23. September 2012 - 1 Kommentar.

„Hat sie gerade ,See ya, pussy!‘ gesagt?“ oder: Ein Kurzurlaub in Budapest

Blick auf das Parlament in Budapest

Budapest begrüßt uns mit miesem Septemberwetter. Aber das ist okay, denn schon die paar Meter von der U-Bahn-Haltestelle in der Andrássy út bis zu unserer Bleibe in der Szív utca machen die dicken Regentropfen wieder wett: die breiten Gehwege, das warme Laternenlicht und zwischen prächtigen Bürgerhäusern und belebten Cafés auch immer wieder abgefuckte Fassaden, all das fixt uns an, wir bekommen jetzt erst recht Lust auf die Stadt, wir wollen Budapest alles weggucken, am besten sofort.

Zum Glück hält sich Peter, der Sohn unserer Gastgebers - ein blonder Teenie, gerade vom Sport gekommen - kurz mit seinen einleitenden Worten; in der Küche der Gästewohnung kritzelt er noch eilig hierogplyphenhafte Notizen auf eine Karte, die schon etliche Budapest-Besucher vor uns benutzt haben müssen.

Dann ziehen wir los. Durch die Nacht, durch den Regen. Zu Rossmann am Oktogon-Platz, um für 999 Forint (ca. 3,50 Euro) einen Schirm zu ergattern (und festzustellen, dass in den Drogerieregalen ausschließlich deutsche Produkte mit ungarischen Preisen stehen).Vorbei an der prachtvollen Staatsoper, Richtung Innenstadt, der Donauluft nach. Von der Pest-Seite aus blicken wir auf das hell erleuchtete Buda-Ufer, auf den Burgpalast und die Fischerbastei. Ein fantastischer Anblick. Doch um acht Uhr abends ist es bereits zu kalt, um dem Fluss weiter gen Margareteninsel nach Norden zu folgen; also fliehen wir in die windgeschützten Seitenstraße rund um das Parlament.

Am Mittwochabend ist es leer und ruhig in der Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt, und wir, so sehr wir auch entdecken wollen, sind von Flug und Kälte dann doch schwer erschöpft. Also lassen wir uns von elektronischem Pochen in das Kunstkino Toldi in der Bajcsy-Zsilinszky út locken, auf ein Absacker-Soproni. Im offenen Foyer legt ein DJ auf, Hipster und ältere Herren, die wie deren Dozenten aussehen, unterhalten sich angeregt, tippen auf Laptops herum, warten auf den Film. Wir entscheiden uns gegen das Mitgucken: alles auf Ungarisch, und davon verstehen wir kein Wort.

Fahrkarte für Hop-on-hop-of-Tour

Diese Sprache, sie ist während unseres viertägigen Aufenthalts nicht zu entschlüsseln. Am Donnerstagmorgen begegnen wir vor der Tür unserer Wohnung einer älteren Dame, die einer jüngeren "See ya, pussy!" nachruft, zumindest klingt es so. In Wirklichkeit ruft sie "Szia! Puszi!" also nicht "Bis dann, Fotze!", sondern "Tschüss! Küsschen!".

Nach einem kurzen Abstecher in einen Spar tätigen wir für 8.000 Forint (ca. 28 Euro) die sowohl spießigste als auch beste Investition des Urlaubs: Wir kaufen zwei Tickets für eine Sightseeing-Touritour plus Bonusheft. Damit liegt uns Budapest zu Füßen, am Donnerstag und Freitag erkunden wir mit dem Ticket (siehe Foto), das am Ende der Reise ebenso wie Peters Karte ein zerfledderter Lappen ist, die gesamte Stadt. Wir sehen die berühmten Bäder, den Zoo, die kleinen Gassen, die großen Radialstraßen, die Cafés (in einem davon trinken wir das kostenlose "Piccolo Beer" aus unserem Bonusheft), die Museen, die Große Markthalle ("Hier kann man alles kaufen", vor allem viel Touri-Krimskrams), die Freiheitsbrücke ("Da springen immer wieder Leute runter und behindern den Verkehr", ja, frech ist das) und den Gellért (einst von Hexen bevölkert, zumindest "belegen das Mythen und Legenden"). Die Donau befahren wir gleich zwei Mal mit dem Schiff. Dabei zeigt sich Budapest dann auch wieder im Sonnenschein, wunderschön.

Am Samstag fahren wir mit der U-Bahn und dem Bus zurück zum modernen Flughafen. Erledigt, aber glücklich. Und dabei fragen wir uns, ob wir in Budapest leben könnten. Ja, wir könnten - und vermutlich ist das das beste Gütesiegel, das man einer fremden Stadt aufdrücken kann.

Mark Heywinkel

Veröffentlicht von: Mark in Leben & Reisen

Kommentare

Matt
24. September 2012 um 19:08

Holla, mal langsam … „Pussy“ muss man mit dem durchaus zärtlich konnotierten „Muschi“ übersetzen, während die gröbere Variante auf Englisch herzhaft „cunt“ gerufen wird.

Aber egal: War ja eh alles auf Ungarisch.

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