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Arbeit & Projekte

„Mark, wie sieht dein Arbeitstag als freier Journalist aus?“

Marks Arbeitsplatz

Wie sieht der Arbeitsalltag eines freien Journalisten aus? Diese Frage bekomme ich ziemlich häufig gestellt. Hier kommt die Antwort.

Eine Frage, die mir im vergangenen ersten Jahr meiner Selbständigkeit als freier Journalist ziemlich häufig gestellt worden ist. Von Freunden. Von Menschen, die ich neu kennengelernt habe. Ab und an sogar von Schülern und Studenten per Mail, die einen Eindruck vom Freiberuflerdasein gewinnen wollten.

In der Regel reagiere ich auf diese Frage recht knapp, weil ja vermutlich jeder Freelancer-Alltag anders aussehen wird. Ich antworte, dass ich von Zuhause aus arbeite, Termine vereinbare, raus gehe, zurückkomme und dann meine Stücke schreibe. Das wiederum ist, gebe ich zu, eine reichlich unzufriedenstellende, weil viel zu unspezifische Antwort. Und sie kommt von einem, der mit „Mediatopia“ an einem E-Book arbeitet, das den Arbeitsalltag von Journalisten möglichst praxisnah abbilden soll.

Das geht so natürlich nicht. Deshalb folgt jetzt eine ausführlichere, persönliche Antwort, auf die ich in Zukunft verweisen kann:

ca. 8 Uhr: Aufwachen, aber nicht aufstehen. Meist checke ich noch im Bett auf dem iPad Mails, Facebook-Mitteilungen und den Twitter-Stream – und lese Nachrichten. Im ersten Tab öffnet sich Spiegel Online, dann kommen Zeit Online, Dradio.de und SZ.de dran. Was ich mir bei der Tagesspiegel-Redaktion abgeguckt habe: Auf Newstral lassen sich die wichtigsten Meldungen aller wichtigen deutschen Medien auf einen Blick überfliegen. Häufig prüfe ich dann noch, was auf Slate, Mashable, Boing Boing und Nerdcore steht, um über den neuesten Internet-Talk Bescheid zu wissen. Dabei gebe ich Acht, nicht bei YouTube-Videos oder witzigen Tumblr-Blogs hängen zu bleiben. Klappt mal. Mal nicht.

ca. 9 Uhr: Mit dem Frühstück vor den Rechner. Ich weiß, schrecklich ungesund, aber. Weiter Nachrichten lesen. Mails beantworten. In meinem Notizbuch nachlesen, was den Tag über gemacht werden muss. Im besten Fall steht da: Viele Rechnungen schreiben! Nein, stimmt nicht, im besten Fall steht da: Viele Rechnungen schreiben und noch mehr „Game of Thrones“ gucken! Viel häufiger stehen da aber so Dinge wie: Anfrage an x schicken. Mit y Rücksprache halten. Artikel z endlich abgeben! Und dann muss Artikel z auch endlich abgegeben werden, sonst gibt Medium a nie wieder einen bei mir in Auftrag.

ca. 10.30 Uhr: Die Redaktionen haben sich einen Überblick darüber verschafft, was bei ihnen den Tag, die Woche oder den Monat prägt – und klingeln durch oder schicken Mails mit potentiellen Aufträgen. Je nachdem, wie viel ich zu tun habe, sende ich euphorische „Jaaa, mach ich!“-Nachrichten zurück oder verschicke demütige „Es tut mir schrecklich leid, aber ich schaff’s nicht, aber nächstes Mal bitte wieder an mich denken, ja?“-Mails. Meist ist mein Zeitmanagement aber ziemlich gut, deshalb heißt es in der Regel: Her damit!

ca. 11 Uhr: Laufende Artikelaufträge bearbeiten und in die neuen Themen einlesen. Via Google und Twitter Experten ausmachen und Interviewtermine mit ihnen vereinbaren. Fragebögen zusammenstellen. Batterien des Aufnahmegeräts checken. Noch mal durch die Haare wuscheln.

ca. 13 Uhr: Raus gehen, Termine wahrnehmen, Interviews führen.

ca. 16 Uhr: Mit viel Material zurück an den Schreibtisch kommen. Die Interviews transkribieren. Dabei immer wieder die Nachrichtenlage auf bereits erwähnten Seiten im Blick behalten (und was im Produktionstagebuch zur dritten Staffel von „Girls“ vor sich geht). Zwischendurch rufen auch immer mal wieder Pressemenschen an, die Themen unterbringen wollen. Mit meinen Lieblingen halte ich auch mal einen Plausch, generell verweise ich aber an meine Presse-Mail-Adresse. Das ist nichts Persönliches, ich lese Pressemitteilungen einfach nur lieber in Ruhe, wenn ich auch wirklich Zeit dafür habe. Die fertigen Texte gehen per Mail an die Auftraggeber raus.

ca. 18.30 Uhr: Zeit für eine große Pause. Mein Lieblingsmädchen und ich kochen. Manchmal war ich vormittags dafür einkaufen. Vormittags, wenn es im Edeka um die Ecke besinnlich ruhig ist. Wenn die Regale voll und die Schlangen nichtexistent sind. Hach, die Vorzüge des Freiberuflerdaseins.

ab ca. 20 Uhr: Feierabend? Naja. Eher Zeit, um noch mal mit Abstand über Artikel zu lesen. Mich um Projekte zu kümmern, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt gegeben werden dürfen (uiuiui!). Zeit, um Bücher für die Recherche zu lesen, Filme oder Spiele für Kritiken einzulegen. Zeit, um Pressemitteilungen zu lesen (und nach guter Musik für monatliche Playlists zu durchforsten). Oder aber auch Zeit, Blogbeiträge wie diesen zu schreiben. Und danach erschöpft, aber auch glücklich und zufrieden ins Bett zu fallen.

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2 Kommentare
  • […] aus. Das fordert besonders viel Selbstdisziplin, um konzentriert arbeiten zu können. Sein Trick: ein geregelter Tagesablauf. Wir haben für euch sieben weitere Tipps gesammelt, wie Ihr es schafft, trotz viel Arbeit […]

  • Mirko Apr 25,2013 at 08:27

    Hey Mark,

    …und wo ist der Ausgleich? Sport, Hobbys und die persönliche Entfaltung? Wird das dann alles ins Wochenende geschoben oder gleich in den Urlaub? Wann geht es mal weg von der Arbeit und rein ins Privatleben? Bei dem Stundenplan endest Du doch mit 30 in der Burn-Out-Falle 😉

    Und das schreibe ich nicht, weil ich einen Zeitmanagement-Blog betreibe. Eher weil wir Kollegen im Geiste sind und ich auch online für verschiedenste Magazine und Agenturen geschrieben habe, allerdings in den Ressorts IT, ITK und CE. Und ich mich in Deinem Text sehr stark wieder finde – zuzüglich diverser Nachtredaktionen als Pille für Schlafstörungen. Inzwischen hetze ich von einer Therapie zur nächsten und versuche, das Leben als solches wieder in den Griff zu bekommen.

    Also sei gewarnt! 🙂 Am besten rundest Du das Paket noch ab, indem Du immer 150 Prozent Deiner Leistung gibst, um Auftraggeber zu halten. Und in Deinen Stücken penibel auf die Perfektion achten – das bringt Dich auch ein Stückchen näher an Deine Grenzen.

    In diesem Sinne beste Grüße,
    Mirko

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