27. Juni 2015 - 3 Kommentare

Als würde das Elternhaus abgerissen: Ein Nachruf aufs uMag

Die Juli-Ausgabe des uMag ist gleichsam die letzte. Ein Nachruf.

Mit Jana Pallaske fing alles an. Im März 2006 entdeckte ich sie auf dem Cover einer Zeitschrift. Schlauer Blick, volle Lippen, kurzes Haar: Ich war sofort verknallt. In einer Fotostrecke schäkerte sie an der Seite von Alexander Scheer mit der Kamera, der begleitende Text pries sie als kommenden Star des deutschen Films. Für 1,50 Euro nahm ich das Magazin mit nach Hause, doch für Jana Pallaske interessierte ich mich schon bald nicht mehr. Stattdessen begann ich für dieses Magazin zu schwärmen. Damals erschien es noch mit Hochglanzcover, war 100 Seiten schlank und firmierte als Magazin für "Popkultur und Gegenwart".

Das uMag (damals noch U_mag) verkörperte und proklamierte Aufbruch und Anderssein, die Melange aus Pop, Gesellschaft und Lifestyle war fantastisch. Das Heft war nicht elitär, sondern offen für alle und alles. Es ließ Harry Rowohlt neben Patrick Wolf auftreten, feierte Tilman Rammstedt und wütete gegen Hannah Herzsprung. Es gab Gesellschaftsthemen zum Altern, über Pornos und Beziehungen. Hach. Im nächsten Monat kaufte ich mir das Heft wieder. Und wieder. Und wieder. Und irgendwann beschloss ich: Für die willst du mal schreiben.

Das uMag wurde später unheimlich wichtig für mich. Während meines Studiums habe ich ein sechsmonatiges Praktikum bei der Redaktion in Hamburg-Ottensen absolviert, nach dem Abschluss wurde ich dort Volontär. Das waren zwei aufregende und prägende Jahre, womöglich die bisher prägendsten. Beim uMag habe ich das Selbstbewusstsein für die Selbständigkeit gesammelt und den Mut, Dinge auszuprobieren. Und nicht zuletzt habe ich ganz wunderbare Menschen kennengelernt und bei Konzerten, Lesungen, Festivals, Filmen, Essen, Weihnachtsfeiern, Ausflügen und und und eine grandiose Zeit mit ihnen gehabt. So schön war das, dass ich mit einigen von ihnen Les Flâneurs startete.

Als freier Autor habe ich dieses Jahr drei Titelgeschichten fürs uMag beigesteuert, zum letzten Mal. Denn: Vergangenen Donnerstag ist die finale Ausgabe des uMag erschienen. Das fühlt sich ein bisschen so an, als würde das Elternhaus abgerissen. Zwar bin ich schon lange ausgezogen und finde längst nicht alles gut, was in den vergangenen Jahren mit dem uMag passiert ist, aber das Aus dieser tollen Zeitschrift stimmt mich sehr, sehr traurig. Zeit für Wein. Zeit für sentimentales Blättern, durch tolle Artikel und viele schöne Erinnerungen.

Veröffentlicht von: Mark in Arbeit & Projekte

Kommentare

Kathrin
27. Juni 2015 um 17:02

Mark, da werd ich gleich mit sentimental! Das waren wirklich sehr kreative, lehrreiche Jahre mit tollen Menschen, die wir da hatten. Viel ausprobiert, spannende Texte geschrieben, die Sommer auf Festivals verbracht und die Nächte auf Konzerten. <3

    Mark
    28. Juni 2015 um 00:59

    Schön war das, ja. Vielleicht kommen ja mal wieder solche Zeiten.

Jule
11. Juli 2015 um 20:44

Mark, Kathrin, ich weine mit euch. Wie schön, dass wir uns in den Zeisehallen kennen lernen durften. Hach. Ja.

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