17. April 2012 - 1 Kommentar.

Allein im Regen oder: Stell dir vor, es geht um alles – und niemand hilft mit

[Der nachfolgende Artikel ist ursprünglich als Gameskolumne in uMag 04/2012 erschienen. Er entstand im März, dem Monat zwischen Hamburg und Berlin.]

In Bielefeld war's früher schöner. Sicher hat es in der Hauptstadt aller Provinzkäffer vor zehn Jahren auch Niagara-mäßig geschüttet (zum Vergleich: In Bielefeld gehen jährlich über 870 Liter pro Quadratmeter Regen nieder, während es im ach so trüben Hamburg lächerliche 760 sind). Aber selbst wenn die wasserarme Lutter über ihre Ufer trat und meine Mutter warnte, wer in den Keller ginge, der saufe ab, hatte ich in meiner Heimatstadt immer noch jemanden, mit dem ich das schlechte Wetter vor der Konsole vergessen konnte. Entweder gesellte sich meine Schwester zu einer Partie "Mario Kart" dazu oder ein Freund, ab und an sogar Papa und Mama.

Doch damit ist Schluss: Meine Schwester studiert in Paderborn, die Freunde sonstwo, und Papa und Mama reagieren auf Spielanfragen ganz Roger-Murtaugh-like mit einem kraftlosen "Wir sind zu alt für den Scheiß". Einmal beschwöre ich sie: "Eltern, es geht um alles! Die Reaper haben die Erde eingenommen, wir müssen Commander Shepard dabei helfen, die Völker des Universums zu einen, und gemeinsam den Gegenschlag planen!" Doch über "Mass Effect 3" schütteln meine Eltern bloß den Kopf. Die goldene Zeit der Sci-Fi, die Zeit von Asimov, Major Cliff Allister McLane und James T. Kirk, sei vorbei, urteilen sie. Und diese Videospiele seien inzwischen zu laut, zu hektisch, zu brutal. "Mach du mal deine Reaper schön alleine fertig, Sohn", sagen sie und lassen mich allein. Also sitze ich am Rand des Teutoburger Waldes, während die Bäume und Sträucher aufquellen wie Schwämme, und es gibt niemanden, auf den Commander Shepard und ich bauen können. Früher war's schöner in Bielefeld.

Veröffentlicht von: Mark in Games & Gadgets

Kommentare

Benni
8. Mai 2012 um 16:27

Sehr witzig. Und irgendwie wehmütig. Schön geschrieben!!! 🙂

Eine Antwort verfassen