7. November 2014 - 4 Kommentare

Kritik im Dialog: „Interstellar“

Christopher Nolan hat mit "Memento", der "The Dark Knight"-Trilogie und "Inception" eine ganze Reihe famoser Filme gedreht. "Interstellar", urteilen einige Pressestimmen, sei das bislang ambitionierteste Projekt des US-Regisseurs. Aber lohnt es sich, Nolan auf seinen Sci-Fi-Trip zu folgen? Eine Kritik im Selbstgespräch.

Meine Güte, warst du scharf darauf, endlich "Interstellar" sehen zu können. Was hast du noch mal getönt: "Das wird bestimmt der allerbeste Film des Jahres!" Und jetzt machst du ein Gesicht wie ein kleiner Junge, der keine heiß ersehnte Xbox zu Weihnachten bekommen hat. War wohl doch nicht so gut, hm?

Ich bin enttäuscht, ja. Denn einmal klang die Prämisse des Films in meinen Ohren ziemlich gut: Wissenschaftler durchqueren ein Wurmloch, um eine zweite Heimat zu finden und klappern dabei eine Reihe von Planeten ab. Und dann haben Kritiker auch noch fleißig Vergleiche zu "2001: Odyssee im Weltraum" gezogen, einem der stilprägendsten Sci-Fi-Filme aller Zeiten. Wie kann man da keine hohen Erwartungen haben? Aber weder kann "Interstellar" mit der inhaltlichen Tiefe der häufig genannten Referenz "2001" mithalten noch mit dessen Bildgewalt.

Aber: Wurmlöcher! Fremde Wasser- und Eisplaneten! Anne Hathaway!

Seit wann stehst du denn auf Anne Hathaway? Und okay: Der Wasserplanet mit den gewaltigen Wellen hat mir wirklich sehr gut gefallen. Erst stehen Matthew McConaughey und Co. auf der Suche nach einer neuen Heimat in einem kniehohen Ozean, und im nächsten Moment rollt eine Kilometer große Welle auf sie zu.

Und als sie ihr erfolgreich entkommen sind und wieder an ihre Basis-Raumstation andocken, stellen sie fest, dass 23 Jahre in Erdenzeit vergangen sind. Das war doch schon alles ziemlich stark!

Ja, die Problematik der Zeit bei Raumreisen war ganz fein dargestellt - sofern man davon absehen kann, dass der ganze wissenschaftliche Sermon, den die Charaktere ablassen, vermutlich größtmöglicher Quatsch ist. Besonders Matt Damon musste in einer Nebenrolle furchtbar pseudo-philosophisches Gedusel über das Wesen des Menschen, Selbstlosigkeit und Feigheit von sich geben. Das hat dann auf die Länge von 169 Minuten auch irgendwann keinen Spaß mehr gemacht.

War denn wenigstens der (wieder einmal) von Hans Zimmer beigesteuerte Soundtrack gut?

Für "Interstellar" hat der Gute ordentlich Orgeln schrebbeln lassen. Das passte an einigen Stellen sehr gut.

Na immerhin. Und, gibt's schon einen neuen Sci-Fi-Film, dem du als nächstes entgegenfieberst?

"Ex Machina" von Alex Garland, Autor von "28 Days Later" und "Sunshine", sieht ziemlich prima aus. Aber, ach, Trailer darf man nicht trauen. Das weiß ich ja spätestens jetzt.


"Interstellar" (2014), Laufzeit: 169 Minuten, Regie: Christopher Nolan, Buch: Jonathan und Christopher Nolan, Darsteller: Matthew McConaughey, Anne Hathaway u. a. | Foto: Paramount Pictures

Veröffentlicht von: Mark in Film & Fernsehen

Kommentare

Daniela
28. November 2014 um 02:36

Hi Mark. Nur eine Frage: Hast Du den Film gesehen? Gruß von Daniela

    Mark
    28. November 2014 um 08:45

    Hi Daniela, ich lese zwischen den Zeilen, dass dich der Film also völlig überzeugt hat, richtig? Freut mich, ich war – wie geschrieben – etwas enttäuscht. Grüße, Mark

      Daniela
      21. Dezember 2014 um 02:23

      Hi Mark, Du hast meine Frage eigentlich nicht beantwortet, oder? 🙂 Zu Deiner Frage: Nein. Grüße von Daniela

        Mark
        28. Dezember 2014 um 17:12

        Hi Daniela, um deine Frage ganz eindeutig zu beantworten: Ja, klar, ich habe den Film gesehen! Sonst würde ich ihn nicht rezensieren. Viele Grüße, Mark

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