20. November 2012 - Keine Kommentare!

„Skyfall“ beschwört alte Werte herauf oder: James Bond albert wieder rum

Damals, als Connery und Moore James Bond verkörperten, da hatte der britische Agent einen männlichen M zum Chef. Im Vorzimmer saß Miss Moneypenny, die hemmungslos um 007 warb und es doch nie in Bonds Bett schaffte. Und im Labor des MI6 tüftelte ein weißhaariger Q an allerlei albernen Spielzeugen, die den Agenten im Auftrag ihrer Majestät unterstützen sollten. Sicher, all das war recht charmant, nach heutigen Maßstäben aber auch unglaublich bescheuert - aufwendig produzierter Pseudo-Thriller-Klamauk mit einem smarten wie furchtbar ineffizienten Agenten, der die Welt erst rettet, nachdem er jede halbwegs attraktive Frau flachgelegt hat. Nach "Stirb an einem anderen Tag" hatte sich einfach etwas an der Filmreihe ändern müssen.

Und Daniel Craigs Version von James Bond war die ideale Neuinterpretation: Der "Casino Royal"-Agent war durchtrainiert, aber nicht schön. Er stürzte sich auch in Liebesabenteuer, aber, zumindest hatte ich den Eindruck, weniger oberflächlich als frühere Versionen. Vor allem aber verlieh Craig seinem Bond eine Ernsthaftigkeit, die der Filmreihe unglaublich gut tat. Der neue Bond gab einen Dreck darauf, ob sein Martini geschüttelt oder gerührt wurde. Und auf Gadgets verzichtete er ebenso. Er prügelte, schwitzte, verschliss für die Mission seinen Körper. Er war großartig.

"Skyfall" zerstört nun innerhalb von zwei Stunden all das, was die zwei vorigen Craig-Filme aufgebaut haben. Am Ende ist wieder alles auf Anfang gesetzt: M ist wieder ein Mann. Moneypenny sitzt flirtend im Vorzimmer. Und ein neuer Q (völlig einfallslos besetzt mit einem jungen IT-Spezialisten, der hyperintelligent krasse Hacks vollführen kann, allerdings so doof ist, den Feindesrechner mit dem MI6-Netzwerk zu verknüpfen) denkt sich neue Spielzeuge aus. Bond gelingt es auch wieder, mit nur wenigen Worten Frauen zu verführen, und am Ende gibt's viel Krachwumm, bei dem kaum jemandem was passiert. Da ist sie wieder, die Albernheit, der Schwachsinn, von dem "Casino Royal" sich bewusst abgesetzt hatte und über den "Skyfall" jetzt allen Ernstes behauptet: Alles Bullshit, der alte Bond muss wieder her. Was für ein harter Schlag in die Magengrube für jemanden, der den neuen, ernsthaften, kantigen Bad-Ass-Bond mochte. Echt.

[lightgrey_box]"Skyfall" (2012), Laufzeit: 132 Minuten, Regie: Sam Mendes, Buch: Neal Purvis, Robert Wade u. a., Darsteller: Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem u. a.[/lightgrey_box]

Veröffentlicht von: Mark in Film & Fernsehen

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