“Warum will Valerie den Kanzler töten?” – “Weil der Typ nervt!” oder: Eine kurze Kritik zum Hamburger “Tatort”

In einem Bankgebäude hocken junge Wichser hinter Flatscreens und spekulieren mit Geld. Mit dem Geld der Deutschen. Und weil sie noch mehr Geld verdienen könnten, wenn der Kanzler nur endlich sterben würde, befehlen sie dessen Tod. Da Attentäterin Valerie (Corinna Harfouch) allerdings auch kurz davor ist, das Zeitliche zu segnen, entführt sie die Freundin von Undercover-Bulle Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) und zwingt ihm den Job auf. Hamburgs “Tatort”-Ermittler versucht es erst auf die sanfte Tour und bittet den Kanzler, das Attentat zu inszenieren. Aber auch in dem steckt genug Arschloch, um diese Bitte auszuschlagen. Also probiert Batu es eine halbe Filmstunde später mit roher Gewalt und viel Krachwumm erneut – und stirbt bei dem erzwungenen Mordversuch.

Schnüff. Und uff. Krasses Ende für Cenk Batu.

Das Ganze: eher Verschwörungsstory und Psychothriller als klassischer “Tatort”-Krimi. Mit Charakteren, deren Antrieb man nicht versteht und die vom Kanzler bis zu den offensichtlich durchgeknallten Spekulanten alle unsympathisch sind. Dafür gab’s schöne Bilder, viel Handkamera, Zeitlupe, Flashbacks, Modernität also, der sich die “Tatort”-Reihen üblicherweise störrisch versperren. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Dafür zu danken ist Regisseur und Autor Matthias Glasner.

Bei Spiegel Online ist in der “Tatort”-Kritik über ihn zu lesen: “Glasner ist einer der risikofreudigsten Filmemacher des Landes, er dreht ohne Netz, Meisterwerke (‘Der freie Wille’) und Fehl-Kompositionen (‘Gnade’) wechseln sich in seinem Werk ab. Sein erster ‘Tatort’ mit dem schönen Titel ‘Die Ballade von Cenk und Valerie’ sprengt nun die Fesseln des Fernsehkrimis, das Realitätsgebot ignoriert er geflissentlich.”

Ich bin kein Michael-Bay- oder Luc-Besson-Jünger, aber wenn ich mir an dieser Stelle etwas für die zukünftigen “Tatort”-Filme wünschen darf, dann mehr Action, mehr Pathos, mehr Bumbumbum, mehr von Matthias Glasner. Und Til Schweiger – mit dieser Meinung bin ich auch schon wieder konventionell-langweilig – Til Schweiger braucht die Krimireihe nicht.

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2 Kommentare
  • […] Hintergrund: Tatort-Fundus, NDR (Pressemappe) Meinungen: Bandschublade, der Wahlberliner, markheywinkel, Tatort-News, Tittelbach.tv, Tatort-Forum Bildausschnitte: NDR/Sandra […]

  • Benni

    8. Mai 2012 at 16:03 Antworten

    Cool! Ich hab ihn mir gestern angeschaut – also Streaming, da ich am Sonntag nicht zu Hause war.
    Ehrlich gesagt, ich fand den Film viel zu viel. Die Charaktere waren übertrieben (der Spekulant, der sah einfach zu “cool” aus), der Film wurde so geschnitten, um ganz “artsy” auszusehen, ich fand ihn aber einfach anmaßend. Vom Tatort erwarte ich old school Krimi Unterhaltung, nicht Hollywood.
    Und der Plot war einfach lächerlich: den Kanzler zu toten, so daß sie mehr Geld machen können? Und warum nicht einfach Berlin ausbomben, oder irgendwas noch krasser?? :)

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