18. Juni 2010 - 1 Kommentar.

Fünf Grundsätze für die Aufbereitung von Online-Artikeln

Der Print-Journalismus hat sich über Jahrzehnte entwickelt und präzise Regeln zum Schreiben und zur Aufbereitung von Artikeln für Zeitungen und Zeitschriften aufgestellt. In zahlreichen Ratgebern und Lehrbüchern finden Print-Journalisten das nötige Handwerkszeug, um Nachrichten informativ oder Interviews spannend aufzubauen.

Der Online-Journalismus befindet sich hingegen noch immer in einer Pionier- und Experimentierphase. Für die Aufbereitung von Online-Artikeln gibt es bislang keine genau definierten Regeln - und in diesem Blog wird noch der Frage nachzugehen sein, wie Informationen im Netz aufbereitet sein müssen, damit User wieder bereit sind, dafür zu zahlen. An dieser Stelle möchte ich zunächst ein paar - nennen wir sie nicht Regeln, sondern - Grundsätze festhalten, an die sich Online-Redakteure halten sollten, um Informationen internetspezifisch aufzubereiten.

Dafür möchte ich zunächst Online-Artikel von Print-Artikeln grob abgrenzen. (Wer nicht warten kann: hier geht es direkt zu den Grundsätzen) Sie unterscheiden sich besonders in drei Punkten stark voneinander:

1. Story-Telling

Generell wird im Journalismus zwischen informierenden, meinungsäußernden und unterhaltenden Darstellungsformen unterschieden. Zu den informierenden oder nachrichtlichen Darstellungsformen zählen Meldungen und Berichte. Meinungsäußernde Darstellungsformen sind u. a. Kommentare und Glossen. Zu den unterhaltenden Darstellungsformen zählen Features und auch Interviews.

Abbildung 1: Nachrichtenpyramide (Quelle: selbsterstellt nach Wikipedia)

Jede dieser Darstellungsformen unterliegt bestimmten Regelmäßigkeiten – sowohl auf dem gedruckten Papier als auch im Internet. So folgen beispielsweise Nachrichten dem Prinzip der umgekehrten Pyramide (vgl. Abbildung 1), wonach der relevante Kern eines Ereignisses zu Beginn genannt, anschließend die Quelle angegeben wird und erst später die Einzelheiten und Hintergründe genauer erläutert werden.

Alle Print-Darstellungsformen haben gemeinsam, dass der Journalist den Leser linear durch ein Thema führt. In diesem Punkt unterscheiden sie sich erheblich von Online-Artikeln. Das Story-Telling geschieht im Internet auf eine andere Weise.

Das Web ist ein weltweit abrufbares Hypertext-System. Per Definition des Brockhaus ist Hypertext eine non-lineare Form der Strukturierung und Präsentation von textbezogenen Daten, ein Hyperlink ist eine Verbindung innerhalb des Netzes.

Abbildung 2: Netzstruktur eines Online-Artikels (Quelle: selbsterstellt nach Klaus Meier: "Internet-Journalismus", S. 31)

Diese Struktur ermöglicht und erfordert es, dass der Inhalt eines Artikels in in sich geschlossene Stücke zerlegt wird. Journalistik-Dozent Klaus Meier stellt in seinem Buch "Internet-Journalismus" fest:

Der Nutzer kann die Webpräsentation nicht wie ein Buch von vorne bis hinten durchlesen, sondern muss sich per Mausklick immer wieder entscheiden, welchen Weg er durch das Angebot wählen, wie tief oder breit er sich informieren will.

Anstelle der Metapher der umgekehrten Pyramide tritt die Metapher des Netzes (vgl. Abbildung 2).

Für den Online-Journalisten hat diese Netzstruktur zur Folge, dass er einen Text in mehrere Abschnitte gliedern muss, die es in die Breite und Tiefe miteinander zu verknüpften gilt.

2. Multimedialität

Ein Print-Artikel kann ausschließlich durch Fotos, Illustrationen und Infografiken aufgewertet werden. Da Redaktionen mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Papier sparsam umgehen müssen, reicht der Platz pro Artikel häufig nur für ein Bild, das einen zentralen Vorgang oder Schauplatz visualisiert. Beim täglichen Blick in die Tageszeitung fällt auf, dass viele Artikel unbebildert bleiben.

Im Internet müssen die Journalisten multimedialer denken. Sie müssen gegenüber den anderen Medien einen Mehrwert bieten. Zwar wird beim Lesen eines Online-Artikels zuerst noch immer der Text wahrgenommen, doch wenn durch einen Online-Artikel nicht nur Informationen sondern auch Emotionen vermittelt werden sollen, eignet sich hierfür die Kombination mit anderen Medien. Im Web gibt es keinen begrenzten Platz, der Speicherplatz im Netz reicht aus, um zu jedem Artikel nicht nur Bilder, sondern gleich ganze Fotostrecken, Video- und Audiodateien abzuspeichern.

3. Aktualität und Archivierung

Artikel in Online-Magazinen zu veröffentlichen, ist gegenüber der Produktion eines Print-Produktes weitaus kostengünstiger und aktueller: Muss ein Heft erst gedruckt und ausgeliefert werden, sind Nachrichten im Internet über Content-Management-Systeme zeitnah online gestellt und für den Leser verfügbar. Der erhebliche Vorteil von Online-Artikeln ist, dass sie auch nach der Veröffentlichung noch verändert werden können.

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Veröffentlicht von: Mark in Kunst & Literatur

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