5. Mai 2016 - 2 Kommentare

Wie ich Snapchat nutze. Und ihr so?

Lasst uns über unser Nutzungsverhalten sprechen.

Vor einem Jahr habe ich auf der Berliner Digitalkonferenz re:publica Snapchat für mich entdeckt. Zuvor hatte ich mir den Messenger zwar schon mehrfach heruntergeladen und ausprobiert, aber das elende Ding nie richtig verstanden. Erst die coolen Innenhof-Kids der #rp15 haben mir die App mit kunterbunten Selfies schmackhaft gemacht.

Auch andere JournalistInnen müssen diesem #rp15-Gruppenzwang erlegen sein, jedenfalls ploppten ab Mai 2015 immer mehr "Folgt mir auf Snapchat"-Aufforderungen in meinen Feeds auf. Eine Zeit lang brannte ich für die App, veranstaltete einen Mediensalon in Hamburg zum Thema Snapchat und legte auf Vocer die "Journalisten auf Snapchat"-Liste an, die übrigens bis heute aktualisiert wird.

Doch der Flow ebbte irgendwann ab und nun, ein Jahr nach meinem Snapchat-Einstieg, fühlt es sich so an, als hätte sich meine Nutzung irgendwo zwischen "Yay" und "Nay" soweit eingespielt, als dass ich sie zusammenfassen könnte. Fünf Nutzungserfahrungen möchte ich hier mit euch teilen - als Anstoß, um mit euch ins Gespräch über euer Nutzungsverhalten zu kommen. Im Gegensatz zu Facebook, Twitter und Instagram weiß ich darüber noch zu wenig. Vielleicht verirren sich ja sogar ein paar Nicht-Medienmenschen hierher und teilen ihre Erfahrungen, das wäre famos und spannend.

1. Ich habe noch nie gesextet (außer dieses eine Mal aus Spaß)

Auch wenn das Titelbild des Artikels, das ich hier in größtmöglicher Prüderie zensiere, den Anschein macht: Nichts liegt mir ferner als Sexting. Ohnehin benutze ich Snapchat kaum als Messenger, ich verschicke selten Nachrichten und finde die App als Kommunikationskanal ganz furchtbar. Der gute Leander brachte das treffend auf den Punkt:

2. Snapchat gehört zum Einschlafprogramm dazu

Stattdessen fügt sich Snapchat zwischen abendlicher TV-Berieselung und Einschlaf-Podcast als weitere Möglichkeit zum Runterkommen in mein Leben ein. Vor 22 Uhr bin ich so gut wie nie auf Snapchat, vorher habe ich entweder im Job zu viel um die Ohren, kein schnelles Netz oder bin irgendwo, wo ich nicht mal eben ohne Kopfhörer Snaps durchswipen kann. Das Bett ist meine Snapchat-Komfortzone.

3. Ich schaue mir vor allem Snaps von Leuten an, die ich kenne

Die neue Binge-Watching-Funktion, bei der nahtlos in die Snapstory des nächsten Users übergeleitet wird, finde ich ziemlich doof. Wenn ich abends im Bett rumlümmele, fühlt es sich irgendwie merkwürdig und creepy an, in die Leben fremder Menschen zu stieren. Lieber schaue ich erst mal bei denen vorbei, die ich auch im Real Life kenne und getrost beobachten kann; das ist ein bisschen so, als würden sie mir von ihrem Tag erzählen. Erst wenn ich die Snapstorys von Freunden und Bekannten durch habe und immer noch nicht müde bin, schaue ich bei anderen vorbei.

4. Wenn jemand kreativ ist, bleibe ich dabei

Wenn ich nicht ich wäre, würde ich mir meine Snaps niemals ansehen. In den meisten stehe ich einfach nur doof vor der Kamera, erzähle Stuss oder schieße nicht allzu gute Fotos von irgendetwas, das mir im Alltag begegnet. Öde hoch drölf. Was ich abseits von Freundes-Snaps gerne sehe sind Fotos, in die jemand reingezeichnet hat (wie Marie Meimberg), Videos, die mit passender Musik unterleget sind (wie ab und an bei Duygu Gezen) oder Snaps von Menschen, die gerade in der Welt rumtingeln und mich an fremde Orte mitnehmen. Diese Snaps müssen nicht durch einen roten Faden verbunden sein (siehe nächster Punkt), sondern müssen kurzweilig sein und knallen. Snapchat ist für mich ein Eskapismus-Tool, deshalb interessieren mich journalistische Inhalte auch nicht besonders. Ich gucke Bild, bento, Verge und Co. aus beruflichem Interesse, privat will ich über Snapchat aber nicht informiert werden. Ganz nach rechts und damit zu Discover swipe ich in der App selten, höchstens am Wochenende mal, um mich vor der Hausarbeit zu drücken.

5. Aber: Geschichten nerven mich

Auf der #rpTEN und Philipp Steuers #happysnapping-Event predigten ein paar ReferentInnen: Erzählt Geschichten! Mit Anfang und Ende, am besten noch mit Heldenreise, sowas würden die Leute mögen. Offenbar bin ich nicht die Leute. Eine Weile habe ich mit Begeisterung verfolgt, was Richard Gutjahr so erlebt oder was Eva treibt - aber im vergangenen Jahr bin ich auf Snapchat zum Eichhörnchen mutiert: Ich skippe und swipe und springe durch die Snaps in Sekundenschnelle. Inzwischen stelle ich auf stur, wenn mir jemand was erklären will. Evas Snaps gucke ich gerne, aber in Ruhe auf Youtube.

tl;dr: Was mich auf Snapchat interessiert, ist der schnelle Einblick in die Leben von Freunden, ohne roten Faden und fancy Konzept, aber schön bunt und wild. Und euch so?

Veröffentlicht von: Mark in Arbeit & Projekte

Kommentare

Jennifer
6. Mai 2016 um 12:13

Auch ich mag die Alltagsgeschichten, aber eben nur von guten Bekannten. Liebeskummer galore oder ähnlich ist aber auch to much. Gerne schau ich @immernochjazz beim Wandern durch Bonn und ihrer aktuelle Liebe für Maibäume zu, aber ebenso gern mag ich auch die sehr unaufgeregte Bilder von @raimund-v voller Lichtspiele. Persönliche Erzählungen von Liebeskummer ist nicht so meins und zu sehr Geschichten erzählen, dafür ist es mir das falsche Medien.

    Mark
    6. Mai 2016 um 12:32

    Vielen Dank für die Empfehlungen, Jennifer. Das mit dem Liebeskummer finde ich spannend: Guckst du’s nicht, weil es dir zu intim ist? Oder funktioniert schlechte Laune respektive Melancholie auf Snapchat nicht?

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