17. Dezember 2012 - Keine Kommentare!

Ein Hoch auf Peter Jackson! oder: Zeit für Details ist bei Tolkien Pflicht

Ständig höre ich jemanden kritisieren, dass Peter Jackson den "Hobbit" nicht in einem, sondern in drei Filmen nacherzählt. Kommerzkack sei das, Tolkiens Romanvorlage gäbe doch gar nicht genug Stoff her für drei Teile. Das ist doch Blödsinn! Wer Bilbos unerwartete Reise adäquat verfilmen möchte, braucht unbedingt drei Filme, ja: drei Filme mit Überlänge!

Bilbos erste Begegnung mit Gandalf und den Zwergen. Der Kampf gegen die drei Trolle. Der Besuch bei Elrond in Bruchtal. Die gefährliche Reise durch das Nebelgebirge. Bilbos Begegnung mit Gollum. Die Flucht vor den Orks. Die Rettung durch die Adler. Die Rast bei Beorn. Die Gefangennahme durch die Riesenspinnen im Dunkelwald. Die Begegnung mit den Menschen. Der Kampf gegen Smaug. Und schließlich die Schlacht der fünf Heere, für die sich Zwerge, Elben und Menschen verbünden. Um all diese Geschichten zu erzählen, braucht man Zeit - vor allem, wenn man sie so detailliert nacherzählen möchte wie Tolkien-Fan Peter Jackson. Statt dem Regisseur vorzuwerfen, den "Hobbit" in zwei Filmen zu viel auszubreiten, sollte man ihm vorwerfen, den "Herrn der Ringe" in mindestens zwei Filme zu wenig gepresst zu haben. Was er da alles auslassen musste - so schade drum!

Nein, "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise" fühlt sich nicht an, als habe Peter Jackson ihn unnötig gestreckt. Hätte er diesen ersten Teil kürzer gemacht, das bildgewaltige Abenteuer wäre eine gehetzte Qual geworden. Nicht auszudenken, wie Bilbos Geschichte in nur einem Streifen ausgesehen hätte. In den 169 Spielminuten hat Jackson auch genug Zeit, an mehreren Stellen den Bogen zum "Herrn der Ringe" zu spannen, was mir sehr gefallen hat. Und er hat darüber hinaus die Zeit, mit dem Ork Azog oder dem Zauberer Radagast Charaktere auftauchen zu lassen, die in Tolkiens Werk eher am Rande erwähnt werden. Auf diese Weise verfälscht Jackson zwar die Originalgeschichte ein bisschen, verdeutlicht dadurch aber auch die Tiefe des Tolkien-Kosmos'.

Der erste Teil vom "Hobbit" ist witzig und pathetisch und aufregend und nerdig, er ist, so wie er ist, genau richtig. Peter Jackson ist kein Vorwurf zu machen. Außerdem ist er nicht der erste, der Tolkiens Prolog zum "Herrn der Ringe" in drei Teilen verarbeitet: Charles Diron und David Wenzel haben das Fantasy-Abenteuer 1990 als dreiteiligen Comic veröffentlicht. Nicht, weil sie mehr Bände verkaufen wollten, sondern weil sie sich Zeit nehmen wollten für Details. Zu recht.

[lightgrey_box]"Der Hobbit - Eine unerwartete Reise" (2012), Laufzeit: 169 Minuten, Regie: Peter Jackson, Buch: Fran Walsh, Philippa Boyens u. a., Darsteller: Ian McKellen, Martin Freeman, Richard Armitage u. a.[/lightgrey_box]

Veröffentlicht von: Mark in Film & Fernsehen

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