Von Hamburg nach Berlin oder: Eine Aussöhnung mit der Hauptstadt

berlin

Als ich 2010 nach Hamburg übersiedelte, bin ich davon ausgegangen, dass es ein Umzug für immer sein würde. Hamburg und ich, das passte, ich fühlte mich wohl dort. Ich wollte an der Elbe bleiben, im Idealfall: zwischen Fischmarkt, teurer Elbphilharmonie und Ikea-Altona alt werden und sterben. Dann bekam ich unerwartet die Möglichkeit, Freiberufler zu werden und ein Start-up zu gründen. Bedingung: Dafür sollte ich Hamburg verlassen und nach Berlin ziehen. In diese ferne 3,5-Millionen-Einwohner-Hauptstadt, die Welt der Politiker und Entscheider, vor der ich mich fürchtete, weil ich sie bei meinen Aufenthalten stets als zu groß, zu kalt und zu unpersönlich wahrgenommen hatte. Natürlich zog ich Ende März trotzdem nach Berlin.

Seit drei Wochen steht nun auf meiner Website “Journalist in Berlin”, seit drei Wochen wohne ich in Schöneberg. Umringt von Altbauten, vielen Cafés, ein paar Parks. Es gefällt mir hier. Vielleicht, weil ich in diesem gutbürgerlichen Stadtteil wie unter einer Glaskuppel wohne. “Du erlebst hier nicht das richtige Berlin”, sagte eines Abends P. über meine WG-Wohnung. Sie sei zu groß und zu schön, so wohne man normalerweise nicht in Berlin. Mag sein. Dennoch laufe ich tagsüber durch das Berlin außerhalb der Glaskuppel, und auch das gefällt mir. Die Hauptstadt ist zwar wirklich so groß, nicht aber so kalt und unpersönlich, wie ich befürchtet habe. Diese Stadt ist viel mehr das, von dem ich in Bielefeld immer geträumt habe, und was Hamburg nur zur Hälfte ist: Ein Spielplatz für Menschen mit Ideen. Ein Ort, an dem Geschäfte wie mein neues Lieblingscafé Bilderbuch oder dieser Laden nahe der Simon-Dach-Straße, in den man durchs Fenster einsteigen muss, existieren können.

Berlin, das Berlin, das ich gerade erlebe, ist wie die Medien es beschreiben: Eine Hochburg für Kreative aus allen Herrenländern, die etwas suchen, für etwas brennen und etwas erschaffen wollen. Dieses Feuer in Berlin, es brennt. Ich mag es hier.

3 Kommentare

  1. Hemuth

    Die Frage ist wie lange es du hier aushälst. Oftmals ist Berlin geprägt von einer Lebensphase des Erfolges oder des Aufbruchs. Das sind aber meist nur Zeitspannen und eben nicht ein ganzes Leben. Du bist ja auch nicht der Stadt wegen nach Berlin gekommen und jede Aufbruchphase hat mal eine Delle oder hört sogar ganz auf. Deshalb sei gespannt wie es weitergeht (und genieße das Hoch). Was mich selbst ein wenig zu mir führt, weil ich eben den umgekehrten Weg gehen muss. Ich werde wohl wieder zurückgehen nach Hamburg, bin aber (wie mir die kurze recherchie gezeigt hat) ein wenig schockiert über die Preise. Berlin ist wohl trotz alledem noch billig. Ich hoffe aber das ich mich wieder an Hamburg meine Heimatstadt gewöhnen kann.

  2. Benni

    In Vergleich zu Hamburg ist Berlin super billig, obwohl die Preise fangen hier auch zu steigen. Ich habe mich auch kurz überlegt, nach Hamburg umzuziehen, aber das ist einfach zu stressig grade. Und ich mag es noch in Berlin, trotz seiner Änderungen. Also, ich würde fast sagen, das wahre Berlin findest du heutzutage öfter in Schöneberg als in Kreuzberg oder Friedrichshain. Sei froh zu sein, wo du bist, egal was die Besserwisser sagen.

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