10. Juni 2012 - Keine Kommentare!

Pedro Pardo made me cry oder: „World Press Photo“-Ausstellung in Berlin

Wer schöne Bilder gucken möchte, ist in der "World Press Photo 2012"-Ausstellung in Berlin weithin falsch. Zwar zeigt sie ein paar prächtige Aufnahmen von der größten Höhle der Welt in Vietnam oder von Voodoo-Riten am Saut d’Eau-Wasserfall auf Haiti. Für das Gros der besten fotojournalistischen Arbeiten des vergangenen Jahres braucht man als Besucher allerdings eine ganze Menge Kraft. Denn dort hängen Bilder, die verwundete Nashörner zeigen, denen Wilderer die Hörner herausgerissen haben. Es gibt Fotos, die die harten Verhörmethoden in der Ukraine dokumentieren. Und dann hängen im dritten Stock des Willy-Brandt-Hauses auch die Arbeiten von Pedro Pardo. "Oh, Gott", stößt eine ältere Dame beim Anblick der Bilder aus. "Das will ich mir nicht ansehen." Eine jüngere Besucherin steht fünf Minuten mit Tränen in den Augen vor der Reihe. Eine größere Gruppe, die sich vorher angeregt über die Arbeiten unterhalten hat, findet bei Pardos Bildern zum Schweigen. Sie berichten von den Bandenkriegen in Mexiko. Sie zeigen in Einzelteile zerlegte Menschen, die von Passanten oder der Polizei aufgelesen werden. Es ist stiller auf der Ausstellungsfläche nach Pardos Bildern, Marina Abramovic könnte hier viele weitere Porträts fotografieren. Die Ausstellung "World Press Photo" ist noch bis zum 1. Juli kostenlos im Willy-Brandt-Haus zu sehen. Schön ist sie nicht, aber sehenswert.

Veröffentlicht von: Mark in Kunst & Literatur

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