23. August 2012 - 2 Kommentare

Zwischen Pomp und Poetik oder: Warum ich in Köln und Frankfurt nicht glücklich wurde

Als ich ichweißnichtwiejung war, nahmen meine Eltern mich mit nach Düsseldorf zur Boot. Ich erinnere mich noch, wie ich vor einer Luxusyacht stand und über dieses Schiff staunte, das da fernab vom Meer in einer Messehalle aufgebockt war - beeindruckend.

Seitdem habe ich in meinem Leben zwei weitere Messen besucht, die Frankfurter Buchmesse und in der vergangenen Woche die Gamescom in Köln. Eine Begeisterung wie damals hat sich allerdings bei keinem dieser Besuche eingestellt. Das liegt, vermute ich, daran, dass die Frankfurter Buchmesse und die Gamescom zwei Extreme darstellen, und mit keinem fühle ich mich hundertprozentig wohl. Die Frankfurter Buchmesse ist gediegen; ihr Publikum besteht, wenn ich es mal klischeehaft überspitzt einordnen darf, aus Kulturmenschen, aus Intellektuellen gar, aus Menschen mit Zeit zum Lesen und Nachdenken, die einen guten Wein schätzen und Hektik verachten. Das Publikum der Gamescom, ganz anders, steht auf kurzweiliges Entertainment, es giert nach dem Bombast protziger Inszenierungen, nach Coolness, nach hübschen Messebabes.

Mich irritiert sowohl das nüchterne Ambiente auf der Buch- als auch der Showcharakter der Spielemesse. Bei beiden Events habe ich mich wie ein Spielverderber gefühlt, der manche Dinge zwar ganz nett, aber nichts wirklich beeindruckend fand, der hier und da etwas zu mäkeln hatte - und nun auch noch einen miesepetrigen Blogbericht nachreicht. Ob es mir jedoch auf der Boot heute besser gehen würde? Wenn ich erneut eine klischeebehaftete Vorstellung bemühe, tummelt sich dort die schlimmste Mischung aus Gamescom- und Buchmesse-Besuchern: Kluge, aber dekadent-hedonistische Ü40er, die ihren Reichtum ausstellen, indem sie sich dicke Yachten zulegen, die fortan zwischen Monte Carlo und den griechischen Inseln kreuzen sollen.

Ich wünsche mir eine Normalo-Messe für dazwischen.

Veröffentlicht von: Mark in Leben & Reisen

Kommentare

Henning
24. August 2012 um 13:56

Ganz ehrlich? Da würde ich dir mal die Leipziger Buchmesse empfehlen!

Sicher, um ein paar der Intellektuellen wirst du auch dort nicht herum kommen, aber darüberhinaus hat sich – meiner Empfindung nach – die Messe ihre Bodenständigkeit über all die Jahre hinweg bewahrt. Mag daran liegen, dass innerhalb der Buchbranche Frankfurt eben vor allem als Verkaufs- und Leipzig als Publikumsmesse gilt.

Sehen wir uns als in Leipzig im März nächstes Jahr? 😉

Mark Heywinkel
2. September 2012 um 15:05

Ich habe ja mitnichten etwas gegen Intellektuelle! Aber vielen Dank für den Hinweis, die Messe steht bei mir auch seit längerem auf dem Plan. Vielleicht schaffe ich es ja endlich im März. Dann melde ich mich! 😉

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