13. Juli 2010 - 1 Kommentar.

Rupert Murdoch: Retter des digitalen Journalismus?

Als Rupert Murdoch im August 2009 ankündigte, die Online-Angebote seiner News Corp. hinter Bezahlschranken zu verbergen, schöpften Verleger auf der ganzen Welt erneut Vertrauen in das Erlösmodell Paid Content. Murdoch schien gar der Retter des digitalen Journalismus zu sein. Und das, obwohl der 80-Jährige mit dem Internet auf Kriegsfuß steht und eigentlich ein Medienunternehmer des vergangenen Jahrhunderts ist.

In einer Biografie-Zusammenfassung widmet sich Mediatopia dem bedeutendsten Medienmogul der Welt und hinterfragt seine Rolle als Anführer eines neuen Paid-Content-Hypes.

Inhalt:

  • Der australische Nationalheld
  • Im Schatten des Vaters
  • Aufbau des Medienimperiums
  • Murdochs News Corp. heute
  • Ein gewiefter Geschäftsmann
  • Intrigen, Hetze, nackte Tatsachen
  • Murdoch und das Internet
  • Der Herr des Internet

Bis zu dessen Tod im Oktober 1952 hatte Rupert Murdoch stets im Schatten seines Vaters Sir Keith Murdoch gestanden. Autoren wie u. a. Gerald Wagner oder Bruce Page, die sich mit der Murdoch-Biografie auseinander gesetzt haben und deren Bücher diesem Artikel als Grundlage dienen (eine Übersicht der Quellen findet ihr auf der letzten Seite), verstehen in der Vater-Sohn-Beziehung die Ursache für Rupert Murdochs späteren Ehrgeiz und immensen Erfolg. Deshalb werden wir uns zu Beginn mit Ruperts Vater Keith auseinandersetzen.

Der australische Nationalheld

Keith Murdoch (Quelle: Wikipedia)

Keith Murdoch wurde 1885 in Melbourne geboren, kurz nachdem seine schottischen Eltern nach Australien ausgewandert waren. Sie lebten in bescheidenen Verhältnissen und Keith war ein schüchterner Junge, der unter einem schweren Stottern litt. Dennoch gelang es ihm, bereits in jungen Jahren eine rasante Karriere als Journalist zu starten. Mit 17 Jahren begann er für die Tageszeitung The Age in Melbourne zu arbeiten. 1909 finanzierte er sich eine Fahrt nach London. Dort studierte er an der London School of Economics und ließ sich von einem Therapeuten das Stottern abtrainieren. Er versuchte wohl auch, an der Fleet Street in London, dem britischen Zentrum der Presse, einen Job zu bekommen – blieb dabei allerdings erfolglos.

Nach seiner Rückkehr nach Melbourne schrieb Keith Murdoch noch sechs Jahre für The Age. Ab 1914 berichtete er für die australische Sun als Korrespondent aus Melbourne. Dort gelang es ihm, auf sich aufmerksam zu machen: Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde der junge Mann als Regierungskorrespondent nach Ägypten entsandt – eine Position, die ihm alsbald zu großem Ruhm in seiner Heimat verhalf. Denn im September 1915 erfuhr er, wie englische Kommandeure tausende australische Soldaten bei der Eroberung der türkischen Insel Gallipoli sinnlos opferten. Es gelang Keith Murdoch, seinen Bericht über das Blutvergießen an der englischen Zensur vorbei zu schmuggeln und dem britischen Verleger Lord Northcliffe in London zukommen zu lassen. Northcliffe veröffentlichte den Bericht und löste damit einen politischen Skandal aus, der zum Rücktritt des Premierministers Herbert Henry Asquith führte.

Nach dem Krieg zog es Keith Murdoch wieder nach London. Erneut als Korrespondent schrieb er für die Sun in Sydney und den Herald in Melbourne. Zudem lernte er an der Fleet Street unter den Fittichen von Alfred Harmsworth, 1. Viscount Northcliffe dessen „Neuen Journalismus“ kennen, der die Vorlage für die spätere Yellowpress sein sollte. 1921 kehrte Murdoch nach Australien zurück, um den Chefredakteursposten beim Melbourner Herald zu übernehmen. Dem Blatt ging es nicht gut, doch Keiths Wissen, das er sich bei Lord Northcliffe in London angeeignet hatte, half ihm, aus dem Herald innerhalb von ein paar Jahren eine der einflussreichsten Zeitungen des Landes zu machen.

Nach und nach vergrößerte er sein eigenes Vermögen und kaufte mehrere Provinzblätter und einen Radiosender mit dem festen Bestreben, aus den Errungenschaften ein Zeitungsimperium zu formen. Doch soweit kam es nicht mehr. Im Alter von 66 Jahren verstarb Keith Murdoch an einer Herzattacke und hinterließ sein in den Kinderschuhen stecken gebliebenes Imperium einer ungewissen Zukunft.

Auf der nächsten Seite: Rupert Murdochs Lehrjahre

Veröffentlicht von: Mark in Kunst & Literatur

Kommentare

Ulf
19. Juli 2010 um 22:49

Interessanter Artikel ! Ich wusste über Rupert Murdoch bislang nur das er was mit Medien macht, aber nicht, dass die Medien auch TV und Internet heißen.
Wobei seine Versuche im Internet mitzumischen aus meiner Sicht noch nicht von besonderem Erfolg gekrönt sind: Von Myspace werden wohl in den nächsten Jahren viele zu facebook abwandern und dass die Paid Content Seiten wie thetimes.co.uk viele Besucher haben kann ich mir auch nicht vorstellen, weil man dort ja wirklich für ALLES bezahlen muss. Da muss man also schon irgendnen Abo nehmen oder was es da gibt. Aber dafür gibts im Moment noch zu viele gute Quellen aus den man die Informationen auch kostenlos bekommt.
Insgesamt erinnet mich Murdoch ein wenig an William Randolph Hearst, der auch eine Zeitung nach der nächsten aufgekauft hat, dann Radiosender, Fernsehsender und Filmstudios und das schon vor über 80 Jahren.

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