31. März 2016 - 9 Kommentare

A Beginners Guide To Podcasts

Seit ein paar Monaten begleiten mich Podcasts zur Arbeit und zurück, manchmal wiegen sie mich in den Schlaf. Und ich finde immer mehr tolle Serien und Folgen, an denen ich hängen bleibe. Um meine Erkundungsreise durch die schöne neue Podcast-Welt zu ordnen und euch womöglich anzufixen, folgt hier eine kleine Sammlung von Casts und Texten, die ich als besonders hörens- und lesenswert erachte.

Wer weitere Empfehlungen in petto hat, kann sie muss sie mir unbedingt an diese Mail-Adresse oder diesen Twitter-Account senden. Herzlichsten Dank im Voraus.

1. Kuratoren

+ Wer nicht nur Podcasts entdecken, sondern auch Details über die Branche erfahren möchte, landet unweigerlich bei Nicholas Quah. Früher hat der US-Journalist für Business Insider und Buzzfeed geschrieben, jetzt widmet er sich fast ausschließlich den Audio-Formaten. Sein wöchentlichter Newsletter Hot Pod ist ein Essential, wie die coolen Kids heute wohl sagen würden. Wer sein Mail-Postfach am liebsten klinisch rein mag, findet den Newsletter auch als Kolumne beim Nieman Lab.

+ Keinen Bock auf das Branchen-Blabla des Quah? Dann rasch ein Newsletter-Abo von Adolescence is a marketing tool zulegen! Darin rattert die Journalistin Sara Weber in angenehmem Plauderton Hörempfehlungen runter. Auch wöchentlich, auch auf Englisch.

+ Seit die Kriminalstory Serial Podcasts näher an den Mainstream gerückt hat, beschäftigen sich Medien zunehmend mit dem Thema: Redakteure bei Spiegel Online haben unter anderem feine Empfehlungen zusammengetragen, ebenso Mit VergnügenKleinerdrei und Buzzfeed USA.

2. Plattformen

+ Man kann Kuratoren vertrauen – oder geht selbst auf Entdeckungstour. An iTunes kommt man dabei nicht vorbei, hier gibt's immer noch die meisten Podcasts und aktuellen Folgen.

+ Aber auch Spotify füllt die recht junge "Shows"-Sektion eifrig mit Video- und Audio-Beiträgen. Weil ich mein kostenpflichtiges Abo bei dem Streaming-Dienst ordentlich schröpfen möchte, höre ich hier am meisten.

+ Schick gemacht ist auch Acast, quasi das Spotify für Podcasts, und kostenlos ist es auch noch. Vornehmlich gibt's hier die gängigen englischsprachigen Stücke zu hören. Da Acast aus Schweden kommt, finden sich in den Archiven auch viele schwedische Folgen. Bestimmt spannend für die, die's verstehen können.

+ Ja, Soundcloud ist auch eine Fundgrube für Podcast-User. Checke ich aber nur selten, passt nicht in mein Mediennutzungsverhalten. Aber immerhin lassen sich die Casts über Soundcloud am besten einbetten.

+ Noch mit überschaubarer, aber spannender Auswahl kommt Viertausendhertz daher. Die Macher bezeichnen das Angebot als "Label für AutorInnenpodcasts" (bei Vocer findet ihr mein Interview mit Christian Grasse, einem der Gründer). Besonders hörenswert: In "Nur ein Versuch" zeichnet Hendrik Efert nach dem Aufstehen seine Erinnerung an Träume auf und verpackt sie in experimentelle Klangtagebücher (hier geht's zu Folge eins). Und damit wären wir auch schon konkret bei ...

3. Podcast-Empfehlungen

+ Reddit ist eine Fundgrube voller wunderbarer Netzgeschichten. Das weiß die Reddit-Crew am besten und widmet den beachtenswertesten Geschichten den Podcast Upvoted – beziehungsweise ist hier das Präteritum angebracht, seit einem halben Jahr gibt's keine neuen Folgen mehr, schnüff. Die alten sind aber sehr hörenswert.

+ Sampler kuratiert Podcasts, zeigt Ausschnitte, kommentiert, ist megagut. Gerade für den Einstieg. Herrlich vor allem diese Folge über einen Typen, der einen Disneyland-Podcast aufzog:

+ Lore ist besonders eindrucksvoll, wenn man den Podcast nachts hört. Immerhin analysiert Aaron Mahnke darin unsere Ängste und steigt urbanen Horrorlegenden nach. Das Credo: "Sometimes the truth is more frightening than fiction." Uaahhh.

+ Ich habe früher schon Hörspiele geliebt und ich liebe sie jetzt auch noch (bei ze.tt habe ich ein paar spannende Erwachsenen-Hörspiele zusammengestellt). Eher verkopfte, sperrige, zum Grübeln anregende Stücke sammelt der Podcast SWR2 Hörspiel.

+ Ich bin vor vier Jahren nach Berlin gezogen, um ein eigenes Ding aufzubauen – seit ich an diesem Ding nicht mehr baue, bin ich weitestgehend aus der Startup-Szene raus; Startup von Alex Blumberg und Lisa Chow höre ich trotzdem gerne. Womöglich kann ich das dort Gelernte ja noch mal anwenden.

+ Der BBC-Podcast The English We Speak klärt über Slang-Formulierungen und Floskeln auf. Kann man zwar nie anwenden, ist aber trotzdem unterhaltsam.

+ Um mich am Ende mit einer elenden deutschen Floskel unbeliebt zu machen: An Lena Dunham scheiden sich die Geister. Zwar regt mich ihr Charakter Hanna in der fünften Staffel von "Girls" immens auf, von der Schauspielerin, Autorin und seit einer Weile auch Newsletter-Initiatorin (spannende Insights zum Lennyletter gibt's hier) habe ich aber noch nicht genug. Deshalb höre ich ihr sehr gerne zu, wenn sie in der abgeschlossenen Miniserie Women Of The Hour mit unterschiedlichen Frauen spricht.

Und nun: Vergnügliches Hören!

Veröffentlicht von: Mark in Arbeit & Projekte

Kommentare

Mareike Kaa
1. April 2016 um 10:29

Für Freunde des Films würde ich auf jeden Fall die Projection Booth empfehlen, oder auch die Faculty of Horror.
Außerdem wurde CRE hier sträflich übersehen 😉

ingmar frauding
2. April 2016 um 02:19

Glückwunsch zur Verlinkung beim Bilblog/6vor9 🙂

Mir fehlen noch ein paar deutschsprachige Podcasts, da ich aus mir bisher unerklärlichen Gründen mit dem Stil der bisher probierten englischsprachigen Casts nicht klarkomme (was jetzt nicht am Sprachverständnis liegt, sondern wahrscheinlich an der thematischen Nähe, wenn man gerne etwas „politischer hören“ will).

Bei mir läuft regelmäßig „Logbuch Netzpolitik“, „Rechtsberatung“, „Damals TM“, „Technische Aufklärung“ und ab und zu der Jurapodcast.
Linus und Tim fassen mit ihrem Logbuch Netzpolitik seit 177 Folgen ziemlich regelmäßig zusammen, was das Internet grade platzen lässt (also: Vorratsdatenspeicherung, Netzneutralität, Datenschutz, Hacks, Snowdenfiles) und schaffen es auch fast immer, die Nerdbegriffe auch für Nichtnerds zu erklären.
Die Rechtsberatung befasst sich je Ausgabe mit dem „Das kommt darauf an…“ einer Auslegung einer bestimmten Rechtsangelegenheit (und man lacht allein deshalb, weil man 50% der Fallstricke nie kommen sehen würde). – Der Jurapodcast hingegen fasst aktuelle Urteile zusammen und hat u.a. einen Datenschutz-Schwerpunkt.
Wer gerne wissen will, wie es für andere Menschen „Damals“(TM) in der DDR war oder nie in der Zone gelebt hat, findet einen Podcast, der jeweils einen Themenbereich aus der DDR-Geschichte genauer beleuchtet. Von LPG bis Treuhand ist bereits allerhand Hörenswertes dabei.
Politisch gesehen noch der wichtigste Podcast für alle Netzmenschen: Technische Aufklärung – fasst nach jeder Sitzung des NSA-Untersuchungsausschusses zusammen, was dort passierte, welche Zeugen ungefähr was sagten und wie das in Verbindung steht, welche Aufreger und Anekdoten es gab. Falls man also keine Zeit für den Liveticker auf netzpolitik.org hat, ist der Podcast die schnelle Tageszusammenfassung, oft auch mit Interviews/Statements der Ausschussmitglieder.

Abschließend noch zwei Empfehlungen:
a) http://www.shownot.es – Kollaborativ gesammelte Sendungsnotizen zu Podcasts – hier kann man lesen, ob einem Casts inhaltlich zusagen (und sich die Finger wunklicken)
b) @neleheise sammelt deutschsprachige Podcasterinnen – das sind aus unerfindlichen Gründen vergleichsweise wenige, dank diesem Google-Sheet kann man sie finden: https://docs.google.com/spreadsheets/d/1GZSUxqcLiACs94UqeDDB6t07VtvodwGqt9rMaoKsB10/edit#gid=0

    Mark
    2. April 2016 um 09:42

    Spannende Empfehlungen, Ingmar, vielen Dank dafür! Ich schau mir den Logbuch-Podcast mal genauer an, klingt super.

Jörn
6. April 2016 um 10:28

Wer sich beim Podcasthören nicht ausschließlich auf den amerikanischen Markt verlassen möchte, der sollte einen Blick auf die Podcastsuchmaschine fyyd.de werfen. Die befindet sich noch in der Entwicklung, liefert aber schon sehr gute Ergebnisse und die Möglichkeit, sich einen persönlichen Podcastfeed zusammenzukuratieren in dem man Einzelepisoden zu bestimmten Themenbereichen sammeln kann. Der Macher hat unter hoersuppe.de zusätzlich eine Übersicht über viele (längst nicht alle) deutschen Podcasts angelegt.

derwaechter
11. April 2016 um 14:08

Danke für die Tipps.

Bei mir haben verschiedene Formate des Deutschlandfunk bzw. WDR die Spitzenplätze.

Besonders gut, weil jeden Tag, oft mit unerwarteten Themen und eigentlich immer lehrreich und unterhaltsam: Zeitzeichen http://www1.wdr.de/mediathek/audio/zeitzeichen/zeitzeichen274.html

Für längere, tiefere Beiträge aus Politik und Gesellschaft: Hintergrund http://www.deutschlandfunk.de/hintergrund.723.de.html Feature http://www.deutschlandfunk.de/podcast-feature.1383.de.podcast.xml oder Dossier http://www.deutschlandfunk.de/podcast-dossier.1171.de.podcast.xml

Und als sportinteressierter Hörer Sport aktuell http://www.deutschlandfunk.de/sport-aktuell.889.de.html Sport am Wochenende http://www.deutschlandfunk.de/sport-am-wochenende.1345.de.html und Sportgespräch http://www.deutschlandfunk.de/sportgespraech.891.de.html

Aber auch sonst hat der DLF unglaublich viele tolle Podcasts zu vielen verschiedenen Themen anzubieten. Seit man selbst bestimmen kann wann man welche Sendung hören möchte habe ich Qualitätsradio ganz neu für mich entdeckt.

Eva
18. April 2016 um 17:38

Mark, danke!
Dein Post hat mich an die Liste meiner Lieblingspodcasts erinnert, die seit einigen Monaten halbfertig in meinen Blogentwürfen schlummerte – jetzt habe ich sie endlich fertig gemacht, und vielleicht findest du da ja auch noch was: http://www.hurra-blog.de/podcast-empfehlungen/.
Einen Super-Tipp, der unbedingt noch in deinen Post sollte, hat mir Dennis Horn gegeben: Der Dienst Huffduffer sendet Sounddateien, die keine Podcasts sind, in deinen Podcatcher.

    Mark
    18. April 2016 um 17:46

    Schönes Tool, ja! Danke für den Hinweis, Eva.

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