29. November 2011 - Keine Kommentare!

Scheiß auf Stolz! oder: Von der Brutalität des gemeinsamen Spielens

[Der nachfolgende Artikel ist ursprünglich als Gameskolumne in uMag 12/2011 erschienen.]

"Ha, ha!", machen die Jungs unisono. "Ha, ha!", weil ich in "Battlefield 3" den Typen mit der Bazooka übersehe und er mich mit einem sauberen Schuss ins digitale Nirvana sprengt. "Ha, ha!", weil mir kurze Zeit später in "Batman: Arkham City" der muskelprotzige Fledermausmann zu Boden geht. Und als ich in "Uncharted 3" den richtigen Moment verpasse, und Protagonist Nathan Drake aus einem Flugzeug in den Tod stürzt, grölen sie: "Ha, ha, Alter! Zernichtet!" Es ist zum Mäusemelken! Da schleppe ich die Videospielhighlights des Jahres zum Gamesabend an - um mich von meinen Kumpels mit Gelächter für schlechtes Zocken strafen zu lassen. Wer aber meint, so fies ginge es nur in nerdiger Runde zu, der hat noch nicht den Hades gesehen: mit Leuten spielen, die mit Games nix am Hut haben. Dabei landen nämlich immer Titel in der Konsole, die zwar keine Tigerreflexe verlangen, dafür aber mächtig am Stolz kratzen, wenn man versagt. Wissensspiele wie "Buzz!" sind da sehr beliebt. Besonders bei den Mädchen, die wir lieben, weil sie sehr kluge Mädchen sind. Die jedoch gerade deshalb jeden Jungsdiss zur harmlosen Bagatelle verkommen lassen: "Wie, du hast nicht gewusst, dass Liverpool zum Verwaltungsbezirk Merseyside gehört?", tönen sie weniger ruppig, dafür ungemein vorwurfs- und schmerzvoller. "Und dass Johann Carl Friedrich Gauß den ersten Telegrafen erfunden hat, hast du auch nicht gewusst? Was weißt du denn?" Ein sensibles Ehrgefühl ist in den seltensten Fällen von Vorteil. Beim Gamesabend sollte man es ganz ausblenden. Vor allem im Beisein kluger Mädchen.

Veröffentlicht von: Mark in Games & Gadgets

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