31. Januar 2013 - 1 Kommentar.

Weiterstadtnetz goes Print oder: Momentaufnahmen eines flüchtigen Kennenlernens

9. November 2012. Als ich im Berliner Maritim-Hotel ankomme, ist Julian Heck schon da. Er ist am Vortag angereist, hat die Nacht in einem der feinen Zimmer verbracht und sich bei ein paar Pannels bereits an die Atmosphäre des Publisher's Summit gewöhnt. Das schützt ihn jedoch nicht vor der Aufregung, die uns nun beide packt, gut eine Stunde vor unseren Vorträgen in dem riesigen Saal des Hotels. Wir schütteln uns die Hände, beide im Anzug, beide angespannt und womöglich beide froh darüber, die Nervosität mit jemandem teilen zu können.

Die Stunde vergeht schnell, wir fragen uns nur kurz übereinander aus, bald werden wir auch schon auf die Bühne moderiert. Während ich darüber spreche, warum Journalisten mehr Spaß am Internet haben sollten, berichtet Julian in seinem Vortrag über Weiterstadtnetz. Eine spannende Sache: ein hyperlokales Blog, über das Julian seinen 25.000-Seelen-Heimatort mit News versorgt. In einer Randnotiz erwähnt er, Weiterstadtnetz bald auch zum Print-Produkt diversifizieren zu wollen. Leider habe ich nach den Vorträgen kaum mehr Zeit, ihn danach auszufragen. Kaum von der Bühne, trennen sich unsere Wege schnell wieder.

Wiedersehen im Netz

Zeitsprung. Seit ein paar Tagen gibt es mit Krautreporter die erste deutsche Crowdfunding-Plattform für Journalismus im Netz. Und als eines der ersten Projekte mit dabei ist - Weiterstadtnetz von Julian Heck. 1.500 Euro möchte Julian über die Plattform von Spendern sammeln, um das während seines Vortrags erwähnte Magazin-Projekt zu realisieren. Ich schreibe Julian bei Facebook an, um jetzt endlich mit ihm darüber zu sprechen. Denn nach den vielen Interviews mit Sebastian Esser über Krautreporter möchte ich wissen, mit welchen Strategien die Projektmacher Geld einsammeln wollen. Wie man eine Crowdfunding-Kampagne am besten startet und bewirbt, damit die gewünschte Summe zusammenkommt, das ist noch immer ein Rätsel.

Julian antwortet prompt: "Ich habe keine Planung Tag für Tag, bis auf eine Sache: Ich habe auf weiterstadtnetz.de eine "Anzeige" von mir, wo steht, der wie vielte von wie vielen Tagen der Laufzeit gerade ist, mit einem Argument, das Projekt zu unterstützen - jeden Tag ein neues. Diese Grafik wird auch über die sozialen Netzwerke gepostet und kommt als Update auf die Seite auf Krautreporter." Regelmäßiges Erinnern seines Netzwerks, das ist also Julians Strategie.

Bleibt das Problem, dass Weiterstadtnetz ein lokales Projekt ist, das womöglich den Großteil der aus ganz Deutschland stammenden potentiellen Spender auf Krautreporter nicht so sehr interessiert. Ich frage Julian, ob er sich als lokales Projekt auf der Plattform im Nachteil sieht. Seine Antwort: "Über diesen Nachteil habe ich lange gegrübelt und überlegt, ob es überhaupt sinnvoll ist, mitzumachen. Andere (auch "Experten" auf dem Gebiet) haben mich dazu ermutigt. Sicherlich ist das Lokale auch ein Vorteil, da es eben für diese kleine Zielgruppe doch sehr greifbar ist. Aber alles in allem hat ein Projekt wie "Kopf oder Zahl" deutlich größere Chancen, da es zum einen bekannter ist und zum anderen schlichtweg mehr Leuten einen Nutzen bringt. Aber ich erhoffe mir, dass auch interessierte am Thema hyperlokale Blogs ihre Unterstützung zeigen, weil sie die Idee gut finden und aus den Ergebnissen vielleicht selbst profitieren und es in ihrer eigenen Stadt umsetzen können."

Crowdfunding: ein spannendes Thema mit vielen ungeklärten Fragen. Die beste Strategie ist immer noch, es einfach mal auszuprobieren. Und ich freue mich, durch die kurze Begegnung mit Julian Heck seinen Trial-and-Error-Versuch hautnah miterleben zu können.

Veröffentlicht von: Mark in Arbeit & Projekte

Kommentare

Gregor
31. Januar 2013 um 14:13

Eine gute Analyse, ich bin ebenfalls gespannt welches Projekt auf der Seite wie viel Anklang finden wird.

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