29. Dezember 2011 - Keine Kommentare!

Ich, Tilda Swinton oder: Oh freie digitale Welt

[Der nachfolgende Artikel ist ursprünglich als Gameskolumne in uMag 01+02/2012 erschienen.]

Eben schlurft Kollege Falk ins Büro, wendet sich Carsten zu und sagt: "Carsten, ich möchte mit dir über Sex sprechen." Und dann mit anzüglichem Blick in meine Richtung: "Mark kommt in diesem Gespräch auch vor." Kurz darauf setzt er sich hin und schreibt eine Kolumne über Sexismus. Die steht auf Seite 6 ... Nicht nur Kulturredakteure wie Falk müssen sich regelmäßig dem Sexismusvorwurf stellen, viel häufiger wird er Game-Entwicklern und Spielern angedichtet. Und in der Vergangenheit war das ja auch richtig. Männer in Videospielen waren durch die Bank muskelbepackte Einzelgänger. Und Frauen? Kamen in Games entweder gar nicht vor oder traten als Opferfiguren oder überzeichnete Lustobjekte in Erscheinung. Paradebeispiel: Lara Croft. "Tomb Raider" ist nicht etwa so beliebt geworden, weil darin eine smarte Archäologin die Hauptrolle spielt, sondern weil in dem Adventure eine virtuell optimierte Männerfantasie ihre Monstermöpse schwingt. Heute aber ist die Gamergesellschaft weitaus progressiver. Einige moderne Spiele überwinden sogar als einzige Medien aktiv Gendergrenzen. Während in Filmen und Büchern die Geschlechterrollen der Akteure noch fast immer klar definiert sind, muss Mark Heywinkel im Spiel nicht länger als kerniger Macho die Mafia unterwandern. Viele Games geben mir die Möglichkeit, auch als androgyner Tilda-Swinton-Verschnitt umher zu streifen. Und, das ist das Wichtige, ohne dass das irgendjemanden in den Onlinewelten scheren würde. Im Virtuellen lösen sich sexuelle und soziale Unterschiede auf. Games, das sind die ersten Welten, in denen wir völlig frei sind.

Weitere Stimmen zum Thema "Sexismus in Videospielen":

Veröffentlicht von: Mark in Games & Gadgets

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