8. Dezember 2012 - 1 Kommentar.

Rache, Rache, Rache oder: Erwartungen an „Star Trek: Into Darkness“

Benedict Cumberbatch ist ein toller Schauspieler. Für die BBC mimte er 2004 sehr eindrucksvoll Stephen Hawking. Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes leiht er seit 2010 sein ausdrucksstarkes Gesicht. Und bald wird er in J. J. Abrams zweitem "Star Trek"-Film zu sehen sein. Als Bösewicht, großartig! Jedoch: als Bösewicht, der Rache nimmt. Da läuten bei mir die Alarmglocken. Ich fürchte, dass das öde werden könnte. Nicht wegen Cumberbatch, sondern wegen Regisseur J. J. Abrams. Rache und Abrams - das hat bisher nie so richtig funktioniert.

Beispiel eins: In "Mission: Impossible 3" (Trailer) setzt Tom Cruise als Ethan Hunt den Schwarzmarkt-Dealer Philip Seymour Hoffman als Owen Davian fest. Der trachtet anschließend nicht nur Hunt, sondern auch dessen Frau nach dem Leben. Er will sie beide fertig machen. Leiden sehen.  Aber warum eigentlich? Weil Hunt ihm die "Hasenpfote" abgenommen hat. Doch was das Ding genau ist, das verrät J. J. Abrams in seinem Film nicht, und so fehlt Philip Seymour Hoffmans Rolle die Glaubwürdigkeit. Voll doof.

Beispiel zwei: In "Star Trek" (2009) (Trailer) taucht wie aus dem Nichts Eric Bana als Nero auf, um den jungen Spock zu killen. Und nicht nur ihn: Nero will gleich alle Vulkanier dahinmetzeln. Macht er auch, Laserstrahl, zackbuff, alle tot. Aber sein Grund: Spocks zukünftiges Parallel-Universum-Ich wird Neros Heimatplaneten (vermeintlich) vernichten. Aha. Superdoof.

"Filmemacher bringen Rache-Storys, wenn ihnen sonst nichts mehr einfällt", sagte mein Lieblingsmädchen kürzlich. Sie seien Notlösungen und deshalb in der Regel doof. Ich sehe das anders. Ich unterstelle Filmemachern wie Abrams, dass sie die "Der Böse nimmt Rache"-Karte spielen, um ihren Antagonisten mehr Tiefe zu verleihen. "Das ungerächte Leid setzt den Verletzten in der sozialen Wertschätzung herab. Daher kam und kommt es vor, dass Personen zur Rache gedrängt werden, die von sich aus dazu nicht motiviert sind", ist bei Wikipedia zu lesen. Das bedeutet: Der Rächer will nicht grundsätzlich Böses. Entgegen einem durchgeknallten Superschurken weiß er, was er tut. In ihm herrscht ein Konflikt. Stoff für spannende Erzählungen.

Gut besetzt hat Abrams diese Rollen auch immer. Philip Seymour Hoffman, Eric Bana, jetzt Benedict Cumberbatch - alle gut. Aber der "Lost"-Macher nimmt sich nicht genug Zeit, um ihre Rollen auszuformulieren. Er nimmt sich nicht genug Zeit für den inneren Konflikt oder stellt ihn gar nicht da. Das ist schade. Ich hoffe, dieses Mal klappt's besser.

Veröffentlicht von: Mark in Film & Fernsehen

Kommentare

Gerald
9. Dezember 2012 um 04:42

Man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben – den ersten Teil fand ich trotz (imho) langweiligem Bösewicht und übertriebener Vulkan-Storyline immer noch ganz sehenswert und freue mich schon auf den neuen. Allerdings wäre mir viel lieber wenn sie endlich mal wieder ein oder zwei Serien auflegen würden. 😉

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