30. April 2012 - 1 Kommentar.

Schmerz lass nach oder: Ich spiele Paintball in Hamburg, es tut weh und ist böse, aber am meisten leidet meine Moral

[Der nachfolgende Artikel ist ursprünglich als Gameskolumne in uMag 05/2012 erschienen.]

"Hit!", rufe ich und komme aus meiner Deckung hervor. Da werde ich zwei weitere Male getroffen. Ein Gelantinekügelchen zerplatzt an meiner Schulter, eins bohrt sich mir in die Hüfte. Der Schmerz ist stechend. ",Hit!' habe ich gesagt, verdammt! Ihr habt mich doch schon getroffen!", brülle ich nun lauter, reiße mein Gewehr nachdrücklich in die Höhe, als Zeichen, dass ich aus dieser Runde ausgeschieden bin, und humpele zum Eingang der Paintballhalle zurück.

Während ich meine blauen Flecken untersuche, die mich noch ein paar Wochen begleiten werden, beginne ich an diesem Freizeitspaß zu zweifeln. Als Kriegsdienstverweigerer habe ich die Bundeswehr vor ein paar Jahren seitenlang von meinem pazifistischen Gemüt überzeugt - jetzt spiele ich Krieg. Auch wenn die Gewehre hier Markierer heißen und die Geschosse Paints: Ich stecke in einer Kampfmontur, ich pirsche von Deckung zu Deckung, ich taktiere, ich drücke ab. Mit 240 Sachen sausen die Kugeln übers Spielfeld. Vor allem an den Händen tut es weh, wenn man getroffen wird. Oft platzt die dünne Haut auf, blutet. Paintball noch als Spiel zu verstehen, fällt mir schwer.

"Das war heftig", kommen auch meine Freunde überein, als wir mit Lebensmittelfarbe besprenkelt im Bus nach Hause fahren. "Machen wir nicht noch mal, oder?" Niemand hat auf die Schnelle eine eindeutige Antwort parat, denn Spaß hat es ja irgendwie doch gemacht. Erst am Folgetag, als ich wieder an der Spielkonsole sitze und mir Zeit mit dem Action-Spiel "Prototype 2" vertreibe, lege ich fest: Einmal Paintball ist genug. Wenn ich in Zukunft wieder zur Waffe greife, dann nur zu einer, mit der niemand aus Fleisch und Blut verletzt wird. Und die armen Pixelmonster? Tja, die müssen weiterhin unter meiner schizophrenen Moral leiden.

Veröffentlicht von: Mark in Leben & Reisen

Kommentare

Benni
8. Mai 2012 um 16:10

Haha, Paintball! Ich habe es auch einmal versucht, schon lange her. Ich muss sagen, es hat Spaß gemacht. Irgendwie ruft es das Kind zurück, das solche Spielen mochte. Als Erwachsene betrachtet, ist einfach Quatsch, schon klar. Aber was nervt sind die Leute, die das Spiel als todernst nehmen. Wäre vielleicht nicht so schlimm, wenn nicht so viele Wannabe-Rambos dabei wären.
Das kann man aber auch über Online-Games sagen…

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