27. Februar 2012 - 1 Kommentar.

Wasser tötet Batman oder: Lernen von einem alten Weisen

[Der nachfolgende Artikel ist ursprünglich als Gameskolumne in uMag 03/2012 erschienen.]

Batman macht alles, kann alles, schafft alles. Nur der, der ihn spielt, ist kein Batman: H. stürzt in seiner frisch eingenommenen Rolle als Gangster jagender Fledermausmann von Dächern, wird von Schlägertrupps verdroschen und am Ende auch noch ins Wasser gestoßen. Und Wasser, das haben uns die Comics verschwiegen, ist Batmans Kryptonit. Wasser tötet Batman, aus den TV-Boxen tropft ein gehässiges Blubblubblub.

Doch wir anderen verkneifen uns das typisch schadenfrohe Grinsen. Aus Respekt, denn H. spielt "Batman: Arkham City" nicht wie wir im leichten, sondern im schweren Modus, in dem mehr Projektile durch die Luft schwirren als in allen Schwarzenegger-Streifen zusammen. Auch das Rollenspielepos "Final Fantasy XIII-2" (meine Kritik gibt’s beim Jugendmagazin Yaez) beginnt H. ohne Zögern auf schwer, und beim bunten Prügelspaß "Soul Calibur V" greift er gleich beim ersten Kampf zum Proficharakter.

H. ist ein GRAS, ein Gamer richtig alter Schule. Im Gegensatz zum postmodernen GMILV (Gamer mit intensivem Leitfadenverlangen) schätzt er an einem Spiel weniger den Unterhaltungswert als die Herausforderung. SSG (superschöne Grafik) ist für ihn lediglich BW (Beiwerk), Tipps und Tricks im Internet nachlesen zu wollen ein GUFWASWVZW (Grund, um für Wochen aus seiner Wohnung verbannt zu werden) und Speichern NNSDSENV (nicht notwendig, solange das Spiel es nicht vorschreibt).

GRAS sind vom Aussterben bedroht, in Zeiten von Autopiloten, die durch knifflige Spielpassagen helfen, mutet H. an wie ein alter Mönch, der die Quelle der Weisheit in sich trägt. Und wir, seine Jünger, sitzen drumrum, ehrerbietig staunend. Erst als H. nach langer Pause ein irritiertes "Ernsthaft?" in den Raum wirft, verfliegt der Zauber. Und lachend entgegnen wir: "Japp, Wasser tötet Batman. Get over it."

Veröffentlicht von: Mark in Games & Gadgets

Kommentare

Hemuth
16. April 2012 um 11:27

Ich empfehle dir den Film „Super“, falls du ihn nicht doch schon kennst!

Eine Antwort verfassen