegnet uns auf Augenhöhe. In manchen Fällen ist die Gruppe somit eine Basis für einen weiteren Austausch, der im besten Fall offline fortgesetzt wird.

Ganz neu ist die Gruppe „CORRECTIV Kaffee Club“. Wir haben vor kurzem einen Buch, Café- und Eventladen in Essen eröffnet und bauen drumherum eine Community auf. Wer dort Mitglied wird, verpasst nichts und erhält immer wieder besondere Angebote. Wir sammeln dort Ideen für Themen, die wir im „Kaffe-Club“ diskutieren wollen.

Huffington Post Deutschland – Jan David Sutthoff

Wir haben aktuell vier Facebook-Gruppen, manche davon schon etwas älter, manche noch sehr jung. Zwei widmen sich Eltern – einer Community, die bei uns sehr stark ist. In der dritten geht es um Europa. Und die vierte stellt „gute“ Nachrichten in den Mittelpunkt.

Einige Gruppenmitglieder diskutieren gerne – und das dann auch auf einem wirklich angemessenen Niveau. Andere treten einfach bei, weil sie sich mit dem Gruppennamen identifizieren, etwa: „I would change my passport into a European one“. Ein bisschen wie bei studiVZ früher.

Ohne Engagement von unserer Seite wachsen die Gruppen nur wenig. Das wollen wir ändern, indem wir die Gruppen in dazu passenden Artikeln oder Newslettern bewerben. Idealerweise finden wir auch unter den Mitgliedern Leute, die Lust haben, Moderator für eine Gruppe zu sein und Unterhaltungen anzustoßen.

Grundsätzlich sind wir überzeugt vom Konzept der Facebook-Gruppen. Wir finden den Gedanken super, Menschen zusammenzubringen, die ein gemeinsames Interesse an einem bestimmten Thema haben. Damit helfen wir ihnen und stärken gleichzeitig unsere Marke.

Krautreporter – Rico Grimm

Die ersten thematisch eingegrenzten Facebook-Gruppen haben wir schon vor vier Jahren gegründet, um Orte zu schaffen, an denen wir mit unseren Mitgliedern gemeinsam an Texten arbeiten zu können. So hatten wir beispielsweise mit einer Gruppe von 15 Mitgliedern dokumentiert, wie viele Menschen Erdogan nach dem Putschversuch verhaften oder entlassen ließ.

Nun, auch nach den Änderungen im Facebook-Newsfeed, haben wir diese Gruppen ergänzt durch eine große offenere Variante mit mehr als 5000 Mitgliedern. In dieser Gruppe weisen wir auf neue Texte hin – aber Reichweite lässt sich mit ihr kaum erzeugen. Dafür ist sie umso besser geeignet für den schnellen Austausch über Themenideen und neue KR-Features. Grob über den Daumen gepeilt, stammt jede vierte oder fünfte Artikelidee aus Diskussionen in dieser Gruppe.

Mit Vergnügen – Matze Hielscher

Wir von Mit Vergnügen schauen immer, wie wir mit unseren Leser und Leserinnen enger zusammen rücken können. Neben einem WhatsApp Club, vielen kleinen Events (GNTM Schauen, Super Mario im Büro zocken) haben wir auch ein paar Facebook-Gruppen.

Interessant ist, dass die interaktivste Gruppe die von unserem Podcast "Klatsch & Tratsch" ist. Dort tratschen jeden Tag die "Klatsch & Tratsch Ultras" über den neusten Gossip und es macht wahnsinnig Spaß, dies zu verfolgen. Man muss sich nicht schlecht fühlen, wenn man sich für den aktuellen Beziehungsstatus von Bonnie Strange interessiert. Die Hosts Max und Elena bekommen hier viele Tipps, hin und wieder auch mal exklusivsten Material, da sich auch ein paar Prominente in der Gruppe befinden. Das landet natürlich im Podcast. So baut sich eine lustige unbd lebendige Community auf, die sich auch untereinander gut versteht. Next step: eine Kreuzfahrt.

piqd – Frederik Fischer

Wir haben mit "piqd: mind the gap" überwiegend gute Erfahrungen gemacht. In kurzer Zeit wuchs die Gruppe auf über 1.300 Mitglieder. Die Diskussionen sind beeindruckend konstruktiv. Es hat sich schnell ein "harter Kern" an heavy Usern gefunden. Insbesondere ein User, hat von selbst den Hut des "Community Managers" aufgesetzt. Wir haben ihn nun als piqer übernommen und überführen so besonders relevante Diskussionen aus der Gruppe zu piqd.

Die Gruppe wächst ohne Zutun kaum. Unsere Wachstumsstrategie: Wir bewerben die Gruppe einmal in der Woche im Newsletter. Das führt jeweils zu ca. 80 neuen Nutzern. Der Traffic spielt für uns keine Rolle. Zum Glück – da kommt kaum etwas bei rum.

Und zum Schluss: ze.tt

Zurzeit betreiben wir bei ze.tt drei Facebook-Gruppen: eine mit schöner Unterhaltung für zwischendurch, eine zu Beziehungsfragen – und die Gruppe "Feminismus – mit ze.tt". Die möchte ich herausstellen, weil sie am besten funktioniert.

Circa 500 Mitglieder diskutieren hier täglich über Inhalte, die sie bei uns oder im Netz gefunden haben. Unser Moderationsaufwand hält sich in Grenzen, da sich die Gruppe weitestgehend um sich selbst kümmert: Nachdem männliche Nutzer antifeministische Kommentare gepostet hatten und klar war, dass sie nicht an einer vernünftigen Diskussion interessiert waren, stieg die Gruppe mit uns in eine Diskussion über die Gruppenregeln ein. Im Dialog klärten wir ab, die Netiquette konsequenter durchzusetzen.

Seitdem wird der Zutritt zur Gruppe von uns genehmigt, die User*innen machen uns auf Verstöße gegen die Netiquette aufmerksam, Kommentare löschen wir unter Bezugnahme auf die Regeln und mit dem Einverständnis der Mitglieder. Eine Kreuzfahrt wird's wie bei Mit Vergnügen erst mal nicht geben; aber wir wollen uns künftig wie etwa Krautreporter verstärkt darum bemühen, Themeninput aus der Community zu gewinnen.

28. Februar 2018Keine Kommentare

So kreativ lassen sich Karussell-Posts auf Instagram nutzen

Wenn Journalist*innen über Instagram sprechen, dann geht es dabei zurzeit meist um Stories. Wie viele Slides sollte eine Storie maximal umfassen, damit die User*innen dabei bleiben? Sollten Stories eine Geschichte auserzählen oder an einem bestimmten Punkt auf einen Artikel verweisen? Welche Erzählformen eignen sich am besten für das Format? Und so weiter.

Alles wichtige Fragen, wenn man sich mit dem Thema Instagram beschäftigt, klar. Aber lasst uns kurz einen Schritt zurück machen. Zurück zum Feed. Ich finde: Wir haben das kreative Potenzial des Feeds journalistisch noch nicht ausgereizt, den Karussell-Post haben wir geradezu sträflich vernachlässigt. Dabei ist er ziemlich toll.

Was ist ein Karussell-Post?

Karussell-Posts (oder Slideshows) umfassen bis zu zehn Bilder. Die Posts können an beliebiger Stelle auch Videos von maximal 60 Sekunden Länge beinhalten. Mobil navigiert man per Wisch durch das Format hindurch. Das Schöne daran: Es entsteht der Eindruck, dass alle Bilder miteinander verbunden sind. Am Desktop verliert das Format ein wenig seinen Reiz: Dort klickt man sich wie durch eine klassische Fotostrecke von Bild zu Bild.

Wo sind Karussell-Posts im Einsatz?

Im Marketing-Kontext taucht das Format verhältnismäßig häufig auf. Modelabels nutzen Karussell-Posts, um Kollektionen gebündelt vorzustellen; Autohersteller präsentieren auf diese Weise neue Modelle; Tourismus-Unternehmen machen Destinationen schmackhaft, die sie ansteuern. Beispiele von H&M und Mercedes:

Ein Beitrag geteilt von H&M (@hm) am

Warum ist das Format für Journalist*innen interessant?

Karussell-Posts eignen sich meiner Meinung nach perfekt, um Geschichten zu erzählen. Der Vorteil gegenüber Stories besteht darin, dass Karussell-Posts über 24 Stunden hinaus verfügbar sind und auch in Artikel eingebettet werden können. Wir könnten Listicles, Tutorials, Erklärer, Mini-Magazine oder clevere Artikelteaser in Karussell-Posts aufbereiten. Wie das aussehen könnte, haben bereits ein paar kluge Menschen vorgemacht. Ein paar Beispiele:

Statt seinen Feed mit drölftausend Urlaubsfotos zu befüllen, gestaltete Johannes Klingebiel ein kleines Fotoalbum samt Annotationen aus dem Material eines New-York-Trips.

Christoph Rauscher experimentiert schon länger mit dem Format. Er erzählte damit bereits kleine Geschichten ...

... und teaserte Arbeiten an.

Für den monothematischen Dossier-Account zur Landshut-Entführung nutzten wir bei Springer den Karussell-Post, um einzelne Protagonist*innen der Geschichte multimedial vorzustellen.

Bei Bild gaben wir auf diese Weise Infografiken ein neues Antlitz:

Ein Beitrag geteilt von bild (@bild) am

Was nervt an dem Format?

Problematisch ist, dass wir den Erfolg eines Karussell-Posts nur oberflächlich analysieren können. Anders als bei Stories spucken die Instagram-Statistiken keine Info darüber aus, bis zu welchem Slide die Zielgruppe gewischt hat. Auch beim Embed des Formats gibt es immer wieder Darstellungsfehler, vor allem bei mehreren Posts hintereinander (was mich auch hier in WordPress dazu bewogen hat, auf Embeds zu verzichten und die Posts als Bilder einzubauen).

Hier gibt's ein Gratis-Template

Wenn ihr gleich loslegen wollt, euch mit Karussell-Posts auszutoben, könnt ihr hier kostenlos und lizenzfrei ein sehr simples Photoshop-Template (circa 9,2 MB) herunterladen, das ich für diesen Versuchspost gebastelt habe. Ich freue mich, wenn ihr mich im fertigen Post vertaggt oder mir einen Link schickt.

Zeigt euren Nutzer*innen mit Karussell-Posts, dass ihr Instagram verstanden habt und auch im Feed zu kreativen Höchstleistungen fähig seid! Leute wie ich werden euch dafür mögen.

Ihr kennt weitere kreative Beispiele für tolle Karussell-Posts? Schreibt sie in die Kommentare!

31. März 20169 Comments

A Beginners Guide To Podcasts

Seit ein paar Monaten begleiten mich Podcasts zur Arbeit und zurück, manchmal wiegen sie mich in den Schlaf. Und ich finde immer mehr tolle Serien und Folgen, an denen ich hängen bleibe. Um meine Erkundungsreise durch die schöne neue Podcast-Welt zu ordnen und euch womöglich anzufixen, folgt hier eine kleine Sammlung von Casts und Texten, die ich als besonders hörens- und lesenswert erachte.

Wer weitere Empfehlungen in petto hat, kann sie muss sie mir unbedingt an diese Mail-Adresse oder diesen Twitter-Account senden. Herzlichsten Dank im Voraus.

1. Kuratoren

+ Wer nicht nur Podcasts entdecken, sondern auch Details über die Branche erfahren möchte, landet unweigerlich bei Nicholas Quah. Früher hat der US-Journalist für Business Insider und Buzzfeed geschrieben, jetzt widmet er sich fast ausschließlich den Audio-Formaten. Sein wöchentlichter Newsletter Hot Pod ist ein Essential, wie die coolen Kids heute wohl sagen würden. Wer sein Mail-Postfach am liebsten klinisch rein mag, findet den Newsletter auch als Kolumne beim Nieman Lab.

+ Keinen Bock auf das Branchen-Blabla des Quah? Dann rasch ein Newsletter-Abo von Adolescence is a marketing tool zulegen! Darin rattert die Journalistin Sara Weber in angenehmem Plauderton Hörempfehlungen runter. Auch wöchentlich, auch auf Englisch.

+ Seit die Kriminalstory Serial Podcasts näher an den Mainstream gerückt hat, beschäftigen sich Medien zunehmend mit dem Thema: Redakteure bei Spiegel Online haben unter anderem feine Empfehlungen zusammengetragen, ebenso Mit VergnügenKleinerdrei und Buzzfeed USA.

2. Plattformen

+ Man kann Kuratoren vertrauen – oder geht selbst auf Entdeckungstour. An iTunes kommt man dabei nicht vorbei, hier gibt's immer noch die meisten Podcasts und aktuellen Folgen.

+ Aber auch Spotify füllt die recht junge "Shows"-Sektion eifrig mit Video- und Audio-Beiträgen. Weil ich mein kostenpflichtiges Abo bei dem Streaming-Dienst ordentlich schröpfen möchte, höre ich hier am meisten.

+ Schick gemacht ist auch Acast, quasi das Spotify für Podcasts, und kostenlos ist es auch noch. Vornehmlich gibt's hier die gängigen englischsprachigen Stücke zu hören. Da Acast aus Schweden kommt, finden sich in den Archiven auch viele schwedische Folgen. Bestimmt spannend für die, die's verstehen können.

+ Ja, Soundcloud ist auch eine Fundgrube für Podcast-User. Checke ich aber nur selten, passt nicht in mein Mediennutzungsverhalten. Aber immerhin lassen sich die Casts über Soundcloud am besten einbetten.

+ Noch mit überschaubarer, aber spannender Auswahl kommt Viertausendhertz daher. Die Macher bezeichnen das Angebot als "Label für AutorInnenpodcasts" (bei Vocer findet ihr mein Interview mit Christian Grasse, einem der Gründer). Besonders hörenswert: In "Nur ein Versuch" zeichnet Hendrik Efert nach dem Aufstehen seine Erinnerung an Träume auf und verpackt sie in experimentelle Klangtagebücher (hier geht's zu Folge eins). Und damit wären wir auch schon konkret bei ...

3. Podcast-Empfehlungen

+ Reddit ist eine Fundgrube voller wunderbarer Netzgeschichten. Das weiß die Reddit-Crew am besten und widmet den beachtenswertesten Geschichten den Podcast Upvoted – beziehungsweise ist hier das Präteritum angebracht, seit einem halben Jahr gibt's keine neuen Folgen mehr, schnüff. Die alten sind aber sehr hörenswert.

+ Sampler kuratiert Podcasts, zeigt Ausschnitte, kommentiert, ist megagut. Gerade für den Einstieg. Herrlich vor allem diese Folge über einen Typen, der einen Disneyland-Podcast aufzog:

+ Lore ist besonders eindrucksvoll, wenn man den Podcast nachts hört. Immerhin analysiert Aaron Mahnke darin unsere Ängste und steigt urbanen Horrorlegenden nach. Das Credo: "Sometimes the truth is more frightening than fiction." Uaahhh.

+ Ich habe früher schon Hörspiele geliebt und ich liebe sie jetzt auch noch (bei ze.tt habe ich ein paar spannende Erwachsenen-Hörspiele zusammengestellt). Eher verkopfte, sperrige, zum Grübeln anregende Stücke sammelt der Podcast SWR2 Hörspiel.

+ Ich bin vor vier Jahren nach Berlin gezogen, um ein eigenes Ding aufzubauen – seit ich an diesem Ding nicht mehr baue, bin ich weitestgehend aus der Startup-Szene raus; Startup von Alex Blumberg und Lisa Chow höre ich trotzdem gerne. Womöglich kann ich das dort Gelernte ja noch mal anwenden.

+ Der BBC-Podcast The English We Speak klärt über Slang-Formulierungen und Floskeln auf. Kann man zwar nie anwenden, ist aber trotzdem unterhaltsam.

+ Um mich am Ende mit einer elenden deutschen Floskel unbeliebt zu machen: An Lena Dunham scheiden sich die Geister. Zwar regt mich ihr Charakter Hanna in der fünften Staffel von "Girls" immens auf, von der Schauspielerin, Autorin und seit einer Weile auch Newsletter-Initiatorin (spannende Insights zum Lennyletter gibt's hier) habe ich aber noch nicht genug. Deshalb höre ich ihr sehr gerne zu, wenn sie in der abgeschlossenen Miniserie Women Of The Hour mit unterschiedlichen Frauen spricht.

Und nun: Vergnügliches Hören!

10. Januar 2016Keine Kommentare

Fünf Tage in Israel

Ende 2015 reisten 180 junge Menschen auf Einladung der israelischen Botschaft nach Israel: Zum 50-jährigen Bestehen deutsch-israelischer Beziehungen sollten sie Land und Leute kennenlernen. Ich war mit dabei. Ein kurzer Reisebericht.

Disclaimer: Für die Teilnahme an der Reise habe ich Urlaub genommen; über Tweets, Instagram-Bilder und diesen Artikel hinaus habe ich nicht über sie berichtet. Dieser Beitrag dient gleichzeitig als Prüfungsleistung meines Studiums an der Hamburg Media School im Modul "Innovative Webtechnologien". Alle Fotos veröffentliche ich unter CC BY 2.0-Lizenz.

 

Die Einladung

 

Im Juni 2015 erreichte mich diese Nachricht:

"Sehr geehrter Herr Heywinkel, in der Anlage finden Sie eine persönliche Einladung S.E. des Botschafters des Staates Israel Herrn Hadas-Handelsman zu einer Reise für junge deutsche Führungskräfte nach Israel."

 

Aha, schon klar, dachte ich, und kloppte die Mail in den Spam-Ordner. Erst ein freundlicher Reminder ließ mich das Ganze noch mal genauer lesen. Die israelische Botschaft in Berlin lud tatsächlich 180 junge Leute aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien nach Israel ein. Für fünf Tage – zwei Nächte in Jerusalem, zwei Nächte in Tel Aviv. Die TeilnehmerInnen erwartete ein prall gefülltes Programm, auch Treffen mit Reuven Rivlin und Benjamin Netanjahu waren bereits angeleiert. Der Anlass: Das Bestehen diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel seit 50 Jahren.

Ich sei auf Empfehlung ausgewählt worden, ließ mich die Botschaft auf telefonische Rückfrage wissen. Vom 29. November bis 3. Dezember 2015 könne ich mich der Reisegruppe der so genannten "Young German Leaders" anschließen. Zwar fand ich mich in dieser Bezeichnung nicht wieder. Da aber keine Verpflichtung bestehen sollte, über die Reise zu berichten, und ich nach euphorischen Reiseberichten unter anderem von Eva Israel auch endlich einen Besuch abstatten wollte, nahm ich Urlaub – und sagte zu.

 

Die TeilnehmerInnen

 

Die 180 TeilnehmerInnen umfassende Reisegruppe wurde in drei Gruppen aufgeteilt: "Wirtschaft und Innovation", "Gesellschaft" und "Kultur". Ich tingelte in der 50 Personen umfassenden Kultur-Gruppe durch Theater, Museen und Kunsthochschulen. Die Gruppe bestand aus 24 Frauen und 26 Männer, der Großteil der TeilnehmerInnen wohnt in Berlin.

 

Unsere Stationen

 

Direkt nach Ankunft in Tel Aviv fuhren wir nach Jerusalem, um dort die ersten zwei Tage der Reise zu verbringen. Wir besuchten unter anderem die Sam-Spiegel-Filmhochschule, nahmen an einer Verkostungstour auf dem Markt Machne Yehuda teil und hörten mehrere Vorträge im Außenministerium.

Mein Highlight in Jerusalem war der Spaziergang durch die Altstadt samt kurzem Besuch der Klagemauer. Die letzten Schritte bis zur geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeit habe ich im 360-Grad-Video festgehalten.

klagemauer

In Tel Aviv stiegen wir im Hotel Herods mit Meerblick ab. Während unseres Aufenthalts statteten wir zwei Theatern im sonnigen Jaffa einen Besuch ab und stürzten uns bei einer Bartour ins Nachtleben. Zwischendurch blieb auch noch ein bisschen Zeit, bei klarem Himmel, aber mit Jacke und Schal entlang der Mittelmeerküste zu schlendern. Die folgende Karte zeigt sämtliche unserer Stationen mit kurzen Infos, was wir wann wo erlebt haben.

 

Ein Fazit

Obwohl wir fünf Tage in Israel unterwegs waren, mussten wir durch das sehr dichte Programm weitestgehend durchhetzen. Oft blieb kaum Zeit, sich bei den einzelnen Stationen intensiv mit unseren Gastgebern auszutauschen. Um dieses widersprüchliche Land zu verstehen, hat der kurze Besuch also nicht ausgereicht. Aber der kurze Einblick in das Leben in Israel hat mich angefixt, ich muss unbedingt noch mal hin.

3. Oktober 20151 Kommentar

Auf einer Skala von „noch nie“ bis „ganz Deutschland“: Mit wie vielen Leuten hattest du schon Sex?

Da stehen wir: Programmierer Hannes Rohde (Deutschen Welle), meine Wenigkeit sowie meine Kommilitoninnen Judith Bader (ProSieben) und Hannah Suppa (Hannoversche Allgemeine Zeitung) - und sind überglücklich. Denn wir haben den scoopcamp-Hackathon gewonnen – mit dieser Idee.

Noch vor wenigen Minuten haben wir auf der Bühne des scoopcamp 2015 in einem fünfminütigen Elevator-Pitch das Konzept präsentiert, das wir anderthalb Tage lang im Kurs "Multimediales Arbeiten" an der Hamburg Media School entwickelt haben.

Entlang der Design-Thinking-Methode sind wir auf die Straße gegangen und haben mit Millennials gesprochen, um herauszubekommen, mit welchem neuen Medienangebot man sie begeistern könnte.

Unsere Beobachtung: Der Großteil derer, mit denen wir gesprochen haben, interessieren sich fürs tagesaktuelle Geschehen - Nachrichtenmedien nutzen sie trotzdem selten bis gar nicht. Die Gründe: Zum Beispiel wollen sie ihren knappen Smartphone-Speicher nicht mit Nachrichtenapps überlasten; und in der Flut von Angeboten wüssten sie auch gar nicht, für welches Medium sie sich entscheiden sollten. Unsere Erkenntnis: Es ist nicht der Journalismus, zwingend in neue Formen gepresst werden muss. Das Marketing für Medienangebote scheint nicht zu wirken. Unsere Lösung: "News it!".

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Bei "News it!" handelt es sich um eine für mobile Endgeräte optimierte Seite, die den Nutzer mit Gamification-Elementen spielerisch Medienangebote entdecken lässt. Dafür müssen die Nutzer zunächst an einem Glücksrad drehen, das zufällig über das Ressort entscheidet, aus dem sie später mehrere Artikelvorschläge erhalten.

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Im Anschluss folgen drei zufällige Fragen, die auf den ersten Blick abgedreht wirken. Der Nutzer verrät uns durch seine Antworten allerdings wie in einem Psychotest, welche Artikelart am ehesten zu ihm passen könnte.

Nach den Fragen landen die "News it!"-Spieler in einem Tinder für News: Es werden ihnen drei Artikelvorschläge unterbreitet, die sie entweder wegswipen oder lesen können. Die Artikel sind markant mit der jeweiligen Medienmarke gebrandet, damit sie in Erinnerung bleibt. Wer "News it!" von vorne beginnt, bekommt neue Fragen zugespielt, die sich zunehmend am Geschmack des Spielers orientieren.

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Die Idee steht, jetzt würden wir sie auch gerne umsetzen. Wer dafür mit uns zusammenarbeiten möchte - sehr gern. Einfach per Mail melden.

27. Juni 20153 Comments

Als würde das Elternhaus abgerissen: Ein Nachruf aufs uMag

Im März 2006 entdeckte ich ein mir unbekanntes Magazin am Kiosk. Es versprach Kulturjournalismus aus einer jungen Perspektive, stellte Newcomer aus Film und Musik vor, war clean gestaltet.

Das uMag (damals noch U_mag) verkörperte und proklamierte Aufbruch und Anderssein, die Melange aus Pop, Gesellschaft und Lifestyle fand ich fantastisch. Das Heft war nicht elitär, sondern offen für alle und alles. Es ließ Harry Rowohlt neben Patrick Wolf auftreten, feierte Tilman Rammstedt und wütete gegen Hannah Herzsprung. Es gab Gesellschaftsthemen zum Altern, über Pornos und Beziehungen. Hach. Im nächsten Monat kaufte ich mir das Heft wieder. Und wieder. Und wieder. Und irgendwann beschloss ich: Für die willst du mal schreiben.

Das uMag wurde später unheimlich wichtig für mich. Während meines Studiums habe ich ein sechsmonatiges Praktikum bei der Redaktion in Hamburg-Ottensen absolviert, nach dem Abschluss wurde ich dort Volontär. Das waren zwei aufregende und prägende Jahre, womöglich die bisher prägendsten. Beim uMag habe ich das Selbstbewusstsein für die Selbständigkeit gesammelt und den Mut, Dinge auszuprobieren. Und nicht zuletzt habe ich ganz wunderbare Menschen kennengelernt und bei Konzerten, Lesungen, Festivals, Filmen, Essen, Weihnachtsfeiern, Ausflügen und und und eine grandiose Zeit mit ihnen gehabt. So schön war das, dass ich mit einigen von ihnen Les Flâneurs startete.

Als freier Autor habe ich dieses Jahr drei Titelgeschichten fürs uMag beigesteuert, zum letzten Mal. Denn: Vergangenen Donnerstag ist die finale Ausgabe des uMag erschienen. Das fühlt sich ein bisschen so an, als würde das Elternhaus abgerissen. Zwar bin ich schon lange ausgezogen und finde längst nicht alles gut, was in den vergangenen Jahren mit dem uMag passiert ist, aber das Aus dieser tollen Zeitschrift stimmt mich sehr, sehr traurig. Zeit für Wein. Zeit für sentimentales Blättern, durch tolle Artikel und viele schöne Erinnerungen.

11. September 20141 Kommentar

LocalWatch: Wie eine News-App für Smartwatches aussehen kann

Wie könnte eine Nachrichtenapp für Smartwatches aussehen? Ich habe mir mit einem spannenden Team in Hamburg Gedanken darüber gemacht.

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